LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Der Premier informierte sich rundum über den Stand der Dinge in Sachen Trambahn-Ausbau

In der Regel geht es bei den Presseterminen rund um große Investitionsvorhaben um Zahlen, Daten, Fakten. Ganz anders gestern, als sich Staatsminister Xavier Bettel, begleitet von Transport- und Bautenminister François Bausch und Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer, ein Bild vom Stand der Dinge bei der hauptstädtischen Trambahn machte. Wobei dieses Bild mehr als umfassend wurde, denn Bettel besuchte nicht nur das Trambahndepot, er machte danach eine Tour mit der Trambahn, um schließlich die aktuelle Baustelle vom „Stäreplatz“ bis zum Beginn der Avenue de la Liberté zu besichtigen, nicht ohne zahlreiche Detailfragen zu stellen oder mit den Arbeitern ein paar freundliche Worte zu wechseln.

Immerhin ist die ganze Mannschaft – Männer und Frauen – von Luxtram und den beteiligten Baufirmen angetreten, das Versprechen „Die Tram fährt Weihnachten bis zum Hauptbahnhof“ zu erfüllen. Das sind nur noch drei Monate!

Der Vielfrager Bettel erlebte seine erste Überraschung im Ausbildungszentrum von LuxTram, als einer der vier zukünftigen Trambahnfahrer auf die Frage nach seinem vorherigen Berufsleben angab, Lehrer gewesen zu sein.

In der Wagenhalle des Trambahndepots begann die Besichtigungstour  - Lëtzebuerger Journal
In der Wagenhalle des Trambahndepots begann die Besichtigungstour

Der Weg durch die Werkstätten und Zugremise und aufs Dach der Wagenhalle, wo im großen Stil Strom per Photovoltaikanlage gewonnen wird, entsprach dann schon mehr einem normalen Besuchsprogramm. Interessant wurde es dann jenseits der provisorischen Endstation „Stäreplaz“, die mit einer „fahrplanmäßigen“ Wagengarnitur erreicht wurde.

Bis weit hinein in die Avenue Emile Reuter liegen nicht nur die Schienen, auch die Pflasterung ist schon weitgehend abgeschlossen. Die Trasse der Trambahn ist mit unebenen Pflastersteinen, die Fußgängerüberwege sind dagegen mit glatten Steinen gepflastert. Vor dem „Royal Hamilius“ ist die Struktur des Knotenpunktes schon deutlich erkennbar.

Die neue Avenue de la Liberté nimmt im unteren Teil schon Gestalt an Fotos: Editpress/Julien Garroy  - Lëtzebuerger Journal
Die neue Avenue de la Liberté nimmt im unteren Teil schon Gestalt an Fotos: Editpress/Julien Garroy

Dort wo schon die Schienen liegen, sind jetzt Elektriker und Elektroniker mit der Feinabstimmung beschäftigt. Weichen müssen gestellt, Ampeln geschaltet und vor allem die Ladestationen präzise eingestellt werden. Etliche Male ließ sich Bettel die Arbeiten von den Leuten vor Ort erklären. Eine der technischen Herausforderungen liegt darin, dass  die Trambahn im Innenstadtbereich ohne Oberleitungen fahren soll - was nach einer raffinierten Lösung verlangt. Denn eines geht nicht: Die Stromversorgung wie bei U-Bahnen über eine dritte Schiene am Boden zu führen. 750 Volt Spannung auf offen liegenden Schienen sind schlicht tödlich….

Das Trambahndepot als Solarkraftwerk - Lëtzebuerger Journal
Das Trambahndepot als Solarkraftwerk

Raffinierte Technik

Bei der Luxtram erhalten die Züge stattdessen alle zwei bis drei Stationen einen kräftigen Schuss Energie, um vorwärts zu kommen. Das geschieht sogar über die berühmte dritte Schiene, nur dass diese  erst aktiviert wird, wenn Sensoren die Ankunft eines Zuges melden. Dann wird die kurze Schiene, die für Passanten unerreichbar unter dem Zug liegt, unter Strom gesetzt. Über einen Unterbodenabnehmer nimmt die Bahn dann die elektrische Energie für ihre Akkus auf. Nach ein oder zwei Minuten Ladezeit kann die Fahrt weiter gehen. Klingt einfacher als es ist. Denn es wird jede Menge Energie gebraucht und diese muss dann noch aufwändig den Bedürfnissen angepasst werden. Am Place de Metz, vor der Sparkasse, konnte die Besuchergruppe dann einen Blick hinter die unterirdischen Kulissen werfen. Zwischen den Fundamenten des Fort Bourbon liegt eine Transformatorenstation, die aus 20.000 Volt, die Creos liefert,  den Fahrstrom von 750 Volt für die Akku-Einspeisung macht. Das reicht aber nur für ein paar hundert Meter. Auf Höhe des Bahnhofs steht eine weitere unterirdische Trafostation.

Alu-Thermit-Schweißen: In dem Thermit-Prozess läuft eine Mischung aus Eisenoxid und fein verteiltem Aluminium in einem Tiegel, der zur Entzündung gebracht wird. Die entstehende chemische Reaktion  liefert flüssiges Eisen und flüssige Aluminium-Schlacke, die beide eine Temperatur von ca. 2.400°C haben. Die Schlacke schwimmt wegen ihres geringen Gewichtes auf dem Thermit-Stahl. Nach einer Wartezeit und nach Ablauf der Umsetzung wird der Tiegel abgestochen. Der flüssige Stahl wird hauptsächlich für das Schweißen von großen Werkstücken und besonders von Eisenbahnschienen verwendet. Quelle: Gleisbau-Welt.de
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Alu-Thermit-Schweißen: In dem Thermit-Prozess läuft eine Mischung aus Eisenoxid und fein verteiltem Aluminium in einem Tiegel, der zur Entzündung gebracht wird. Die entstehende chemische Reaktion liefert flüssiges Eisen und flüssige Aluminium-Schlacke, die beide eine Temperatur von ca. 2.400°C haben. Die Schlacke schwimmt wegen ihres geringen Gewichtes auf dem Thermit-Stahl. Nach einer Wartezeit und nach Ablauf der Umsetzung wird der Tiegel abgestochen. Der flüssige Stahl wird hauptsächlich für das Schweißen von großen Werkstücken und besonders von Eisenbahnschienen verwendet. Quelle: Gleisbau-Welt.de

Altbewährte Technik

Während man in Sachen Energieversorgung auf Hightech-Lösungen setzt, kommt beim Gleisbau Bewährtes, sogar Altbewährtes zum Einsatz. Premier Bettel und seine Begleitung konnten mitten auf dem Pont Adolphe ein uraltes, aber im Gleisbau bis heute übliches Verfahren erleben. Ein Schauspiel der ganz besonderen Art, quasi ein Hochofen im Putzeimerformat:  Das Alu-Thermit-Schweißen. Ganz ohne Energie von außen zischt, glüht und funkt es aus einem Gießtiegel – dank einer chemischen Reaktion wird es in dem eimergroßen-Gefäß über 2.500 Grad heiß und geschmolzener Stahl fließt in die schmale Lücke zwischen zwei Schienensträngen und verbindet sie dauerhaft. Ein spektakulärer Anblick.

Fazit? Natürlich stellt sich die Frage, ob das mit Weihnachten klappt, an einigen Stellen sieht es noch wüst aus, aber in Sachen Trasse und Gleisbett und Fahrbetrieb würde ich schon mal nicht gegen LuxTram wetten. Wie es mit den Details und der Ausstattung der  Haltestellen aussehen wird, muss man abwarten.