LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Heute ist der internationale Tag der Menschen mit Behinderung - Sensibilisierung und konkrete Aktionen zum Abbau von Hürden tun Not

Seit 1993 steht der 3. Dezember im Zeichen der Menschen mit Behinderung. Auch in Luxemburg wird dieser Tag begangen, in diesem Jahr erstmals mit einem Filmfestival. Im Kinepolis auf Kirchberg sind so heute den ganzen Tag über unter dem Titel „Handi-Courts qui en dit long...“ Kurzfilme zu sehen, etwa über Asperger, Alzheimer, Hörgeschädigte oder die Integration in die Gesellschaft von Personen mit Behinderung durch Sport oder Arbeit. Die Filme wurden hauptsächlich von Menschen mit Behinderung gedreht. Nach jedem Beitrag findet eine Diskussion mit dem Regisseur statt, aber auch mit Betroffenen, sowie Vertretern von Vereinigungen, die Menschen mit der jeweiligen Behinderung helfen.

Kino und Debatten

„Die Veranstaltung ist gratis und natürlich können auch Kurzentschlossene sich dazugesellen. Wir freuen uns über jeden, der sich für die Themen interessiert“, sagt Olivier Grüneisen, Direktor von Info-Handicap. Der derzeit 60 Mitgliedsvereine zählende Dachverband der Behindertenorganisationen in Luxemburg hat das Festival gemeinsam mit „Retour de Cannes“ veranstaltet, in Zusammenarbeit mit Kinepolis, „Ville de Luxembourg“, Rotary, Tricentenaire und den Ministerien für Familie und Integration sowie für Bildung.

Die Sensibilisierung für die Lage behinderter Mitbürger sei ein täglicher Kampf, sagt Grüneisen, den wir zu den häufigsten Problemen befragten, die an Info-Handicap herangetragen werden. Die Mobilitäts- und Zugänglichkeitsfragen würden jedenfalls ganz oben rangieren in der Liste der Anliegen.

Adapto und Zugänglichkeitsgesetz

Grüneisen verweist etwa auf den Wirbel um Adapto, den Transportdienst auf Bestellung für Bürger mit Behinderung. Während die Regierung die kostenlose Nutzung des öffentlichen Transports für den 1. März 2020 verkündete, sollte Adapto zunächst nicht gratis sein, was eine Welle der Entrüstung auslöste und sogar eine Petition, die nahezu 5.800 Unterschriften sammeln konnte und demnach in der „Chamber“ debattiert werden musste, was Anfang November geschah. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte die Regierung bereits in der Kostenfrage eingelenkt und darüber hinaus eine Reform des Zugangs zu Adapto angekündigt.

A propos Zugang: Info-Handicap wartet ungeduldig auf die Reform des Zugänglichkeitsgesetzes, das eine ganze Menge von Hebeln und Hilfen vorsieht, um Menschen mit Behinderung den Zugang zu sämtlichen Gebäuden zu ermöglichen, aber der Text beinhaltet auch Sanktionen. Für behinderte Mitmenschen kann etwa ein Restaurantbesuch, ein Kinoabend oder ein Arzttermin zu einem Hürdenlauf werden, der das Gefühl des Ausschlusses natürlich anheizt.

Neuer Aktionsplan „Handicap“ steht noch aus

„Wir erwarten uns viel von diesem Gesetz, in dem allerdings noch einige Fragezeichen aufzulösen sind“, sagt Olivier Grüneisen. Ungeduldig wartet man ferner auf die Reform des Vormundschaftsgesetzes und hofft, dass die Maßnahmen für eine bessere Inklusion behinderter Mitbürger in Schule und Arbeitswelt greifen. Der neue Aktionsplan „Handicap“ für 2019-2023 steht übrigens auch noch aus. Hier habe es einen guten Start bei den Arbeiten gegeben, sagt Olivier Grüneisen und das Familien- und Integrationsministerium habe die Überlegungen gut vorangetrieben. Andere Ministerien allerdings hätten ihre „Hausaufgaben“ noch nicht erledigt...

Zum Welttag der Menschen mit Behinderung finden Sie in dieser Ausgabe auf mehreren Seiten eine Reihe unterschiedlicher Beiträge zu Behinderungen, die zum 3. Dezember von Info-Handicap gesammelt wurden. Beiträge, die bisweilen erschüttern - aber auch Mut machen.

Mehr: www.info-handicap.lu