LUC SPADA

Für 11 Euro, also: Taxipreise, sagt die Werbung, krass, sagt die Werbung, TAXIPREISE, sagt die Werbung, kann man bereits quer durch Europa fliegen. Schnäppchenflüge, sagt man. Billig. Angebot. Heute oder nie. Jetzt oder nie. Dieses Jahr keine Erholung, wenn nicht sofort draufgeklickt. Heute gebucht, morgen schon weg. Schnell rein in den Billigflieger, ab 33 Euro die Baupannen-Peinlichkeit aus weißem Marmor in Pisa sehen. Oder wie wär’s mit einem Kurzurlaub in die Schweiz? Eine Partywoche in Belgrad? It’s the place to be. Urlaub, Urlaub, Urlaub. Was für ein Stress und das alles, um sich vom Stress zu erholen, sagt die Werbung.

Warum muss es immer billig sein? Günstig, ok, meinetwegen, das geht ja noch gerade so. Aber billig? Wer will denn schon einen billigen Urlaub verbringen? Mieses All-you-can-eat-Buffet, von dem man Durchfall bekommt, nervöse Touristen, die absolut nicht zufrieden mit dem Service sind, der ihnen geboten wird, weil Service doch nun wirklich das Wichtigste ist, besonders im Vergleich zu der dafür gebotenen Leistung, die natürlich im Preis enthalten sein muss, besonders im Billig-Urlaub, und Strandliegen. Letztere sind allerdings kostenpflichtig. Irgendwas muss schließlich Geld kosten, wenn der Flug schon nur 33 Euro kostet. Aber warum braucht man überhaupt Strandliegen, wenn man die Möglichkeit hat im Sand zu liegen? Ah, ja, genau: Billig!

Dass die Welt noch immer nicht untergegangen ist, wundert mich schon ein bisschen. Es kann doch nicht gut für die Welt sein, wenn seine Einwohner immer nur auf billig machen, wo bleibt da der Stil? Die Lust am Luxus? Die Vision? Warum immer das Vorspiel auslassen? Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Aber solange man Sushi noch in Soja-Sauce dippen kann, der Salat vegan ist und man zwei Cocktails für den Preis von einem bekommt, ist alles doch nicht so schlecht. Und ja, ich weiß, ich bin Teil vom Game.

Hier in der Wiese, gleich neben einer früheren Flughafenstrecke, wo ich mir schön die Sonnenstrahlen auf meinen luxuriösen und durchtrainierten Body drücken lasse, fühle ich mich ganz plötzlich sehr erleichtert, dass es nur eine Sonne gibt. Helligkeit für Jeden, wenn die Einen auch unter ihr auf einem Sandstrand liegen können und Andere halt nur auf einer Wiese neben einer früheren Flughafenstrecke. Die Sonne ist für Jeden da und nicht nur für einen exklusiven Teil der Weltbevölkerung. Und es ist nicht einmal billig, es ist umsonst.