DEN HAAG
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Europol: Wie Covid-19 die Cyberkriminalität beeinflusst

Die Pandemie ist in ihrem Einfluss auf verschiedene Bereiche des Lebens nicht zu unterschätzen. Während sie zu einer Beschleunigung der Digitalisierung be    iträgt, folgt eine nahtlose und vergleichbare Entwicklung bei der Cyberkriminalität. Es ist vor diesem Hintergrund, dass Europol die diesjährige Ausgabe „Organised Crime Threat Assessment“ (IOCTA) veröffentlicht. Sie soll einen Überblick zu den neuesten Entwicklungen auf dem Feld liefern. Edvardas Šileris, Leiter des „European Cybercrime Centre“ beschreibt, dass es wohl keine Revolution gab, sehr wohl aber eine Evolution.

Vorgetäuschte Rettung

Während des Lockdowns hätten zahlreiche Menschen das Internet verstärkt genutzt. Dadurch wurde der digitale Raum auch für die Kriminellen von größerem Interesse. Eines von vielen Beispielen stellen hier sowohl die Taktiken des Social Engineerings, welche einen direkten E-Mail- oder Telefonkontakt mit den Opfern voraussetzen, oder das klassische Phishing dar. Kriminelle seien bei ihren Attacken vor allem auf verletzliche Personen konzentriert, wobei die Verbreitung von Fake News es ihnen mit Leichtigkeit erlaubt, vorzutäuschen, sie hätten eine Heilmethode oder ein Immunmittel auf Lager. Dabei spielt die Verschlüsselung zunehmend eine Rolle. Denn dieses erschwert es den Ermittlern, die wichtigen Daten zu sammeln.

Malware ist ein weiter Aspekt, der im Fokus von Europol steht. Die Attacken auf die Gesundheitssysteme habe es zwar bereits zuvor gegeben, doch die Ransomware-Angriffe hätten vor allem Daten zum Ziel, welche mit Hilfe von dieser Erpressungsmethode in Geld verwandelt werden würden. Europol stellt jedoch fest, dass die Angriffe geschickter geworden sind und ganz direkt spezifische Ziele im öffentlichen und privaten Sektor anpeilen würden. Sie würden Einschätzungen zu Folge eine der bedeutendsten Bedrohungen in der EU darstellen.  Wie bereits in der Vergangenheit berichtet ist auch die Verteilung von Kindesmissbrauchsmaterial über das Internet angewachsen. Dabei werden sowohl „Peer to Peer“-Netzwerke, als auch soziale Netzwerke, wie auch verschlüsselte Kommuikationsmittel genutzt. Neuen Communitys und Foren seien entstanden, die vor allem auf eine Beteiligung der Nutzer setze. Das Dark Web würde zudem auch für andere kriminelle Machenschaften missbraucht werden, auch wenn die Kriminellen zunehmend auf andere Dienste umsatteln würden, die jedoch ein ähnliches Niveau an Anonymität gewährleisten würden. Catherine De Bolle, Exekutivdirektorin von Europol sagt laut Pressemitteilung: „Cyberkriminalität betrifft Bürger, Unternehmen und Organisationen in der gesamten EU.“ Europol spiele eine Schlüsselrolle bei der Koordinierung der Ermittler und würde innovative Lösungen anbieten. Die EU-Kommissarin für Inneres, Ylva Johansson sagte: „Die Coronavirus Pandemie hat viele Aspekte des alltäglichen Lebens verlangsamt. Doch es hat leider die kriminelle Aktivität online beschleunigt.“