DAKAR
PASCAL STEINWACHS

Großherzog Henri auf offizieller Visite im Senegal - Dunkle Vergangenheit von Gorée auf dem Programm

Begleitet von Kooperationsminister Romain Schneider, Umweltministerin Carole Dieschbourg und Wirtschaftsstaatssekretärin Francine Closener und einer kleinen Wirtschaftsdelegation kam Großherzog Henri gestern im Senegal an, wo er bis Dienstag auf offizieller Visite weilt. Derweil die jeweiligen Kooperationsminister regelmäßig in den Senegal fahren, der ja schon seit mehr als zwei Jahrzehnten eines der Zielländer der luxemburgischen Kooperationshilfe ist, ist dies der erste offizielle Besuch des Großherzogs im westafrikanischen Land. Der letzte offizielle Besuch eines Großherzogs im Senegal geht auf das Jahr 1977 zurück, derweil Großherzogin Maria Teresa zuletzt im November 2008 im Senegal war, und dies in Begleitung des damaligen Finanzministers und Kooperationsministers.

Luxemburg ist seit 2001 mit einem Kooperationsbüro im Senegal vertreten, das 2007 in den Rang einer Botschaft erhoben wurde. Allerdings dauerte es bis zum August letzten Jahres, bis mit Nicole Bintner-Bakshian der erste Botschafter mit Sitz in Afrika seine Arbeit aufnahm, wobei die Botschafterin aber auch für Burkina Faso, Mali und Niger akkreditiert ist. Mit der verstärkten luxemburgischen Präsenz in der senegalesischen Hauptstadt Dakar soll die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern über die entwicklungspolitische Komponente hinaus auch auf wirtschaftlicher und kultureller Ebene ausgebaut werden. Bislang sind die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen nämlich mehr als bescheiden.

Großherzog in den Rang eines„Pèlerin-ambassadeur de la mémoire de Gorée“ erhoben

Empfangen wurde der Großherzog gestern Nachmittag auf dem Militärflughafen von Dakar vom senegalesischen Präsidenten Macky Sall, ehe es anschließend auf die drei Kilometer vor Dakar liegende und seit 1978 zum Weltkulturerbe gehörende „Île de Gorée“ ging, die mit ihren bunten Kolonialhäuschen ihrer beschaulichen Altstadt, und ihrem gemächlichen Tempo - Autos sind auf der Insel, die man in zwei Stunden ganz umrunden kann, verboten - so etwas wie ein Touristenparadies sein könnte, wäre da nicht ihre dunkle Vergangenheit, ist Gorée doch auch zum Erinnerungsort für den Sklavenhandel geworden.

So sollen von hier aus in früheren Jahrhunderten Millionen von Sklaven nach Amerika verschifft worden sein, wie es lange hieß, aber das ist inzwischen umstritten, könnten es doch tatsächlich auch „nur“ 500 Sklaven pro Jahr gewesen sein. Dies verhindert aber nicht, dass Gorée zum Symbol für den Sklavenhandel geworden ist. In der „Maison des Esclaves“, von wo aus die Sklaven durch eine „Tür ohne Wiederkehr“ in die Neue Welt „verladen“ wurden, ist heutzutage dann auch ein Museum untergebracht, das auch schon der Papst Johannes Paul II., Nelson Mandela und Barack Obama besuchten.

Großherzog Henri - sowie die gesamte luxemburgische Delegation - zeigte sich bei seinem gestrigen Besuch jedenfalls ganz ergriffen, zumal er im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in den Rang eines „Pèlerin-ambassadeur de la mémoire de Gorée“ erhoben wurde, die höchste Auszeichnung, die die Insel zu vergeben hat.

Abgeschlossen wurde der erste Besuchstag mit einem Empfang in der luxemburgischen Botschaft, ehe den Großherzog, aber auch die Minister, am heutigen Montag eine gut gefüllte Tagesordnung erwartet, unter anderem ein Wirtschaftsforum, der Besuch eines mit luxemburgischer Hilfe wiederaufgebauten Marktes, ein Empfang beim senegalesischen Präsidenten und die Unterzeichnung des 65 Millionen Euro umfassenden vierten indikativen Kooperationsprogramm (PIC IV) für den Zeitraum 2018 bis 2022.