LUXEMBURG
SVEN WOHL

„Super Mario 3D All-Stars“ enttäuscht bei der Umsetzung

Es ist 27 Jahre her, dass Nintendo mit „Super Mario All-Stars“ eine Neuauflage der ursprünglichen 2D-Trilogie auf dem Super Nintendo wagte. Während man hier in die Vollen ging und das Beste aus den Spielen machte, um sie in die 16-Bit-Ära zu bringen, sollte dies kein Präzedenzfall für das neue „Super Mario 3D-All-Stars” werden. Ganz im Gegenteil: Diese Sammlung, bestehend aus „Super Mari 64“, „Super Mario Sunshine“ und „Super Mario Galaxy“ ist von einer bemerkenswerten Faulheit.

Exzellente Spiele

Eines sollte vorweg geklärt werden: Die in der Packung enthaltenen Spiele sind weiterhin hervorragende Klassiker des „Jump and Run“-Genres und bestechen durch ihre vorzügliche Spielbarkeit. „Super Mario 64“ zeigte seinerzeit, wie man ein 2D-Konzept effizient in die dritte Dimension befördert. Selbst heute ist noch immer bemerkenswert, wie gut dieser Sprung vollzogen wurde. Der Fokus auf das Erkunden der Level bringt ein eigenes Tempo mit sich, das man rezent erst wieder bei Odyssey erleben konnte. Sunshine ist nach wie vor der merkwürdigste Teil im Bunde. Während Grundprizipien aus Mario 64 übernommen und ausgebaut wurden, bringt die Wasserspritzkanone F.l.u.d.d. eine neue Bewegungsdynamit mit sich, die nicht jedem liegt. Man soll neben dem typischen rumlaufen, erkunden und springen hier auch noch Verschmutzungen reinigen, was eine einzigartige Note darstellt, aber auch vom Wesentlichen ablenkt. Auch das ständige Sommer- und Sonne-Feeling, das hier versprüht wird, kann sehr eintönig werden. Mariospiele glänzen üblicherweise durch ihren Abwechslungsreichtum, doch hier wird sich auf ein einziges Setting beschränkt, was ermüdet. Trotzdem ist der Titel interessant und immerhin Wert, angespielt zu werden, auch weil das Gamecubespiel so lange auf eine Neuauflage warten musste. „Super Mario Galaxy“ ist der jüngste der Titel und wird von der Fanbasis als ein moderner Kultklassiker hochgehalten. Er konnte auf der „Wii U“ bereits mit einer hochskalierten Auflösung aufwarten und war außerdem auf dieser Plattform als digitaler Titel erhältlich. Dass der Titel hier vorhanden ist, verdient Lob, doch hier herrschte keine Knappheit wie beim Vorgänger.

Miese Verpackung

Alle drei Titel wurden HD-gerecht aufbereitet. Während der Nintendo 64-Teil mit 720P aufwartet, wurden bei den beiden anderen Spielen Widescreen-Support und 1080P hinzu gezaubert. Optisch machen die beiden aktuelleren Spiele dementsprechend mehr her, auch wenn man sich gewünscht hätte, dass vielleicht die eine oder andere Textur überarbeitet werden würde. Im optischen Bereich wurde kaum Hand angelegt und bei der spielerischen Erneuerung wurde stets der Weg des geringsten Widerstands gesucht. Die Bewegungssteuerung eines „Galaxy“ wird durch die Gyrosensoren oder Touchscreens der neuen Controller ersetzt. Bei „Sunshine“ werden die beim Gamecube stufenlos eindrückbare Schultertrigger durch zwei Knöpfe ersetzt, was dem Fluss nicht zuträglich ist. Einzig „Super Mario 64“ profitiert von dieser Neuauflage, wurde nichts Wesentliches verändert. Immerhin hat man sich für die später erschienene Neuversion Japans entschieden, weshalb nun die Vibrationsmotoren auch hier zum Einsatz kommen.

Der Emulator für „Super Mario Sunshine“ plagt sich mit Artefakten rum, welche aus einer unsauberen Einstellung der Software stammen. Auch bei „Super Mario Galaxy“ sind längst nicht alle Effekte so umgesetzt, wie man sie von der Wii kennt und man muss sich fragen, ob hier nicht übereilt ein Produkt veröffentlicht wurde, ehe es wirklich bereit war. Ein Hinweis dürfte sein, dass es abseits von den Soundtracks an Zusatzinhalten fehlt. Auch wurden Optionen ausgespart, die viel Sinn gemacht hätten, wie etwa eine Kompatibilität mit dem Gamecube-Controller, welcher immer noch für das aktuelle „Super Smash Bros.“ eingesetzt wird. Man wird das Gefühl nicht los, dass hier nur der absolute Minimum geleistet wurde.

Zu all diesen Beschwerden kommt, dass Sammlung lediglich bis zum 31. März kommenden Jahres verfügbar sein soll. Diese künstliche Knappheit könnte der Verbesserung der Finanzbilanz Nintendos dienen, kann jedoch aus Sicht der Kunden nur als blanker Zynismus verstanden werden. Kunden werden dazu angespornt, sich so schnell wie möglich die Sammlung zu holen, auch weil ungewiss ist, ob eine Neuauflage jemals kommt. Es erinnert ein wenig an den „Disney Vault“, wo nach belieben Animationsklassiker über Jahre hinweg zurückgehalten wurden, nur um eine künstliche Verknappung und damit eine entsprechende Nachfrage zu generieren. Ebenfalls irrsinnig ist das Auslassen von „Super Mario Galaxy 2“, das sich eindeutig angeboten hätte, ebenfalls auf die Kompilation geworfen zu werden, wäre der Aufwand mit dem des Vorgängers vergleichbar gewesen. Fans und Nostalgiker greifen zu, neugierige Neukunden sollten zu „Super Mario Odyssey“ greifen.