LUXEMBURG
NANCY LAMBERT UND SOPHIA SCHÜLKE

„Journée européenne de l’Information Jeunesse“ informiert über digitale Jugendarbeit

Wie vermittelt man Jugendlichen einen kritischen Umgang mit Medien, insbesondere sozialen Netzwerken, am besten? Diese Frage haben sich vermutlich bereits viele Lehrer, Pädagogen und weitere Professionelle aus dem Erziehungssektor gestellt. Passend dazu haben gestern, am europäischen Tag der Jugendinformation, zwei Workshops im Kinepolis in Kirchberg stattgefunden, die sich mit den Themen Jugend, Informationsmedien und kritischem Denken auseinandersetzen.

Unter der Leitung der beiden Medienexperten Martin Culot und Evaldas Rupkus haben sich während insgesamt vier Stunden rund 30 Erwachsene an den Workshops beteiligt. Obschon die Teilnehmer unterschiedlichen beruflichen Tätigkeiten nachgehen, pflegen sie eine Gemeinsamkeit: den täglichen Kontakt mit Jugendlichen. Die Ursprünge des europäischen Tages der Jugendinformation gehen auf den 17. April 1986 zurück. An diesem Tag wurde der gemeinnützige Verein ERYICA (European Youth Information and Counselling Agency) ins Leben gerufen. Die seit 2007 auch in Luxemburg aktive Organisation verfügt mittlerweile rund 36 Kooperationspartner in Europa, darunter auch das CIJ (Centre Information Jeunes) unter dessen Leitung der gestrige Workshop stattgefunden hat.

Das Internet einfach selbst besser machen

Bei den Teilnehmern stoßen die Workshops auf überwiegend positives Feedback: „Solche Aktivitäten sind enorm wichtig. Jugendliche sollten sich daran beteiligen“, findet Viktoria Szombathy, Projektverantwortliche der CGJL (Conférence Générale de la Jeunesse du Luxembourg). Eva Reina, ERYICA-Direktorin, fügt hinzu: „Eine Medienausbildung spielt bei Jugendlichen heutzutage eine immer wichtigere Rolle.“ Schließlich konsumieren sie Medien nicht nur, sondern stellen selbst mediale Inhalte her und verbreiten auch welche. Medienbildung sollte ihnen beispielsweise beibringen, Informationsquellen in Frage zu stellen und eine gewisse Autonomie zu entwickeln, erklärt Reina.

Evaldas Rupkus, Jugendinformationsentwickler von der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. (IJAB), geht von der Tatsache aus, dass die Jugendarbeit inzwischen sehr international und digital geworden ist. Aus diesem Grund spricht er von einer E-Partizipation, einer digitalen Partizipation der Jugend. Doch Rupkus bringt bei der Veranstaltung ein Problem auf den Punkt, das nicht nur in Deutschland gilt. „Die Jugendarbeiter wissen gar nicht immer, was bei den Jugendlichen so abgeht. Wenn nicht die Jugendlichen selbst, weiß es sonst keiner besser.“ Daher verfolgt man hier für mehr Medienkompetenz eher den partizipativen Ansatz an.

Sagen, was einen am Netz stört

Wie das funktionieren kann, erklärt der Experte am Beispiel der Veranstaltung „Webdays“, die vergangenes Jahr nahe Berlin stattfand. Themen der „Webdays“ waren Datenschutz, Verbraucherschutz und Ethik im Netz, Jugendliche konnten sich als Teilnehmer anmelden und dann vor Ort mit Experten diskutieren, Ideen entwickeln und konkrete Forderungen an die Ministerien stellen.

Drei Ideen wurden ausgewählt und mit 300 Euro unterstützt, eine davon ist etwa eine Enzyklopädie nach dem Vorbild von Wikipedia: Ziel der Jugendlichen ist, die oft seitenlangen und komplex formulierten AGB großer Konzerne in einfacher Sprache zu erklären und allen zur Verfügung zu stellen. Die Antwort auf die Frage, wie man die Jugendlichen überhaupt erreicht hat, um sie zu diesen partizipativen „Webdays“ einzuladen, lautete schnell und simpel: Youtube. Mit witzigen Clips von vier Youtubern erreichte man 200.000 Jugendliche. In den Clips wurden Probleme wie das Internet als Zeitfresser angesprochen und die Möglichkeit in Aussicht gestellt, dass die Jugendlichen ihre Bedenken, etwa zu Datenschutz, an die Ministerien für Justiz und Verbraucherschutz übergeben konnten. Ein Konzept, das überzeugte.

Die IJAB ist ebenfalls Partner des ERYICA-Netzwerkes und unterstützt mithilfe des deutschen Familienministeriums die jugendpolitische Zusammenarbeit. Die Fachstelle führt internationale Projekte durch und vernetzt Partner und Träger im In- und Ausland. Zudem gehört die Information von Trägern der Kinder- und Jugendhilfe sowie von Politik und Verwaltung zu den Aufgaben. Des Weiteren werden Qualifizierungsprogramme, Veranstaltungen, Fachkräfteaustausch und Fachpublikationen angeboten.


Weitere Informationen unter cij.lu,

www.eryica.org und www.ijab.de