LUXEMBURG
CARLOS PAULOS

2016 startete die „4motion asbl.“ das Projekt „Pipapo - Sex, Drogen a Rock’n’Roll“, in dessen Fokus Themen stehen, die mit dem Feiern zusammenhängen. Regelmäßig sind Teams unterwegs, um aufzuklären und zu sensibilisieren. Um Verbote geht es ebenso wenig wie um eine Werbung für Drogen oder Alkohol, wie Carlos Paulos, der Leiter des Projekts, erklärt. Vielmehr ist „Safer Use“ beim Feiern das Ziel. 

„Pipapo ist eine Initiative, bei der es um die Festkultur geht, beziehungsweise darum die Leute an Orten, wo gefeiert wird, hinsichtlich bestimmter Gesundheitsthemen zu sensibilisieren. Die Sexualität spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle, weshalb wir mit der HIV Berodung zusammenarbeiten, gratis Kondome verteilen und Informationen geben.

Ein besonders wichtiges Thema sind die Freizeitdrogen, die für viele zum Feiern dazugehören: Alkohol, Tabak und Cannabis. Wir machen regelmäßig Umfragen, um herauszufinden, was die Leute in den letzten zwei Wochen konsumiert haben. Letztes Jahr hatten wir so über 2.500 persönliche Kontakte. Das Durchschnittsalter lag bei 23 Jahren. Die Ergebnisse sind eindeutig: 90 Prozent haben während der letzten 14 Tage Alkohol getrunken, 50 Prozent Tabak konsumiert und um die 30 Prozent Cannabis. Auch andere Drogen werden genannt, etwa Ecstasy oder MDMA, Kokain, manchmal Amphetamine und dann die neuen synthetischen Produkte, die auf dem Markt sind und die schwer zu identifizieren sind. Wir bieten übrigens auch einen ,Drug Checking Service‘, wo man eine Probe abgegeben kann, die wir dann in Partnerschaft mit dem Staatslaboratorium testen lassen. Heutzutage sind so viele Produkte auf dem Markt, dass man fast nicht mehr sicher sein kann, was überhaupt drin ist. Auch darüber informieren wir und erklären, worauf man aufpassen muss.       

Oberstes Ziel ist es, die Festkultur zu unterhalten und zwar mit allem, was für viele dazugehört, jedoch darüber zu informieren, wie man sich darauf vorbereitet und worauf man achten muss, um einen sicheren Abend zu verbringen. Wir setzen uns also für ein bewussteres Feiern und damit auch einen bewussteren Umgang mit Alkohol und Drogen während dieser Partymomente ein. Wir möchten die Leute dazu bringen, Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen, deshalb müssen sie sich der Konsequenzen bewusst sein. Wer Drogen konsumiert, sollte darüber informiert sein, zu welchen  Schwierigkeiten oder manchmal sogar lebensbedrohlichen Situationen es kommen kann. Jeder hat das Recht zu entscheiden, wie er feiern will, gleichzeitig hat er aber auch die Verpflichtung, auf sich selbst aufzupassen und zu keiner Gefahr für andere zu werden. Die Nachfrage nach Informationen ist übrigens groß, genau wie der Wunsch, ins Gespräch zu kommen, gerade bei solchen Tabuthemen. Die aktuelle Diskussion um die Cannabis-Legalisierung begrüßen wir. Auch wenn noch nicht viel bekannt ist, ist es schon mal eine gute Sache, dass öffentlich darüber geredet wird. Wir sind gerne bereit, unseren Beitrag zu leisten, um unseren Blickwinkel und Standpunkt einzubringen, weil wir eben in der Hauptsache nicht-problematische Konsumenten treffen. Wenn über Drogen gesprochen wird, geht es oft um Probleme. Dabei wird vergessen, dass dies nur zehn Prozent der konsumierenden Bevölkerung betrifft. Die anderen 90 Prozent sind in einem sogenannten nicht-problematischen Konsum oder Freizeitkonsum und werden oft vergessen.“