LUXEMBURG
ROBERT L. PHILIPPART

Der Historiker Robert L. Philippart ist einer der besten Kenner der luxemburgischen Stadtgeschichte und der Gebäude, die steinerne Eckpunkte der Stadtentwicklung sind. In einem Gespräch mit dem „Journal“ unterstrich der Historiker die vielfache Bedeutung des Postgebäudes am Aldringer in stadtgeschichtlicher, wirtschaftshistorischer und bautechnischer Hinsicht. Hier seine „klare Meinung“ zum Wert des Postgebäudes:

„Die Post war im 19. Jahrhundert eine der wichtigsten Verwaltungen im Zusammenhang mit dem Wachstum der Wirtschaft. Mit dem Bahnanschluss gewann die Post deutlich an Bedeutung, danach mit der neuen Technologie des Telegrafen und des Telefons. Sie wurde zum Symbol einer neuen Ökonomie.

Die staatlichen Behörden nutzten nach der Niederlegung der Festung Gebäude der früheren Festungsverwaltung. Die Post war im sogenannten ‚Geniegebäude‘ untergebracht, das bald zu klein werden sollte. 1883 begann man mit der langen Planung für ein neues Postamt an alter Stelle, die Idee war ein kompletter Neubau.

Die Väter der neuen Post planten ihren Neubau, anders als heute, eigentlich ,zu groß‘ sahen sie die wachsende Bedeutung der Post für Stadt und Staat voraus. Auch wurde keineswegs drauf los gebaut – zum ersten Mal kam so etwas wie ‚Benchmarking‘ zum Einsatz.

Technisch ist das Postgebäude ein Zwitter, es handelt sich nämlich um einen damals hochmodernen Stahlbetonbau, der den umfangreichen Logistikaufgaben und den Anforderungen an die Feuersicherheit gewachsen war, dem eine historistische Fassade vorgeblendet wurde. Eine Fassade, die eine politische Aussage machte: Der Stil der französischen Renaissance signalisierte ‚Wir gehören zwar zum deutschen Zollverein, halten aber an unserer historischen Verbundenheit mit Frankreich fest.‘ Eine weitere Aussage wurde mit dem Material zum Fassadenbau getroffen: Luxemburgischer Stein – auf Wunsch von Staatsminister Paul Eyschen, der einen ‚Heimatstil‘ wollte. Die Fassadenornamente von luxemburgischen Künstlern zeigten die Funktion des Gebäudes. Das Konzept des ‚Aushängeschilds‘ für Luxemburg galt nicht nur für die Fassade, sondern auch für viele Gestaltungsmomente im Inneren.

Der Haupteingang sollte zunächst zur Rue de Monterey liegen, dann folgte aber ein Umdenken - keineswegs aus einer Laune heraus, denn 1903 wurde die ‚nei Bréck‘, die Pont Adolphe, fertig gestellt. Damit wurde die Post direkt mit dem Bahnhof verbunden, hinzu kam eine Trambahnhaltestelle. Die Verlegung des Eingangs zur rue Aldringen, war damit nur folgerichtig.

Dennoch, das Postgebäude ist erst heute, mit dem Bau des Royal Hamilius aus dem Hintergrund getreten. Erst durch den neuen Vorplatz kann es jetzt seine architektonische Wirkung voll entfalten.

Besonders zu begrüßen ist die dreifache Unterschutzstellung des Hauptpostgebäudes: Es liegt in der UNESCO-Schutzzone, es unterliegt dem im Allgemeinen Bebauungsplan der Stadt festgehaltenen Ensembleschutz und es ist seit 2018 als Denkmal eingestuft. Denn in seiner Kombination aus Alt und Neu ist das Postgebäude historisch genauso wertvoll wie die Pont Adolphe.“