LUXEMBURG
MARCO MENG

Cargolux mit Rekordgewinn für 2017

Cargolux profitiert von der guten Weltkonjunktur. Dank des florierenden Frachtgeschäfts konnte der luxemburgische „Airfreight Carrier“ 2017 seinen Gewinn nach Steuern auf 122,3 Millionen US-Dollar steigern. Zum Vergleich: 2016 blieb ein Überschuss von 5,5 Millionen Dollar (rund 4,5 Millionen Euro) übrig. Das gab die Gesellschaft gestern auf ihrer Jahresbilanz-Pressekonferenz bekannt. Wie gut das Geschäft lief, lässt sich auch daran erkennen, dass das gute Geschäftsergebnis erwirtschaftet werden konnte, obwohl der Kerosinpreis vergangenes Jahr um mehr als 20 Prozent gestiegen war. Dank der hohen Nachfrage konnte das mit den Verkaufspreisen kompensiert werden: Der Konzernumsatz stieg von 1,756 Milliarden Dollar 2016 auf 2,264 Milliarden 2017. Zur Erinnerung: 2009 machte Cargolux einen Verlust von 153 Millionen Dollar.

Paul Helminger, Verwaltungsratspräsident des luxemburgischen Luftfrachtunternehmens, sprach denn auch von einem „exzellenten Jahr“ für Cargolux, die weltweit beim internationalen Luftfahrtverband IATA auf Platz 6 im Ranking der Luftfrachtgesellschaft steht. Mehr als eine Million Tonnen Fracht wurden letztes Jahr befördert - erstmals in der Firmengeschichte -, womit Cargolux einen Weltmarkt-Anteil von vier Prozent hat. „Auf allen Kontinenten, auf denen wir vertreten sind, ist das Geschäft gewachsen, und wir hoffen, dass das nicht das letzte Jahr war, das sich mit so guten Zahlen auszeichnet.“ Nicht nur das Geschäftsergebnis sei außergewöhnlich, sagte Helminger, sondern auch die Leistung der Mitarbeiter sei außergewöhnlich gewesen. Davon profitieren: erstmals seit 2009 wird wieder eine Dividende ausgeschüttet: 16 Prozent des Gewinns gehen an die Aktionäre, 16 Prozent an die Mitarbeiter, 84 Prozent werden als Reserve gehalten.

Wichtige Hubs: Luxemburg, Dubai, Zhengzhou

Cargolux-Chef Richard Forson betont, dass die Gesellschaft den Erfolg vor allem der boomenden Weltwirtschaft mit einem Wirtschaftswachstum von 5,8 Prozent 2017 zu verdanken hat, aber auch ihrer Flexibilität. Mit der „Vision 2025“ hat sich das Unternehmen das Ziel gegeben, seine Einnahmequellen zu diversifizieren, dazu gehören neue Produkte. Durch die starke Nachfrage nach Luftfrachttransporten konnte die Auslastung der Cargolux-Maschinen von 66,8 auf 70,1 Prozent erhöht werden. Hier spielte vor allem der Cargolux-Hub in China eine zentrale Rolle. „Zhengzhou entwickelte sich zu einem wichtigen Drehkreuz“, sagte Forson. Cargolux transportierte mehr als 250.000 Tonnen Fracht von und nach China, davon 147.000 Tonnen von und nach Zhengzhou und etablierte sich als der größte Ladungsträger in diesem Hub. Die Fluggesellschaft fliegt je nach Saison zwischen 19 und 25 wöchentliche Flüge nach Festlandchina.

Dabei konnte das Luftfrachtunternehmen vom E-Commerce profitieren, denn die Warenlager in den USA wie auch in Europa werden vor allem mit Produkten aus Fernost bestückt. Auch das Geschäft in den Emiraten lief nach Angaben der Firmenleitung gut. Ende letztes Jahr starteten Cargolux und Emirates SkyCargo eine Codeshare-Partnerschaft für Luftfracht-Transporte. So fliegt Emirat SkyCargo seit letzten Juni wöchentlich nach Luxemburg, und Cargolux übergab im September das Handling seines Frachtumschlags am Dubai World Central (DWC) an Emirat SkyCargo. Mit Codesharing können Ladekapazität auf jedem Flug eines Partners genutzt und unter ihren eigenen Luftfrachtbriefen und Flugnummern angeboten werden. Forson gab aber auch zu bedenken, dass durch das gute Ergebnis die „Kultur der Kostenkontrolle“ nicht vernachlässigt werden dürfe und kein Geld da sei, um unnötig ausgegeben zu werden. Tatsächlich hatte Cargolux letztes Jahr die Verbindlichkeiten, für die Zinsen gezahlt werden, um 0,5 Prozent senken können, wie Cargolux-Finanzchef Maxim Strauss sagte.

Drei neue gebrauchte Flugzeuge

Strauss ging in die Details und erläuterte gestern, dass die Auslastung der Flugzeuge wie auch die täglich Nutzung der Flotte letztes Jahr gesteigert werden konnte. Seit September fliegt Cargolux mit 27 Boeing-747 (2016 waren es 26 gewesen), drei weitere Maschinen werden nach Angaben von Forson ab 2019 in Dienst gestellt. Cargolux hat sie gebraucht erworben und wird damit Maschinen, die 2019, 2020 und 2021 ausgemustert werden, ersetzen. Als schwierig erweist sich in diesem Zusammenhang höchstens, die erforderlichen Piloten mit einer 747-Lizenz zu bekommen, ein Problem, mit dem auch das Joint-Venture „Henan Cargo Airlines“ in China, an der Cargolux 25 Prozent halten soll, zu kämpfen hat. Ende 2018 soll das Gemeinschaftsunternehmen mit zwei 747-Maschinen den Geschäftsbetrieb starten.

Was die Konkurrenz betrifft, sagte Forson, alle Mitbewerber seien Konkurrenten, wenngleich Qatar Airways vielleicht einer der aggressivsten sei. Deren Präsenz auf dem Findel habe aber bislang keinen negativen Einfluss auf das Frachtvolumen von Cargolux; außerdem fliege Qatar andere Ziele an. Das bisherige Jahr 2018 zeichnet sich demnach ebenfalls mit „solidem“ Geschäft aus. Als dunkle Wolke am Horizont macht Forson allenfalls den drohenden Handelskrieg zwischen den USA und China aus. Er hofft auf Vernunft auf beiden Seiten.

Das Unternehmen Cargolux, das mit der Eröffnung der neuen Firmenzentrale Ende 2019 plant, hat nun einen Börsenwert von einer Milliarde Dollar. Wie die Luftfrachtgesellschaft sagt, leistet sie selbst einen Beitrag von 372 Millionen Dollar an die luxemburgische Wirtschaft, 148 Millionen davon durch Löhne und Gehälter und 50 Millionen für Speditionsleistungen.