LUXEMBURG
TAMARA SONDAG

Während Bibliotheken oft unter einem verstaubten Image leiden, versuchen diese Institutionen in Luxemburg neue Wege zu gehen. „Esch 2022“ liefert die perfekte Gelegenheit, um neue Verbindungen mit anderen Institutionen wie auch der Öffentlichkeit zu suchen. Tamara Sondag, Bibliothekarin der städtischen Bibliothek Esch, erklärt, wie dies aussehen kann.

„Jede Bibliothek ist ein Ort der Verbindungen. Das stimmt besonders für öffentliche Bibliotheken, zu denen die Städtische Bibliothek von Esch gehört. Wichtig ist dies vor allem mit Blick auf Esch 2022, was für die ganze Region im Süden von großer Wichtigkeit ist. Das bindet sich auch in die Kulturstrategie von Esch, die 2017 bis 2027 umfasst, ein. Wir als Bibliotheken bilden ein hervorragendes Beispiel dafür, wie diese Verbindungen aussehen können.

Weshalb müssen sich die Bibliotheken hier engagieren? Wir sind ein Raum der Verbindungen für die Gesellschaft: Wir sind offen für jeden – vom Kleinkind über Jugendliche und Erwachsene hin zu den Senioren. Nationalität, politische Einstellung und sexuelle Ausrichtung spielen für uns keine Rolle.

Während Fachbibliotheken oder spezialisierte Bibliotheken ein bestimmtes Publikum ansprechen, sind wir breiter aufgestellt. Dies spiegeln vor allem auch unsere Aktivitäten, bei denen es darum geht, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und die ‚graue Theorie‘ lebendig werden zu lassen. Bei uns stehen nicht einfach die Bücher im Regal und verstauben.

Wir arbeiten dabei entweder mit anderen Bibliotheken zusammen oder suchen andere Partner. Dazu gehören Kulturinstitutionen, sowie auch anderen Verwaltungen und Dienstleister. Das geht von Kindergärten, über den ‚Service Jeunesse‘, dem ‚Service Besoins spécifiques‘  bis hin zu Senioren-Verbänden. Bibliotheken gehen hier exemplarisch vor und schaffen zahlreiche Verbindungen. Wir bieten Schnittstellen - auch wenn wir kein Theater und keine Konzerthalle sind, tragen wir ihre Spurenelemente in uns.

Das stimmt nicht nur für den kulturellen Bereich, sondern auch für die Bildung. Wir funktionieren in dieser Hinsicht nicht wie eine Schule, wo die Schüler eben hinmüssen und ein bestimmtes Curriculum lernen müssen. Uns kann man während der Öffnungszeiten besuchen, wann man möchte und sich über die Themen informieren, welche einem zusagen.

Was Verbindungen angeht, gehen wir über unsere vier Wände hinaus. Gerade im Jahr unseres ‚Centenaire‘ versuchen wir, mit vielen Partnern zusammenzuarbeiten. Dabei spielen Aktivitäten außerhalb des Bibliotheksgebäudes eine wichtige Rolle. Das stimmt nicht nur für uns, sondern für alle Bibliotheken, die sich bemühen, neue Verbindungen zu schaffen.  Wir können nicht hinter unserer Theke auf das Publikum warten. Gerade weil Bibliotheken immer noch unter einem „angestaubten“ Image leiden, können wir uns das nicht leisten. Wer beispielsweise Jugendliche ansprechen möchte, muss dahin gehen, wo Jugendliche zu finden sind. Dies wollen wir in Zukunft auch weiter ausbauen. Die Escher Bibliothek ist nicht die Bibliothek jener, die hier arbeiten, sondern die Bibliothek jener, die sie nutzen.“