LUXEMBURG
CLAUDE MÜLLER

Das Chick Corea Trio präsentierte ein bunt gemischtes Programm in der Philharmonie

An großem Staraufgebot in sämtlichen Sparten mangelt es der Philharmonie sicher nicht. Besonders im Bereich der Jazzmusik standen binnen kürzester Zeit Stars wie Branford Marsalis, Kurt Elling, Dianne Reeves und am Mittwoch der unumstrittene Meister der Keyboarder des akustischen und elektrischen Jazz auf der Bühne des großen Auditoriums. In Fusionkreisen durch seine „Elektric Band“ bekannt, von den eingefleischten, eher der Tradition des etablierten Jazz zugewandten Fans durch seine „Akoustic Band“ verehrt, präsentierte sich der Weltstar diesmal mit der klassischsten Form einer Combo rund um das Piano, dem traditionellen Pianotrio mit Kontrabass und Schlagzeug. In dieser Besetzung gelangen Chick Corea wohl einige der markantesten Momente seiner vielseitigen Karriere, denken wir nur an die wunderbare Einspielung „Live In Europe“ aus dem Jahre 1984 mit Miroslav Vitous am Bass und Roy Haynes am Schlagzeug mit denen er bereits fast 20 Jahre zuvor seine zweite Platte überhaupt, die ihm definitiv zu Weltruhm verhalf, einspielte.

Drei Stars auf Tournee

Diesmal ist der vielseitig orientierte Bandleader mit zwei weiteren Stars der aktuellen Szene auf Tournee, nämlich mit Eddie Gomez am Kontrabass und Brian Blade, dem wahrscheinlich momentan meistbeschäftigsten Schlagzeuger des aktuellen Jazzgeschehens. Immerhin war Blade in dieser Saison schon mit dem Wolfgang Muthspiel Quintet und dem Wayne Shorter Quartet zu Gast in der Philharmonie und wird des Weiteren im Herbst mit der Rhythmussektion der letztgenannten Gruppe in Triobesetzung in Düdelingen erwartet.

Am Mittwoch präsentierte Corea ein bunt gemischtes Programm, das sich von Eigenkompositionen über Swingstandards bis zu Latin hinzog. Dass dadurch jeder Geschmack getroffen wurde, war an den enthusiastischen Beifallsstürmen zu hören.

Der interessanteste Faktor des Abends war allerdings das außergewöhnlich virtuose und perfekt strukturierte Bassspiel von Eddie Gomez. Mit einmaliger, handwerklichen Brillanz konnte dieser, der seine subtile Art während seiner zehnjährigen Zusammenarbeit mit dem Pianisten Bill Evans immer mehr verfeinerte, mit zahlreichen Soloeinlagen, die jede für sich, ein Paradebeispiel von perfekter Phrasierung war, überzeugen. So war dann auch das zweite Stück der Soiree „Alice In Wonderland“ dem großen Pianisten Evans gewidmet

Besonders effektvoll waren anschließend die virtuosen Unisonopassagen von Klavier und Bass, ehe nach einer rhythmisch freien Intro zum letzen Stück vor der Pause Brian Blade mit einem inspirierten, musikalisch differenzierten Schlagzeugsolo aufwartete.

Vater des modernen Jazzpianos Bill Evans

Der Anfang des zweiten Teils gedachte das wunderbar aufeinander eingespielte Dreiergespann wieder dem Vater des modernen Jazzpianos Bill Evans, diesmal mit dessen bekannter Komposition „Waltz For Debbie“, die Bassist Eddie Gomez gefühlt schon über 3.000 Mal interpretiert hat. Dann überraschte Gomez in einer weiträumig angelegten Ballade mit einem gestrichenen Basspart, der seine Erfahrungen mit klassischen Sinfonieorchestern bestätigte.

Weniger bekannt ist Chick Corea als Tangokomponist und - interpret. Der gut aufgelegte Solist erklärte in einer kurzen Anekdote die Entstehungsgeschichte einer mehrteiligen Tangoserie, die Anlass einer Auftragskomposition für eine Filmproduktion sein sollte. Da aber der Produzent nicht zufrieden mit den gelieferten Resultaten war und immer wieder auf ältere Versionen von argentinischen Musikern als Inspirationsvorlage verwies, gab Corea das Projekt schließlich auf. „Immerhin habe ich dadurch 15 selbstkomponierte Tangos in meinem Repertoire“ kommentierte Corea scherzhaft.

Nicht fehlen durfte natürlich bei der stilistischen Vielfalt des Leaders ein ausgedehntes Latinintermezzo, wobei Brian Blade wiederum mit einem atemberaubenden Solo seine außergewöhnlichen Qualitäten in puncto Verlagerung des Timings unter Beweis stellen konnte. Hier entpuppte sich der Solist als origineller Meister in der Kunst der klanglichen Landschaftsmalerei, die er wie kein Zweiter beherrscht.

Aber was wäre ein Chick Corea-Konzert ohne Ausflug in seine spanische Periode. Als Zugabe bescherte uns das Trio eine ergreifende Fassung von Joaquin Rodrigos weltberühmten „Concierto d’Aranjuez“, die zur Freude der zahlreichen Fans nahtlos in Coreas wohl bekannteste Komposition „Spain“ überging. Dieser ließ es sich nicht nehmen, zum Abschied einige „Selfies“ mit dem dankbaren Publikum im Hintergrund zu schießen.

Die Stärke des Trios lag hörbar bei dem makellosen Ensemblegespür des Kollektivs im Wechsel mit der intensiven Entfaltung der stilsicheren Individualität bei den Soloeinlagen der drei Ausnahmemusiker, die eine vorbildliche Demonstration der abwechslungsreichen und spannenden Geschichte des Piano Jazztrios lieferten.

Ein Exempel von bester Qualität und kurzweilig organisiertem Ablauf einer Lifeperformance der allerersten Kategorie.