NIC. DICKEN

Die von der ADEM im Laufe der vergangenen Woche gemeldeten neuesten Zahlen über den einheimischen Arbeitsmarkt sind skandalös und alarmierend zugleich. Insgesamt 22.151 Menschen, die im Großherzogtum leben, hatten keinen geregelten Arbeitsplatz. Während 17.408 beim Arbeitsamt auf Vermittlung an eine neue Stelle warten, befanden sich per 31. Januar zusätzlich 4.743 Menschen, die auf Arbeitsuche sind, in einer der zahlreichen Beschäftigungsmaßnahmen, die allerdings in ihrer bisherigen Form den in sie gestellten Erwartungen keineswegs gerecht wurden.

Kein Geringerer als Staatsminister Jean-Claude Juncker, der selbst während mehr als 20 Jahren als Regierungsmitglied für das Beschäftigungsressort verantwortlich war, unterstreicht mit schöner Regelmäßigkeit und nicht ganz zu Unrecht, das Phänomen der Arbeitslosigkeit sei weniger ein statistisches als ein aus unzähligen Einzelschicksalen bestehendes menschliches Problem. Nun wäre es aber falsch anzunehmen, der in Luxemburg weiter ansteigende Beschäftigungsnotstand sei eine Fatalität, eine Randerscheinung des wirtschaftlichen und sozialen Wandels, der sich heute mit weitaus schneller vollzieht als es jemals zu vor in der Geschichte der Fall war.

Wie kann es denn sein, dass in einem Zeitraum von - sagen wir einmal pauschal - 20 Jahren eine Entwicklung so vollständig aus dem Ruder laufen kann, wie es seit 1995 in Luxemburg feststellbar ist? Ende Januar 1995 zählte Luxemburg, den Angaben des Statec zufolge, insgesamt 201.294 Arbeitnehmer, von denen 148.332 im Lande wohnten. Als Arbeitsuchende waren damals 4.899 Menschen eingeschrieben, Beschäftigungsinitiativen gab es zu dem Zeitpunkt allenfalls ansatzweise und in eher bescheidenem Rahmen. Letztere machten in den letzten Jahren wenn überhaupt, lediglich Schlagzeilen im Zusammenhang mit erwiesener oder vermuteter Veruntreuung von öffentlichem Geld.

Mittlerweile ist die Gesamtbeschäftigung in Luxemburg auf 380.500 Arbeitsplätze (davon 357.522 im Salariatsverhältnis) angestiegen. Die Zahl der im Lande lebenden Arbeitnehmer mit festem Arbeitsplatz in Luxemburg ist von 1995 bis 2013 von 148.332 auf 211.266 gestiegen, eine Folge vor allem der starken Immigration, die nach wie vor anhält. Das fortwährend erweiterte Beschäftigungsangebot wurde also nicht nur von Grenzgängern aus Belgien, Deutschland und Frankreich genutzt, deren Zahl im gleichen Zeitraum von 52.962 auf 156.862 angestiegen ist, um rund das Dreifache also. Völlig unerklärlich ist jedoch, weshalb sich die Zahl der Menschen, die im Land keinen Arbeitsplatz finden können, in knapp zwei Jahrzehnten mehr als vervierfacht hat. Das hat nicht nur mit dem Arbeitsmarkt zu tun, das ist vor allem auch die Konsequenz einer beruflichen Ausbildung, die offensichtlich weitgehend an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes vorbeiführt. Dass dieses Entwicklung nicht unendlich fortgesetzt werden kann, müsste eigentlich einleuchten. An Entwarnung ist derzeit jedoch nicht zu denken, wie uns ADEM und Statec jeden Monat unerbittlich in Erinnerung rufen.