LUXEMBURG
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Glacis: Restauriertes Monument für Johann den Blinden eingeweiht

Am Freitag wäre es wieder so weit gewesen: Tausende hätten sich auf dem Glacis-Feld eingefunden, um den Startschuss der „Schueberfouer“ 2020 mitzuerleben. Sicher hätte auch die 680. Ausgabe des beliebten Volksfestes wie in den Jahren zuvor über drei Wochen mehr als zwei Millionen Besucher von nah und fern angezogen. Doch aufgrund der Covid-19-Pandemie beschlossen die Behörden, das größte Spektakel im Großherzogtum abzusagen, um der Ausbreitung des Virus keinen Vorschub zu geben. Aber auf den Rummel sollte nicht ganz verzichtet werden: das Programm „D‘Stad lieft“ bietet seit dem 11. Juli und noch bis zum 13. September einige Attraktionen in den verschiedenen Stadtvierteln. Es gibt sogar ein Riesenrad auf der „Kinnekswiss“ mit 50 Metern Höhe und 36 Gondeln mit Platz für sechs Personen.

1975 von den Schaustellern gestiftet

Hier und da in den Vierteln stößt man auf Fahrgeschäfte, Schießstände und Imbiss-Buden. Auch der Sandstrand auf dem Theaterplatz ist wieder da und sorgt für etwas Sommerfeeling. Und auch dem „Place de la Constitution“ wurde ein Imbiss-Dorf mit ein paar Fahrgeschäften und einem Straßenhändlermarkt aufgebaut. Zudem begegnet man hin und wieder einigen Straßenkünstlern, die für Unterhaltung sorgen. Das Glacis-Feld wurde indes im Juli zum Autokino umfunktioniert. Die Stadt und ihre Partner bemühen sich, das beste aus einer Situation zu machen, in der eben Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln genauestens eingehalten werden müssen.
Man hofft natürlich inbrünstig, dass die „Schueberfouer“  nächstes Jahr wieder unter normalen Umständen über die Bühne gehen kann. Das wünschte sich von ganzem Herzen gestern Nachmittag mit einer Träne im Knopfloch unter anderem Stadtschöffe Serge Wilmes (CSV) beim Denkmal auf dem Glacis für Johann den Blinden, den Gründer der „Schueberfouer“.
Hier in der rue Nicola Adames fand eine kleine Zeremonie zum Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Stele statt, die am 23. August 1975 auf Initiative der Schausteller eingeweiht worden war. Mit den Jahren hatten das Mauerwerk und die Bronzeplakette mit dem Siegel des Grafen von Luxemburg etwas gelitten. Bei der Renovierung wurde nun ebenfalls ein kleiner Platz vor dem Monument eingerichtet, auf dem etwa Blumengebinde niedergelegt oder Zeremonien abgehalten werden können. Es sind Vorrichtungen angebracht worden, die Fahnen tragen können und Bänke auf beiden Seiten des Monuments, während die Rose „Jean de Luxembourg“ gepflanzt wurde. Auf einer Schautafel mit einem luxemburgischen und englischen Texten, erfährt man indes mehr über das Leben und Wirken des „Schueberfouer“-Gründers und die Messe selbst. Den Titel des Grafen von Luxemburg erlangte der 1296 geborene Spross Heinrichs VII. im Jahr 1313. Da war er bereits seit drei Jahren König von Böhmen. Ein bis heute erhaltenes Dokument vom 20. Oktober 1340 bezeugt, dass der Graf von Luxemburg damals einen großen Markt in der Festungsstadt erlaubte, der am Vorabend des Sankt-Bartholomäustages, dem 24. August, beginnen sollte. Ab dem Moment beginnt also die Zeitrechnung der „Schueberfouer“.
Der umtriebige König von Böhmen und Graf von Luxemburg kämpfte auf zahlreichen Schlachtfeldern. Davon hielt ihn auch eine Augenkrankheit nicht ab, die ihn 1340 völlig erblinden ließ. Am 26. August 1346 ritt er an der Seite des französischen Königs gegen die Engländer in der Schlacht von Crécy und fiel im Alter von 50 Jahren. Nach mehreren Stationen über die Jahrhunderte ruhen seine Gebeine seit 1946 in der Kathedrale „Notre-Dame“.
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