VÖLKLINGEN
DPA/LRS

Die Völklinger Hütte hat jetzt einen Erinnerungsort für Zwangsarbeiter

Es ist eine Installation, die emotional berührt: Zwischen eng aufeinander gestapelten rostigen Archivkästen liegt ein Kleiderberg aus schwarzen Hosen und Jacken. Aus allen Ecken des Raumes werden die Namen der Zwangsarbeiter geflüstert, die im Zweiten Weltkrieg in der Völklinger Hütte arbeiten mussten. Mit dieser Installation hat der französische Künstler Christian Boltanski für das Weltkulturerbe Völklinger Hütte einen Erinnerungsort für die Zwangsarbeit in dem einstigen Eisenwerk geschaffen.

Nach Angaben der Weltkulturerbestätte in Völklingen waren insgesamt 12.393 Männer, Frauen und Kinder aus 20 Ländern im Zweiten Weltkrieg in der Hütte als Zwangsarbeiter registriert. 261 von ihnen seien gestorben, darunter 60 Kinder. Das Kunstwerk in der Sinteranlage solle die Erinnerung an diese Menschen wachhalten und erlebbar machen, hieß es. Es sei ab dem 1. November für Publikum geöffnet.

Der Ort sei mit der Dokumentation der Forschungsergebnisse verbunden. „Die Beschäftigung mit dem Thema Zwangsarbeit wird auch weiterhin im Vordergrund unseres Handelns stehen“, sagt der Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte, Meinrad Maria Grewenig. Die Präsentation der Forschung zum Thema Zwangsarbeit in Verbindung mit einem großen Erinnerungsraum sei im Bereich der Industriekultur einzigartig. Die Völklinger Hütte ist das weltweit einzig erhaltene Eisenwerk aus dem Industriezeitalter. Sie war 1986 nach rund 100 Jahren stillgelegt und 1994 zum Weltkulturerbe erklärt worden. Neben dem Erinnerungsort für die Zwangsarbeiter hat Boltanski eine Installation für die ehemaligen regulären Hüttenarbeiter kreiert. In der 800 Quadratmeter großen Erzhalle hat er 91 Spinde aus verschiedenen Betriebsteilen gruppiert. Dabei ertönen gesprochene Erinnerungen von einstigen Arbeitern aus den Spinden. Sie erzählen, was es hieß, auf der Völklinger Hütte zu arbeiten. Jenes Kunstwerk wird bis 31. August 2019 zu sehen sein.