LUXEMBURG
SVEN WOHL

Einst ausgedientes Kompressionsverfahren, nun der Evergreen der Kommunikationund Memes: GIFS bleiben Kult

Sie sind genau so wenig wegzudenken wie Emoticons, Emoji oder Fotofilter: Die GIF. Die animierten Bilder sind Grundstein einer jeden Kommunikation auf Messengern. Ihren Ursprung können sie aus Videos jeder Art haben, ob aus alten Fernsehserien oder einem aktuellen Upload auf Youtube oder TikTok. Dabei ist die Geschichte des Formats lang, kompliziert und voller Wendungen.

Anders als gedacht

Wie bei zahlreichen anderen Erfindungen und Entwicklungen auch war es nicht die Intention, ein Bildformat zu entwickeln, das das verschicken kurzer, lustiger Clips ermöglichen sollte. Nein, Steve Wilhite, wollte 1987 eigentlich nur Daten sparen.

Im Gegensatz zu heute waren Speichermedien noch stark begrenzt in ihrer Kapazität und das Internet wenigen Eingeweihten vorbehalten.

Lange konnte das Format diese Aufgabe nicht wahrnehmen. Unter anderem wegen eines Rechtsstreits wurde das Format PNG interessanter, wenn es um Datensparsamkeit ging. Doch die GIF hatte ein Ass im Ärmel: Beweglichkeit.

Kleine Animationen und Clips lassen sich hier in handlichen Dateien übertragen. Bilder sind in Zeiten des Internets, Messenger und mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets Gold wert.

Mit ihnen zu kommunizieren ist manchmal nicht nur leichter, sondern meistens auch lustiger. Wer im Freundeskreis bestimmte Serien gerne schaut, greift dann auch gerne auf GIFs zurück, um sich zu unterhalten. In dieser Hinsicht könnte man sie als Insider-jokes interpretieren.

Die Nützlichkeit für die Verbreitung von Memes im Netz liegt auf der Hand.

Wurden diese Anfangs meist als statische Bilder interpretiert, gibt es Memes, die nur animiert funktionieren. Als sogenannte „Reaction GIFs“ haben sie auch Einzug in die sozialen Netzwerke erhalten, wo sie schnell und einfach eine Emotion vermitteln können.

Die perfekte Werbeplattform

Ihre Popularität, Allgegenwärtigkeit und einfache Nutzbarkeit steigerten sich mit der Integration in Messenger-Apps. Selbst als separate Tastaturen in den Systemen unserer Smartphones haben sie neben Emoji-Tastaturen einen festen Platz. Kein Wunder also, dass Google sich 2018 die GIF-Plattform „Tenor“ kaufte und Facebook im Mai dieses Jahrs den Konkurrenten „Giphy“ unter den Nagel gerissen haben.

Doch 33 Jahre nach der Erfindung des Formats geht es nicht mehr um eine verbesserte Integration in die sozialen Netzwerke oder Suchmaschinen.

Nein, tatsächlich sind GIFs mittlerweile eine interessante Plattform für Werbetreibende geworden. Ein einfacher Blick auf die Plattform Giphy genügt, um zu sehen, was gemeint ist: Netflix beispielsweise pusht die eigenen Serien und Inhalte, indem sie offizielle GIFs hochladen.

Dies in der Hoffnung, dass deren Nutzung mehr Aufmerksamkeit auf ihre Serien lenkt und damit auch mehr Kunden mit sich bringt. Serien, die in den vergangenen Jahren Kultstatus erlangten, haben tatsächlich eine große Präsenz auf diesen GIF-Plattformen. Nischenserien wie „Community“ oder bekanntere wie „Parks and Recreation“ fanden dort regelmäßig nach einer jeden ausgestrahlten Folge ihren Niederschlag.

Plattformen wie Twitter ermöglichten seit jeher das Einbetten von GIFs, was die Diskussion neuer Folgen und dem daraus resultierenden Hype ebenfalls mächtig weiterhalf. Wie diese werbetechnische Unterwanderung jedoch ankommt, bleibt offen.

Fakt ist auch, dass das Format bei den aktuellen Übertragungsgeschwindigkeiten bei weitem nicht mehr so nützlich ist, wie dies einmal der Fall war.

Doch die große Verbreitung des Formats und ihre leichte Anpassbarkeit sind die Grundlage ihrer anhaltenden Beliebtheit.