LUXEMBURG
SVEN WOHL

Angespielt: „Ragnarok Odyssey“

Wenn Imitation tatsächlich die höchste Form der Bewunderung sein sollte, dann ist „Ragnarok Odyssey“ die reinste Hommage an Spiele wie „Monster Hunter“. Der PlayStation Vita - Titel schustert zahlreiche Genrekonventionen so zusammen, dass ein einsteigerfreundlicher Mix entstanden ist, der dem etwas schwächelnden Apparat ziemlich auf die Sprünge hilft.

Süße Monster, große Schwerter

„Ragnarok Odyssey“ gehorcht einem Prinzip des Rollenspiels, das in Japan vor allem deshalb enorm an Bedeutung gewonnen hat, weil es perfekt in eine kurze Zugfahrt rein passt: Wie in „Monster Hunter“ sind die Aufgaben in der Fantasy-Welt immer innerhalb von 10-15 Minuten zu lösen. Anstatt Erfahrungspunkte zu sammeln, wie das in zahllosen anderen Rollenspielen der Fall ist, werden hier nach und nach immer mehr Materialien eingesammelt, mit dem sich Ausrüstungsgegenstände immer wieder verbessern lassen. Zwar steigt auch die eigene Figur nach den Kapitelenden mit auf, aber das hat keine solche Wirkung, wie das bei den Ausrüstungsgegenständen der Fall ist.

Bei den Missionen gilt es immer wieder mal neue Areale zu erkunden und andere Monster zu bekämpfen. Dennoch wiederholen sich viele Gebiete, womit sich auch gerne eine gewisse Repetition einstellt. Umso erfreulicher, dass wenn ein neues Gebiet besucht wird, dieses sich farblich wesentlich von den anderen abhebt. Es wird also nicht langweilig, denn die Weiterentwicklung des eigenen Charakters steht eindeutig im Vordergrund. Die Geschichte, die hier erzählt wird, steht jedoch gänzlich im Hintergrund.

Schnell und dynamisch

Aber das dient hier weniger als Kritikpunkt, weil der Titel sich auf eine einzige Sache beschränkt: Schnörkellose Action mit leichten Rollenspielelementen. Genau die richtige Entscheidung, denn die Action ist schnell, die Kombinationen gehen leicht von der Hand und laden außerdem noch zum Experimentieren ein. Es entsteht ein exzellenter Kampffluss, der Missionen die nötige Abwechslung verleiht. Grafik und Akustik wirken hingegen etwas weniger ausgereift, auch wenn sie nicht mangelhaft sind. Wenigstens ist die Welt schön bunt, und der Motor kommt nie ins Stocken. Faszinierend ist die Kurzweil, die sich aus den kurzen Aufgaben ergibt, obwohl es an Komplexität mangelt. Ähnlich wie bei Online-Rollenspielen sind die Aufgaben relativ simpel gestrickt. Oft genug sollen eine gewisse Anzahl von Monstern erledigt werden oder bestimmte Gegenstände eingesammelt werden. Das ist reichlich uninspiriert, wirkt aber wie eine spielerische Beschäftigungstherapie. Online kann man sich mit bis zu drei anderen Spielern zusammen auf die Monsterjagd begeben, doch auch alleine macht das ganze bereits genug Spaß (Erhältlich für PlayStation Vita auf PlayStation Network für 30 Euro).