LUXEMBURG
EVELYNE STOLL

Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft differenzierter einschätzen

Im Sinne der Leitlinien der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) bedeutet Nachhaltigkeit mehr als nur ökologisch nachhaltig wirtschaften. Diese Leitlinien differenzieren Nachhaltigkeit in die vier Dimensionen Ökonomie, Ökologie, Soziales und Unternehmensführung, welche wiederum in 21 Themen und 58 Unterthemen unterteilt sind. Diese Unterthemen können mit dem SMART-Farm Tool erfasst werden. Wie sich damit auch die luxemburgische Landwirtschaft verbessern könnte, erklärt Evelyne Stoll vom „Institut fir biologesch Landwirtschaft an Agrarkultur Luxemburg“ (IBLA)

„Das SMART-Farm Tool basiert auf den Leitlinien der FAO und ist für den globalen Einsatz gedacht. Bereits mehr als 3.000 Betriebe wurden mit Hilfe des Tools weltweit analysiert. Entwickelt wurde es vom Schweizer ‚Forschungsinstitut für biologischen Landbau‘ (FiBL). In einem Pilotprojekt haben wir es in Luxemburg getestet, was ein Gemeinschaftsprojekt vom IBLA, ‚Sustainable Food Systems‘ und FiBL war und von Naturata und vom Landwirtschaftsministerium über den Bio-Aktionsplan unterstützt wurde.

Ein Ziel dieses Projektes war es, erste Erfahrungen mit der SMART–Nachhaltigkeitsbewertung in Luxemburg bei konventionellen und biologisch wirtschaftenden Betrieben zu sammeln. Dabei stellte sich auch die Frage, wie sich das Tool, das aus dem Biosektor kommt, für die neutrale Bewertung von konventionellen Landwirtschaftsbetrieben eignet. In die einjährige Testphase wurden zwölf Betriebe aufgenommen, neun biologische und drei konventionelle. Das ist keine repräsentative Stichprobe, aber wir haben die Bestätigung erhalten, dass das Tool objektive Ergebnisse liefert, denn beide Bewirtschaftungsformen werden nach den gleichen Kriterien bewertet. Der Einsatz von mineralischen Stickstoffdüngern bedeutet etwa nicht, dass konventionelle Betriebe automatisch schlechter abschneiden. Wenn sie etwa die Bodenqualität durch ihre Fruchtfolge verbessern oder auf schwere Maschinen verzichten, können sie gleich gut oder besser abschneiden. Am Ende muss man immer beachten, dass anhand der Zielformulierungen der FAO bewertet wird, welche dem Ideal nachhaltigen Wirtschaftens entsprechen. In einigen Bereichen der Nachhaltigkeit ist es eine echte Herausforderung für die Landwirtschaft, alle Ziele zu erreichen.

Unser nächstes Ziel ist es, in den kommenden dreieinhalb Jahren für das Projekt ‚SustEATable‘ eine repräsentativere Stichprobe mit 100 luxemburgischen Betrieben zu erstellen. Unterstützung kommt vom ‚Ministère du Développement durable et des Infrastructures‘, OIKOPOLIS SA und BIOGROS SA. Dabei wollen wir auch die jeweiligen Betriebstypen untereinander vergleichen und eine Korrelation zwischen verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen untersuchen. Zudem wollen wir verschiedene Szenarien für Luxemburg für das Jahr 2050 aufstellen, die nicht nur die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft betreffen, sondern auch die Frage, wie Konsumenten ihre Ernährungsmuster anpassen können.“