LUXEMBURG
SIMONE GRÜN

Schlecht in der Schule, arbeitslose Eltern – diesen Jugendlichen fällt der Übergang von Schule zum Beruf oft schwer. Simone Grün, Direktionsbeauftragte der „Entente des Gestionnaires des Maisons de Jeunes“ (EGMJ), erklärt, wie der Dienst „Outreach Youth Work“ weiterhilft.

„Jugendlichen, die weder einen Schulabschluss haben noch sich in einer Ausbildung befinden, wollen wir eine bessere Zukunft ermöglichen und ihnen dabei helfen, wieder in die Strukturen zu finden. Dazu wurde 2016 gemeinsam mit fünf Jugendhäusern das Pilotprojekt ,Outreach Youth Work‘ in den Südgemeinden ins Leben gerufen. Bei der Durchführung haben wir festgestellt, dass auch Migrationshintergrund und schulisches Niveau eine Rolle spielen, wenn Jugendliche in die NEET-Situation kommen. NEET steht für ,Not in Education, Employment or Training’. Wir haben eine Datenbank geführt, für die alle 173 jungen Leute, die zwischen Herbst 2016 bis Dezember 2017 am Projekt teilgenommen haben, befragt wurden. Dabei haben sich Übereinstimmungen in den Biografien herauskristallisiert, die aufzeigen, unter welchen Bedingungen Jugendliche Gefahr laufen können, in eine NEET-Situation zu geraten.

Wir haben festgestellt, dass mit 75 Prozent der Großteil der Betroffenen Jungen waren. Auffällig war auch die Rolle der Nationalität: Mit 52 Prozent hatte gut die Hälfte der Jugendlichen die luxemburgische Nationalität, der Rest verteilte sich auf Portugiesen, Kapverdier und andere. Von den Jugendlichen mit luxemburgischer Nationalität hatten 66 Prozent einen Migrationshintergrund. Aber auch das schulische Niveau und die Erwerbstätigkeit in der Familie wirken sich aus: Es stellte sich heraus, dass zwei Drittel der Teilnehmer nur den ersten Zyklus des ,enseignement secondaire’ absolviert und die Schule abgebrochen hatten. Ein geringer Teil hatte nur ein Primärschulniveau. 70 Prozent der Teilnehmer waren zum Beginn des Projekts arbeitslos oder arbeitssuchend, im fami-

liären Umfeld war Arbeitslosigkeit weit verbreitet. Zudem spielten Drogenkonsum und psychische Krankheiten teilweise eine Rolle.

Unsere Arbeitsweise sah individuelle Betreuung und regelmäßige Einzelgespräche vor. Ziel ist es, ein Netzwerk zu den verantwortlichen Diensten und den Gemeinden aufzubauen und die Jugendlichen dazu zu bringen, dass sie sich wieder darauf einlassen, zu Institutionen wie Adem, SNJ oder Berufsbildungszentrum zu gehen. Wir wünschen uns, dass noch andere Gemeinden bei ,Outreach Youth Work‘ mitmachen, wir beraten sie auch. Es gibt noch weitere Gegenden in Luxemburg, wo der Dienst großen Sinn machen würde. Schön wäre auch, wenn wir noch mehr mit Schulen zusammenarbeiten könnten, um die Jugendlichen ganzheitlich zu sehen und ein Frühwarnsystem einzurichten.“

Weitere Informationen unter: www.egmj.lu