NIC. DICKEN

Der Notstand, der jetzt in den USA ausgerufen wurde aufgrund vorgeblicher Drogenüberschwemmung, in Wirklichkeit aber aus rein haushaltstechnischen Gründen im Zusammenhang mit dem Bau einer Grenzmauer, kommt eigentlich gut zwei Jahre zu spät. Er hätte bereits am 20. Januar 2017 proklamiert werden müssen, als ein geistig wie kulturell völlig verwahrloster Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt wurde. Mit dieser Amtseinführung vor gerade mal zwei Jahren wurde eine Ära eingeläutet, die nicht nur die nach wie vor erste Wirtschaftsmacht der Welt mit einer tumben Schicht von primitivem Patriotismus überzog, sondern die eine ohnehin fragile weltpolitische Lage sowohl für gegnerische Nationen als auch für Verbündete starken Bewährungsproben aussetzte.

Mit einem beschränkten Wortschatz ist es Trump gelungen, einen Teil der amerikanischen Bevölkerung - man sollte hier nicht unbedingt auf intellektuelle Qualitäten achten! - bis heute zu begeistern, doch kann nicht übersehen werden, dass immer mehr Bevölkerungsgruppen, selbst solche, die sich am Anfang noch zu ihm bekannt hatten, sich mit Schaudern von seinem primitiven Hurrapatriotismus abgewandt haben. Trump selbst hat seinen beim Amtsantritt bekundeten Willen zur Einigung des amerikanischen Volkes selbst Lügen gestraft. Er hat sein Land seit Januar 2017 regelrecht gespalten.

Trump hatte damals ebenfalls angekündigt: „Wir werden neue Straßen und Autobahnen bauen und Brücken und Flughäfen und Tunnel und Eisenbahnen durch unsere ganze wunderbare Nation.“ Von diesen hehren Vorsätzen ist nur ein ganz banales und mickriges Vorhaben geblieben: Eine Mauer von einigen tausend Kilometern an der Grenze zu Mexiko. Und selbst um dieses Vorhaben zu realisieren, muss er nun die Verfassung vergewaltigen und das Prinzip der Gewaltentrennung, Grundsatz jeglicher demokratischer Staatsform, über den Haufen werfen.

Eine Mauer will er bauen. Mauern mögen in Zeiten von Stammesfehden vor Hunderten und Tausenden von Jahren wirksam gewesen sein, sie vermochten damals ganze Städte und Regionen abzuschirmen angesichts der bestehenden Angriffsarsenale, die aber mit Einfallsreichtum und Raffinesse immer wieder verbessert wurden, um feste Hindernisse zu überwinden.

Die rezentere Geschichte zeigt uns selbst mitten in Europa: Wenn Politikern gar nichts mehr einfällt, dann bauen sie Mauern. Mauern aber sind heute nicht mehr wirklich Symbole von Schutz und Sicherheit, sie sind vielmehr zu Sinnbildern für Ideenlosigkeit und (geistige) Ohnmacht im Umgang mit neuen Herausforderungen geworden, sie sind ein Ausdruck von tragischer Verlegenheit ihrer Erbauer. Bedeutung oder gar strategischen Wert haben sie nicht mehr.

Am schlimmsten waren und sind die Mauern in den Köpfen. Allen Wissens, aller Aufklärung und Information zum Trotz haben sie sich bis heute gehalten. Die USA dienen als Beispiel.