Es ist keine technische Randnotiz, dass Luxemburg nunmehr vom wichtigsten internationalen Gremium für Steuerfragen, dem „Global Forum on Transparency and Exchange of Information for Tax Purposes“ der OECD als nunmehr weitgehend konform zu den internationalen Transparenzregeln eingestuft wird.

Fast zwei Jahre lang stand das Land auf der so genannten „schwarzen Liste“ der nicht-konformen Länder, weil es bei der Identifizierung des Nutznießers eines Vermögens, beim Zugang zu Informationen und beim Austausch derselben sowie beim Schutz der Steuerzahlerrechte hinterher hinkte.

Umstände, die internationale Institutionen und Organisationen, die nach diesen Standards arbeiten, dazu führten, sich zweimal zu überlegen, ob sie Transaktionen über Luxemburg laufen lassen oder sogar Aktivitäten hier ansiedeln. Nicht nur der Ruf des heute noch von zahlreichen Kritikern als „Steueroase“ bezeichneten Wirtschaftsstandorts stand auf dem Spiel, sondern ganz konkret substantielle Geldflüsse, deren Ausbleiben wiederum erhebliche Auswirkungen auf die Staatseinnahmen gehabt hätten. Wer hat es eigentlich so weit kommen lassen, dass Luxemburg ein solches Risiko lief? Haben die früheren CSV-Verantwortlichen für Finanzen und Finanzplatz - allen Einsatz für Zeitgewinn zugunsten der Vorbereitung des Bankplatzes auf die Zeit nach dem Ende des Bankgeheimnisses in Ehren - da nicht gleich ein paar Züge verpasst? Fakt ist, dass die DP/LSAP/déi Gréng-Regierung bei Amtsantritt im Dezember 2013 gleich ordentlich Gas geben musste, um die luxemburgische Gesetzgebung den internationalen Standards in Sachen Steuertransparenz anzugleichen. Sie hat von Anfang an volle Kooperation in diesen komplexen Dossiers zugesagt. Wobei der Spielraum denkbar eng war. Es gab einen Paradigmenwechsel vom Bremser zum proaktiven Akteur, zum Vorreiter bei neuen Transparenzstandards. Nach knapp zwei Jahren und einer recht turbulenten Eingewöhnungsphase für den schwer beschäftigten neuen Finanzminister, der neben essentiellen Weichenstellungen bei den Staatsfinanzen auch noch die heftige „LuxLeaks“-Affäre zu managen hatte und weiterhin hat, zahlen sich die Bemühungen, die natürlich fortgesetzt werden müssen, nun also aus.

Ohne dass, wie manche befürchteten, der Finanzplatz von heute auf morgen zusammen brach. Manche internationalen Kunden haben ihre Vermögen zwar abgezogen, aber sie wurden zwischenzeitlich durch andere ersetzt, die vor allem das Know-how und die Service-Qualität am Finanzplatz schätzen. Die kommen natürlich nicht von ungefähr: Da muss kräftig investiert werden, vor allem in die Weiterbildung der Mitarbeiter. Know-how, Service-Qualität, Innovation, Internationalität, das braucht freilich nicht nur die Finanzbranche, die sich längst - Stichwort „Fintech“ enorm diversifiziert hat - sondern alle Wirtschaftzweige, über die man im Zuge der neuen internationalen Kampagne „SurprisingLux: Look closer for opportunities beyond borders“ sehr viel erfährt. Sicher kein Zufall, dass sie ausgerechnet gestern gestartet wurde, einem „guten Tag für Luxemburg“, wie sich Pierre Gramegna ausdrückte.