LUXEMBURG
MARCO MENG

Euroraum mit sattem Überschuss im Warenhandel, EU mit geringerem Defizit

Wegen der deutlich zurückgegangenen Importe bei weitgehend gleichgebliebenen Ausfuhren hat sich der Handelsbilanzüberschuss der Eurozone im Januar deutlich erhöht, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat gestern mitteilte. Demnach lag der Überschuss für den Euroraum bei 7,9 Milliarden Euro gegenüber lediglich 0,1 Milliarden Euro im Vergleichsmonat des Vorjahres.

Anders sieht das Bild in der gesamten EU aus, wo im Außenhandel ein Defizit von 10,6 Milliarden Euro unter der Bilanz steht, weniger allerdings als die 14,3 Milliarden Euro Minus im Januar 2014.

Wegen des milden Winters wurde weit weniger Erdgas- und öl importiert (minus zehn Prozent), zudem war der Preis des Öls historisch niedrig, was sich auch in der Bilanz als Minderung des Importwertes niederschlägt. Sehr deutlich sind aber auch Aus- und Einfuhren im Vergleich Januar dieses Jahres gegenüber dem des Vorjahres (minus 15 und minus 28 Prozent) der EU von Nahrungsmitteln zurückgegangen , was am russischen Embargo für Obst und Gemüse liegen dürfte.

Der niedrige Eurokurs und die niedrigen Energiepreise haben zwar die Importwerte generell schrumpfen lassen, doch auch der Handel innerhalb der Eurozone hat wertmäßig deutlich nachgelassen. Der Intra-Euroraum-Warenhandel ist im Januar 2015 im Vergleich zum Januar des Vorjahres auf 130,5 Milliarden Euro, also um fünf Prozent, zurückgegangen. 2014 waren Warenim- und exporte innerhalb der Eurozone noch gegenüber dem Vorjahr um ein Prozent gewachsen. Insgesamt hat zudem im Januar die EU nicht nur weniger Industrieerzeugnisse importiert, sondern auch weniger davon exportiert. Auch zwischen den einzelnen EU-Staaten ist der Warenhandel im Januar 2015 um drei Prozent gegenüber dem Januar des Vorjahres zurückgegangen.

Nochmals Dämpfer für Griechenlands Handel

Die deutlichsten Rückgänge verzeichnet das kriselnde Griechenland. Die Exporte innerhalb der EU hat das Land zwar im Januar gegenüber Januar 2014 um neun Prozent steigern können, die Exporte aus der Union hinaus sind aber um 31 Prozent eingebrochen; auch die Einfuhren brachen um 30 Prozent ein. Luxemburg hat im Januar im Vergleich zum Vorjahr drei Prozent mehr zu anderen EU-Ländern exportiert, aber sechs Prozent weniger außerhalb der EU, während die Importe von Ländern außerhalb der Union um 39 Prozent höher waren als im Januar 2014.

Die Gesamtbilanz für 2014 revidieren die EU-Statistiker leicht nach unten. Danach summierte sich der Überschuss im Warenverkehr der Eurozone auf 192,9 Milliarden Euro, zuvor war man von 194,8 Milliarden Euro ausgegangen, der sich damit dennoch kräftig gegenüber den 2013 erzielten 151,9 Milliarden Euro erhöhte. Im Euroraum weist Deutschland im Januar weiter den mit Abstand größten Überschuss im Außenhandel auf. Im Januar lag dieser bei 15,0 Milliarden nach 16,1 Milliarden Euro im Vormonat, gefolgt von den Niederlanden mit einem Aktivsaldo von 5,0 Milliarden Euro. Das größte Defizit verbuchte Frankreich mit 8,7 Milliarden Euro, gefolgt von Spanien mit 2,7 Milliarden Euro.