LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Christian Ries, Kurator am Naturhistorischen Museum rät von Exoten im Garten ab

„Es gibt keine bösen Pflanzen. Es nützt gar nichts Pflanzen zu verteufeln, die Menschen haben die Fehler gemacht!“ Christian Ries ist in seiner Aussage klar und eindeutig. Ries, Konservator am Naturhistorischen Museum Luxemburg, steht im Ruf der luxemburgische Experte für Neophyten, also für eingewanderte oder angesiedelte Pflanzen zu sein, so genannte invasive Pflanzen.

Ries rät beim Anlegen eines Gartens ganz und gar auf einheimische Pflanzen zu setzen und nicht auf Exoten zurückzugreifen. Derzeit sei der Essigbaum, der aus Nordamerika stammt, als Gartenpflanze  sehr in Mode. Dabei handelt es sich zum einen um eine sehr invasive Pflanze, die sich selbstständig rasend schnell außerhalb der Gärten ausbreite. Zum anderen sei der Essigbaum für Menschen hochgradig allergen. „Es wäre besser, wenn sich die Leute einen Nussbaum in den Garten pflanzen würden“. Übrigens, auch die allseits so beliebte Tuja oder Lebensbaum ist keine einheimische Pflanze.

Der neueste Eindringling, die letzte Erhebung stammt vom 8. Oktober,  heißt auf Latein Atriplex micrantha, zu Deutsch „Verschiedensamige Melde” und stammt eigentlich aus dem Kaukasus. In kürzester Zeit hat sich die Salzpflanze in Luxemburg ausgebreitet und sich einen speziellen salzhaltigen Lebensraum erobert – entlang der Autobahnen.

Der berühmte Riesenbärenklau, der allgemein als Synonym für invasive Pflanzen steht und dessen Saft im Zusammenhang mit Sonnenlicht zu schweren Verbrennungen führen kann, stellt aktuell keine große Gefahr dar. Die Aufklärungs- und Meldekampagne des Naturhistorischen Museums im letzten Jahr  sei von Gemeinden, Schulen und anderen so unterstützt worden, dass praktisch alle Bestände bekannt wurden und daraufhin vernichtet wurden. Die Kampagne wirke auch in diesem Jahr nach, wo der Bärenklau auftaucht wird er gemeldet.

Beim Großen Bärenklau könne man sogar den Zeitpunkt der Einführung nach Luxemburg nennen. 1935 sei die schöne Staude zum ersten Mal von einem Botaniker in einem Vorgarten der Avenue Grand-Duchesse angepflanzt worden.

Eine ganz andere Gefahr sieht Christian Ries auf viele Hauseigentümer zukommen – den Japanischen Staudenknöterich. „In zwanzig Jahren wird es in Luxemburg eine Immobilienkrise geben“. Warum? Weil der Staudenknöterich in unseren Gärten so beliebt ist, aber kaum jemand weiß, dass er ein Meister der Mauerwerk- und Fundamentzerstörung ist. In Großbritannien ist der Knöterich heute schon ein Ausschlusskriterium für einen Immobilienkredit – damit sind vom Japanischen Staudenknöterich befallene Grundstücke schlicht unverkäuflich.

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