LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die M.M. Warburg & CO lud zum jährlichen Ausblick auf den Kapitalmarkt

Seit zwanzig Jahren befasst sich Carsten Klude mit den Perspektiven für Aktien, Anleihen und Rohstoffe. Der Chefvolkswirt der Hamburger Privatbank M.M. Warburg & CO ist zu einem gefragten Experten für die Kapitalmärkte geworden. Kein Wunder, dass sein Vortrag im Cercle Munster vergangenen Woche mit rund 70 Gästen aus Fachkreisen gut besucht war.

Klude zeigte sich trotz des moderaten Wachstums der Weltwirtschaft durchaus optimistisch. „Wir haben derzeit die stärkste Konjunktur der letzten zehn Jahre“, versicherte er den Zuhörern. „Das wirtschaftliche Umfeld ist so positiv wie seit langem nicht mehr.“ Auch die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA ändere daran nichts. Getragen werde das Wachstum vor allem von den Schwellenländern. „Es gibt ein großes Potential in den BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China“, betonte der Volkswirt. Aber auch in Europa gebe es gute Frühindikatoren; Deutschland bliebe Wachstumsmotor.

Für Klude ist eine Zinserhöhung so gut wie sicher, und zwar am Mittwoch, wenn die FED in den USA den Zins erhöhen wird. Für dieses Jahr sind insgesamt drei Zinsschritte in Aussicht gestellt worden.

„Die EZB hingegen wird den Zins auf absehbare Zeit auf diesem Niveau belassen, auch den Leitzins“, glaubt Klude. Er rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank bis zum Jahresende das Programm des „Quantitative Easing“, also der sehr lockeren Geldpolitik, abschaffen wird. Bis Ende diesen Monats sind noch 80 Milliarden Euro für ein Anleihenkaufprogramm vorgesehen, ab April dann 60 Milliarden Euro.

Die Portfolio-Manager interessierten sich sicherlich für seine Ausführungen zum Anleihenmarkt. Denn so genannte sichere Anleihen aus Staaten mit einer stabilen Wirtschaft verzeichnen laut Klude eine rückläufige Rendite und sind somit eine schlechte Anlage. Hochzinsanleihen aus Schwellenländern hält er da schon für interessanter, aber auch Unternehmensanleihen mit einem schlechten Rating.

Inflation ist wieder Thema

Angesichts steigender Energiepreise sei auch die Inflation, die eng daran gekoppelt sei, wieder Thema. Klude rechnet jedoch nicht damit, dass die Inflation in der Eurozone über zwei Prozent hinausgeht.

Der US-Dollar hat zuletzt deutlich an Wert gewonnen. Er könnte noch weiter steigen, weil es Sorgen um eine Zuspitzung der Lage in Europa gibt, die durch zahlreiche Wahlen - unter anderem in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland - gekennzeichnet ist. „Der Dollar sollte in der ersten Jahreshälfte 2017 knapp die Parität zum Euro erreichen“, erwartet Klude. Danach dürfte es für den Euro wieder bergauf gehen. Die Flüchtlingswelle habe in vielen Ländern wegen der Staatsinvestitionen positive Wachstumseffekte gehabt. Der Brexit habe bislang bestenfalls moderate Effekte.

Rekord beim DAX

Ein großer Gewinner des Aufschwungs ist laut Klude der Aktienmarkt, wobei europäische Aktien interessanter seien als überbewertete US-Aktien. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der DAX sein Rekordhoch von 12.400 Punkten, das er im April 2015 hatte, erreicht oder übertrifft“, glaubt Klude. „Anleger sollten also nicht den Fehler machen, vor lauter Risiken die Chancen nicht zu sehen.“ Er sieht einen beschwingten Start ins Jahr