SCHUTTRANGE
NICOLAS WELSCH

In unsern Dörfern, Gemeinden und Städten gibt es verschiedene Arten von Freiflächen im öffentlichen Raum: längs der Straßen- und Eisenbahninfrastrukturen, längs der Bürgersteige, im Umfeld von Sport- oder Kulturinfrastrukturen, von öffentlichen Gebäuden, industriellen Anlagen, Parkplätzen, usw.

Die entsprechenden Flächen sind beträchtlich. Sie sind in der Größe vergleichbar mit denjenigen der NATURA 2000 Schutzgebiete. Es wäre also sinnvoll, diese Flächen ökologisch aufzuwerten, der Natur zu Liebe, die durch den gewaltigen Siedlungsdruck in unserem Land erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird.

Die politischen Entscheidungsträger genießen viel Freiheit in der Gestaltung dieser Räume und sollten diese Möglichkeit nutzen. Es gibt kaum Vorschriften oder Regeln die zwingend beachtet werden müssen, im Gegensatz zum Beispiel zum Wohnungsbau oder zur Gestaltung industrieller Anlagen.

Leider besteht in Luxemburg oft das Verständnis, dass Freiräume von natürlicher Vegetation befreit sein müssen um gepflegt zu wirken. Beispiel: Europahochhaus Kirchberg. Ein paar Bäume, steril aneinandergereiht, wachen wie ein Eunuch über einen Harem von steinernen Platten. 

Das Verständnis der von natürlicher Vegetation befreiten Räume muss als Trugschluss angesehen werden

Dieses Verständnis der von natürlicher Vegetation befreiten Räume muss als Trugschluss angesehen werden. Ökologisch aufgewertete öffentliche Räume, im Gegensatz zu sterilen Räumen, werten das Erscheinungsbild einer Gemeinschaft auf, verbessern die Lebensqualität und steigern die Biodiversität. 

Das Gemeindesyndikat SIAS und die Naturverwaltung werden in Zukunft mit den Gemeinden sowie staatlichen Organen zusammenarbeiten und Maßnahmen umsetzen, welche die ökologische Aufwertung öffentlicher Flächen in den Gemeinden zum Ziel haben. Dies wird in einer ersten Phase anhand von Pilotprojekten auf ausgewählten Flächen geschehen. Es wird sich dabei einfach um die Extensivierung des Unterhaltes handeln, um die Verbesserung von bestehenden Anlagen (etwa die Umgestaltung von Pflanzbeeten, Verkehrsinseln oder Baumscheiben) oder um die Neugestaltung. Es soll im allgemeinen mehr Toleranz gegenüber der Spontanvegetation aufkommen.

Um das Verständnis für dieses Vorgehen zu verbessern, werden die Mitbürger informiert wie Freiflächen in Luxemburg oder im Ausland naturgerecht, im Sinne einer großen Artenvielfalt, angelegt oder bewirtschaftet werden. Es werden ebenfalls die Vorteile dieser Vorgehensweise erläutert.

Dies soll die Mitbürger zusätzlich dazu anregen auf ihren privaten Flächen nach den gleichen ökologischen Prinzipien zu handeln.