Wahrscheinlich sind es persönliche Erfahrungen, die den ein oder anderen Abgeordneten zu parlamentarischen Anfragen veranlassen, die auf den ersten Moment etwas abseitig erscheinen und damit prädestiniert für das Sommerloch sind. Dennoch nahm im konkreten Fall das antwortende Ministerium die Sache „bierernst“ und antwortete ebenso so sorgfältig wie umfangreich.
Es ging bei der Frage von Serge Wilmes (CSV) wieder einmal um die neuen Personalausweise (Cartes d’identité), allerdings wurden weder fehlerhafter Druck noch die Schädigung des Fotografenhandwerks thematisiert. Die Fragestellung war durchaus überraschend: Wie kann man Kinder unter vier Jahren den Vorschriften der Internationalen Zivilluftfahrt (OACI) entsprechend fotografieren? Laut der gesetzlichen Neuregelung können Personen unter 15 Jahren einen Personalausweis beantragen, ab 15 ist der Ausweis sowieso Vorschrift. Bei Reisen in Länder, die dreijährige Terroristen fürchten, empfiehlt es sich auch für die Kleinsten einen Ausweis mitzuführen, entsprechende Anträge stellen die Eltern.
Ausnahmen möglich?
Serge Wilmes fragte nun, wie man es fertig bringt, dass die Kleinkinder dem Gesetz von 2013 entsprechend alleine, mit neutralem Gesichtsausdruck und ohne zu Lachen in die Kamera blicken - oder ob es Ausnahmeregeln für die Passfotos von Kleinkindern gibt. Falls es diese nicht geben sollte, ob der angesprochene Justizminister dann daran denke, einen entsprechenden Reformvorschlag einzubringen.
Die gleichen Regeln für alle
Entgegen der Annahme von Wilmes ist nicht der Justizminister, sondern das Innenministerium für diese Causa verantwortlich. Dort hat sich ein Mitarbeiter im Auftrag des Ministers ausführlich mit der Frage befasst.
Zunächst stellt er fest, dass es bei der OACI keine Ausnahmen für Ausweisfotos von Kleinkindern gibt. Offenbar ist die terroristische Gefahr, die von Dreijährigen ausgeht, doch nicht zu unterschätzen.
Ob Ausweisfotos, egal von Personen welchen Alters, den internationalen Vorschriften entsprechen, wird in Luxemburg vom „Centre des technologies de l’information de l’Etat (CTIE)“ überprüft. Um größere Katastrophen zu vermeiden erhalten die Kommunen beim Fotografieren von Kleinkindern telefonische Beratung, außerdem werden ihnen neutrale Hintergründe und spezielle Rahmen für die Fotos zur Verfügung gestellt.
Eigentlich kein Problem
Das Problem scheint aber gar keines zu sein, denn in den ersten sieben Monaten diesen Jahres wurde nur 35 Ausweisfotos von Kindern unter zwei, beziehungsweise 44 Fotos von Kindern unter vier Jahren wegen Nichterfüllung der Standards zurückgewiesen. Was einer Ablehnungsquote von nur 1,1 Prozent der eingereichten Ausweisbilder entspricht und so eventuelle Änderungen überflüssig macht.


