LUXEMBURGPATRICK VERSALL

Patrick Saytour stellt bis Mitte November in Luxemburg aus

Genüsslich zieht Patrick Saytour an seiner Havanna, blickt dann mit einem leichten Grinsen auf seine Werke, die die Wände des Eingangsbereichs der Galerie Bernard Ceysson zieren. Es handelt sich um alte Bezugsstoffe, auf denen der Franzose einige aufgeklebte Stoff-oder Kartonelemente angebracht hat. Die Stoffe hätten allesamt ihre eigene Geschichte, er für seinen Teil füge lediglich durch seine Arbeit einen kleinen Teil Geschichte hinzu, erklärt Saytour. Für ihn sind seine Werke eng mit der gesamten Geschichte der Malerei verknüpft: „Du malst niemals auf eine weiße Leinwand“, neue Werke entstehen auf einem bereits bemalten geschichtlichen Hintergrund.

Beim erstmaligen Betrachten seiner Kunst ließ sich schon der eine oder andere Galeriebesucher in die Irre leiten, vermutete als Urheber der Werke einen jungen Absolventen einer Kunsthochschule, der mit überdimensionalen Collagen der zeitgenössischen Kunstszene seinen Stempel aufdrücken möchte. Überrascht sind die meisten, wenn sie erfahren, dass auch ein Maler jenseits der 75 frische und moderne Werke realisieren kann. Diese Reaktion des Publikums belustigt den Künstler, er kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, so als würde sich er am liebsten direkt ans Publikum richten mit den Worten: „Seht her, wir Alten sind alles andere als altbacken.“

Keine Retrospektive

Die Galerie am Fischmarkt zeigt bis zum kommenden 16. November keine klassische Retrospektive, sondern widmet sich den fünft ersten und den fünf letzten Schaffensjahren des Franzosen. „Dazwischen liegen 53 Jahre, leider“, erklärt Patrick Saytour achselzuckend. Obwohl der Name Saytours oftmals mit jenen Picassos und Braques fällt, schreitet der Franzose vehement ab, von beiden beeinflusst worden zu sein. Für den jungen Saytour war viel mehr eine Begegnung mit seinem Landsmann Henri Matisse von Bedeutung: „Ich habe Matisse als Fünfzehnjähriger kennengelernt und ihm meine Werke zur Begutachtung vorgelegt. Er hat mich nicht „gekillt““, so Saytour. Matisse äußerte sich positiv zu den Werken des Jung-Künstlers, ein Verriss blieb Saytour erspart. „Ihm gefiel angeblich die Fröhlichkeit in meinen Bildern“, blick Saytour auf diese Begegnung zurück.

Recycling

Im gewölbten Keller der Galerie zeigt Saytour ein paar seiner in den sechziger Jahren entstandenen überdimensionalen Stoffleinwände. Das Antlitz des weißen Naturmaterials veränderte Saytour mit einigen, wenigen Pinselstrichen. Weit wichtiger als die Farbelemente ist die unendliche Anzahl an Faltmöglichkeiten, die es Saytour erlauben, die Form der Leinwände zu verändern.

Die Falttechnik habe er sich bei seiner Großmutter abgeschaut, ihn fasziniert die Idee des sich wiederholenden Drehens und Umkehrens. Dieses ständige Hin und Her, das Wechselspiel mit der Physiognomie des Werkes lässt das Ausstellen desselben allerdings zu einer komplizierten Angelegenheit werden.

Patrick Saytour sieht Parallelen zwischen der Falt- und der Collagetechnik. Es mag somit wenig verwundern, dass sich der Franzose, insbesondere für seine aktuellen Werke, der letztgenannten Technik ausführlich bedient. Für seine Metallcollagen verwertet der Südfranzose altes Gerümpel, das in seinem Atelier herumlag, der Abfall, der nach der Fertigstellung eines Bildes übrig blieb. Durch die Wiederwertung der Materialien gelingt ihm erneut die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart. Denn, wie schon gesagt: „Du malst niemals auf eine weiße Leinwand“.