LUXEMBURG
CLAUDE KARGER/CORDELIA CHATON

Nächster Schritt für Zentrum gegen DDoS-Angriffe auf den „Luxembourg Internet Days“ eingeläutet

Das Event hat einen festen Platz in der luxemburgischen High-Tech-Agenda: die „Luxembourg Internet Days“ sind gestern bereits in die sechste Runde gegangen. Organisiert wird das zweitägige Treffen von LU-CIX oder „Luxembourg Commercial Internet Exchange“, einer unabhängigen und neutralen Organisation, die genau vor zehn Jahren von Playern aus dem Web-Bereich gegründet wurde, mit dem Ziel, die Verlässlichkeit der Internet-Anbindungen und die Datensicherheit gemeinsam zu stärken.

Premier Xavier Bettel eröffnete die Veranstaltung mit einer guten Nachricht. Er läutete die zweite Phase des „Nationalen Zentrums gegen DDoS-Angriffe“ ein und rief zu einer Zusammenarbeit mit dem Luxemburger Regulierungsinstitut „Institut Luxembourgeois de régulation“ (ILR) zur Verbesserung der Cybersicherheit auf. Dieses Zentrum hatte Bettel, der auch Minister für Digitalisierung ist, vergangenes Jahr auf den „Luxembourg Internet Days“ angekündigt. Der Zwei-Phasen-Plan sieht zunächst eine Verstärkung der Internetstrukturen von LU-CIX vor, die zweite das Zentrum selbst. Auch wenn viele auf Regulierung allergisch reagierten, sei diese doch ein Schlüssel zum Schutz. Der Hintergrund von DDos sind Massenangriffe auf einen Server, die diesen lahm legen. Im Frühjahr diesen Jahres waren bei einem Cyberangriff auf die US-Großbank Capital One sensible Daten von mehr als 106 Millionen Kundinnen und Kunden gestohlen worden.

Bettel verwies auf Vorlage für zwei nationale Strategiedokumenten zur künstlichen Intelligenz im Mai. Er kündigte noch die zweite 5G-Konferenz am 11. und 12. Dezember im Konferenzzentrum an. Dann werde man auch mehr über jene 29 Projekte wissen, die in diesem Bereich zugelassen worden seien.

In den nachfolgenden Fachvorträgen ging es sehr oft um das Thema Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit. Das berührt den gegenseitigen Datenaustausch von Maschinen ebenso wie Blockchain oder Algorithmen. Sicherheitslücken gibt es oft an ganz unvermuteten Stellen. So wurde eine Kanzlei über die Kamera in ihrem Konferenzraum ausspioniert. „Ein weiterer Kunde von uns, der Hotels und Casinos betreibt, hatte 1.400 Maschinen, die infiziert waren, um Bitcoin zu minen“, veranschaulichte Hippolyite Fouque von Darktrace. „Es geht oft um Schwachstellen, nicht um den großen Angriff“, versicherte er.

Meilensteine der Web-Geschichte

Angetrieben von einer großzügigen Forschungsfinanzierung der Advanced Research Projects Agency des amerikanischen Militärs hatten Wissenschaftler aus den USA bei der Vernetzung von Computern vor 50 Jahren die Nase vorn. Nach einem langsamen Start entwickelte sich das Netz der Netze dynamisch:

29. Oktober 1969
Der Student Charles S. Kline überträgt eine Nachricht von einem Rechner der UCLA in Los Angeles an einen rund 500 Kilometer entfernten Rechner am Stanford Research Institut.

Oktober 1971
Erste E-Mails können im ARPANET der US-Streitkräfte versendet und empfangen werden.

Sommer 1973
Die Wissenschaftler Vint Cerf und Robert Kahn entwickeln im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums das technische Internetprotokoll TCP/IP. Damit konnten Verbindungen auch über Satelliten und Mobilfunk-Netze laufen. Das Protokoll wird 1974 veröffentlicht.

1. Januar 1983
Die technische Grundlage für die bis heutige gültige vierte Version des Internet-Protokolls IPv4 tritt in Kraft. Damit setzt sich auch der Name „Internet“ durch.

1984
Mit dem „Domain Name System“ (DNS) wird es möglich, auf der ganzen Welt Rechner mit von Menschen merkbaren Namen anzusprechen. Vorher musste man IP-Adressen wie 203.0.113.232 angeben.

12. März 1989
Der britische Physiker Tim Berners-Lee präsentiert am europäischen Forschungszentrum Cern die Idee des WWW (World Wide Web).

13. November 1990
Berners-Lee richtet auf seinem NeXT-Rechner den ersten Webserver info.cern.ch ein.

11. November 1993
Die erste Windows-Version des grafischen Webbrowsers Mosaic erscheint. Daraus entwickelt sich der Netscape-Browser.

15. September 1997
Google geht in den USA online.

1998
Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass die vier Milliarden IPv4-Adressen irgendwann knapp werden könnten. Der Nachfolge-Standard IPv6 bietet einen Adressraum von 340 Sextillionen Nummern.

1. Juni 1999
Shawn Fanning und Sean Parker gründen den Musiktauschdienst Napster. Der Dienst bereitete legalen Online-Musikdiensten wie iTunes und Spotify den Weg.

März 2000
An den Börsen platzt die Spekulationsblase um sogenannte Dotcom-Unternehmen, die mit  fragwürdigen Geschäftsmodellen auf der Basis des boomenden Internets agierten.

4. Februar 2004
Mark Zuckerberg gründet Facebook. 15 Jahre später hat der Dienst 2,4 Milliarden Nutzer.

9. Januar 2007
Steve Jobs präsentiert das erste iPhone, mit dem das mobile Internet seinen Durchbruch erreichte.
 2004 Erstmals sind in den entwickelten Ländern mehr als die Hälfte der Menschen online (Quelle UN-Fernmeldeunion ITU).

2. September 2008
Google veröffentlich den ersten Chrome-Browser, der bald andere Webprogramme wie Firefox oder den Internet Explorer von Microsoft von der Marktspitze verdrängt.

Januar 2009
Der Instant-Messaging-Dienst WhatsApp geht online und löst bei vielen Menschen die klassische SMS ab. Am 19. Februar 2014 übernimmt Facebook den Dienst.

2018
81 Prozent der Menschen in den Industriestaaten sind im Internet. In Entwicklungsländern liegt die Quote bei 41 Prozent (Quelle ITU).  LJ mit DPA