Sport hat eine erzieherische Wirkung, das weiß man schon seit dem Altertum. Zusammen mit dem „Sportlycée“ möchte die Handelskammer einen Beitrag dazu leisten, die Rolle des Sports bei der Lösung von Problemen im beruflichen Feld hervorzuheben. Ein Workshop des Aus- und Weiterbildungsinstitutes „Luxembourg School for Commerce“ (LSC) fand darum gestern statt, der Sportlern helfen soll, sich auf die berufliche Welt nach dem Sport vorzubereiten. Renommierte olympische Segler und ehemalige Weltmeister nahmen an der gemeinsamen Initiative mit dem bekannten Coach Professor Norbert Harlander teil.
Harlander bemerkte dazu, dass Sport wie Unternehmen eine wichtige Gemeinsamkeit hätten, da beide durch Wettbewerb gekennzeichnet seien, womit er die Diskussion „Sport und Wirtschaft“ eröffnete.
Marc Schmit, Luxemburgs früherer Profisegler, kann aus seiner eigenen Erfahrung berichten, dass Sport auch bei der Persönlichkeitsbildung hilft, setzt er doch Ehrgeiz und Disziplin voraus. „Durch Sport lernt man, sich im Griff zu haben“, resümiert Schmit. Laut Vincent Hieff, Responsable du Guichet unique „Espace Entreprises“ bei der Chambre de Commerce, sind viele Unternehmer Sportler oder Exsportler. Ein erfolgreicher Sportler brauche wie ein Unternehmer Disziplin, Ausdauer und müsse unter Druck arbeiten können, so Hieff. Was nun den Berührungspunkt des Sportlers mit der Wirtschaft betrifft, müsse sich ein Sportler gegenüber seinen Sponsoren beispielsweise auch vermarkten, womit es zuweilen hapert: Verständlicherweise möchte sich vor allem der junge Sportler ja nicht in erster Linie vermarkten, sondern sich auf seinen Sport konzentrieren.
Der ehemalige Profisegler Johannes Polgar ist sicher, dass ihm persönlich die Erfahrung, die er im Sport gewonnen hatte, auch später in seinem Berufsleben half, denn sportliche Erfahrungen gäben Potenzial, das einem im Berufsleben helfe, Leistung zu bringen: „Geschenkt wird einem im Sport nichts, aber auch im Beruf nicht.“ Im Sport könne man an Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gewinnen, wobei sportliche Werte wie Fairness auch auf die Wirtschaft übertragen werden können: Polgar sagt dazu: „Auch wer stets im Berufsleben dazwischengrätscht, kommt nicht weit.“ Niederlagen einstecken und trotzdem nicht den Kopf in den Sand stecken, dazu kann Polgar ein Beispiel anführen. Der achte Platz bei den Olympischen Spiele 2008 sei sehr enttäuschend gewesen, er habe aber danach nicht einfach die Sportkarriere beenden wollen. Erst als er 2010 die Europameisterschaft gewann, sei das wie eine Gutmachung gewesen und er habe gelernt: Man müsse Chancen nutzen, ohne mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. „Es lohnt sich, wieder aufzustehen.“
Mit Niederlagen umgehen lernen
Harlander weist darauf hin, dass Wettbewerb im Sport wie in der Wirtschaft bedeute, dass man zum einen erfolgreich sein, aber auch scheitern könne, beide Erfahrungen mache man im Sport unweigerlich. Scheitern als Lernaufgabe zu begreifen, so sehen es auch die aktiven wie auch die ehemaligen Sportler. Die Niederlage zwinge dazu, nachzudenken und sich zu verbessern, darum seien auch Niederlagen wichtige Erfahrungen.
Erik Heil, der 2013 den ersten Platz beim Weltcup Palma de Mallorca gewann und neben seiner sportlichen Karriere Betriebswirtschaftslehre studiert, stimmt dem zu, denn Niederlagen brächten auch neue Motivation. Bei jedem Erfolg, so Heinz Thews, Directeur Technique, „Comité Olympique et Sportif Luxembourgeois“, sei entscheidend, dass man sich für etwas entscheide, was einem wirklich etwas bedeute. Laut Vincent Hieff brächten Sportler aber ein Plus mit, denn Sport brächte Dinge wie Teamgeist mit, die auch im Beruf sehr wichtig seien. Das Schwarz-Weiß-Denken sei passé, weiß Pascal Schaul, beigeordneter Direktor des Sportlycée zu berichten. Luxemburg brauche aber Strukturen, die ermöglichen, dass sportliche und berufliche Karriere miteinander vereinbar sind.


