LUXEMBURG
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Die luxemburgische Regierung und der Kampf gegen die Neonicotinoide

Bienen und andere Bestäubungsinsekten spielen eine entscheidende Rolle im Ökosystem. 90 Prozent der Pflanzenarten müssen durch Insekten bestäubt werden und ein Drittel der globalen Nahrungsmittelproduktion ist von Bienen und anderen Insekten abhängig. Wenn es keine Bienen mehr gäbe, hätte dies verheerende Folgen für unsere Nahrungsmittelproduktion. Seit 2006 ist das Phänomen des Bienensterbens in Europa und den USA bekannt. Neben der Varroa-Milbe und anderen Parasiten sind es vor allem die vielen landwirtschaftlichen Monokulturen und vor allem viele Spritzmittel, die trotz dem sogenannten B4-Status (bienenungefährlich) den fleißigen Tieren zu schaffen machen - samt Strukturmangel der Landschaft und damit dem Lebensraumverlust, „was zu einer unzureichenden quantitativen und vielfältigen Pollenversorgung führen“, wie der Imker Peter Kraus vom „Beienhaous“ am Echternacher See berichtet. Die Tiere werden so geschwächt, dass regelmäßig eine hohe Anzahl der Völker stirbt.

Neonicotinoid-Insektizide

Eine besonders gefährliche Wirkstoffgruppe der Insektizide sind die Neonicotinoide. Neonicotinoid-Insektizide (NNI) werden häufig als Saatgutbeizmittel eingesetzt. Beim Wachsen verteilt sich das Gift bis in Pollen und Nektar.

Im Mai 2012 stellte die Europäische Kommission daher im Rahmen ihrer Strategie zur Bekämpfung des Bienenrückgangs 3,3 Millionen EUR zur Verfügung, womit die Mitgliedstaaten bei der Durchführung von Überwachungsstudien unterstützt werden sollten, um weitere Informationen über den Verlust von Bienenvölkern zusammenzutragen. Die Ergebnisse und weitere Studien belegten die negativen Auswirkungen auf Bienen. Aufgrund dieser Ergebnisse beschloss die Europäische Kommission 2013 ein Moratorium, das die Anwendung der drei als besonders gefährlich erachteten NNI in der EU stark einschränkt.

Diese Thematik greift nun auch Marcel Oberweis von der CVS auf und wendet sich in einer parlamentarischen Anfrage an den zuständigen Landwirtschaftsminister Fernand Etgen (DP). Oberweis hinterfragt hier unter anderem den Umstand, ob die Regierung sich ein Verbot der NNI auf europäischem Niveau vorstellen kann. Etgen verweist auf die EU-Projektvorlage vom März 2017. Diese Pläne sehen vor, den Einsatz innerhalb von Gewächshäusern weiterhin zu erlauben. Das Totalverbot beziehe sich demnach auf den Außenbereich. Etgen verweist dabei auf die drei Neonicotinoid-haltigen Pestizide von Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid mit dem Vermerk, dass die Regierung hier ein Verbot auch von Brüssel befürworten würde.

Oberweis fragt auch nach der Sterblichkeitsrate der Bienenvölker im Großherzogtum, die Etgen im Winter 2016/2017 mit 20 Prozent beziffert. Damit liege sie in einem absoluten Durchschnitt, wenn man die letzten Jahre betrachte. Hier wurden Raten zwischen neun und 34 Prozent festgestellt. Eine rate von zehn Prozent bezeichnete Etgen als durchaus normal.

Wie der Minister weiter ausführt, habe man auch bereits sehr viele Maßnahmen unternommen, um die Bienenvölker zu schützen. Dies zusammen mit der Verwaltung und auch Experten der FUAL, der „Fédération des Unions d’Apiculteurs“. Auch führt Etgen das Forschungsprogramm „BeeFirst“ an. Das Projekt hat beispielsweise gezeigt, dass unterschiedliche Bienenstöcke Einfluss auf die Überlebenschancen der Bienen im Winter haben. Darüber hinaus erfolgen Beratungen in Bezug auf die Behandlung gegen die Varroa-Milbe beraten.