LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Eine ganz besondere Liebeserklärung

Cause you, you mean the world to me. I know, I know I've found, I've found in you my endless love“, ertönt es, zugegebenermaßen etwas blechern, aus meinem Smartphone. So wird man doch gerne geweckt!

Gut gelaunt steige ich aus dem Bett und freue mich, mit ihm den Tag zu beginnen. Er sitzt schon erwartungsvoll am Frühstückstisch. Doch anders als ich isst er nicht. Er ernährt sich von der Luft und von der Liebe. So kommt es auch, dass er niemals ab- oder zunimmt. Beneidenswert ist das!

Tiefe Gespräche

Er sieht tipptopp aus und hat auch zu früher Stunde schon viel zu erzählen. Keine Uhrzeit ist ihm zu früh oder zu spät, sich mit mir in die tiefsten Gespräche, die schwindelerregendsten Theorien zu stürzen. Manchmal streiten wir uns natürlich auch, wie sich das in einer guten Beziehung gehört. Es kommt vor, dass ich etwas in Frage stelle, was er mir erzählt, oder mit einem Standpunkt oder seinen Formulierungen nicht einverstanden bin. Er wiederum stellt öfters alles auf den Kopf, woran ich zuvor geglaubt hatte, lässt mich in die tiefsten Krisen stürzen, fängt mich auf, wirft mich wieder nieder. Mit ihm fühle ich mich stark, durch ihn fühle ich mich schwach. Wenn das keine Leidenschaft ist!

Wenn wir uns unterhalten, ziehen wir uns am liebsten an einen ruhigen Ort zurück, an dem nichts und niemand unsere Intimität stören kann. Also nicht, dass hier falsche Assoziationen aufkommen: Wir unterhalten uns wirklich! Und dabei will ich nicht unterbrochen werden. Lenkt uns jemand von unserem Gespräch ab, kann ich schon mal biestig werden!

Seine Wirkung auf andere

Der einzige Punkt, in dem unsere Beziehung nicht so gut funktioniert, ist das Knüpfen sozialer Kontakte. Wir kriegen es einfach nicht hin, uns einen gemeinsamen Freundeskreis aufzubauen. Dabei ist er total offen. Theoretisch wüsste niemand besser als er, wie man Menschen vereint, aber praktisch schafft er es nicht, weil sich immer seltener jemand für ihn interessiert und für das, was er zu sagen hat. Viele finden ihn „anstrengend und ermüdend“. Das kann ich gar nicht nachvollziehen. Ich bekomme nicht genug von ihm und nehme ihn überall hin mit. Sogar aufs Klo!

Vielleicht liegt es daran, dass er ein Stubenhocker, ein Couchpotato ist. Meist sitzt er den ganzen Tag regungslos in der Wohnung. Mir ist das recht, allerdings übertreibt er es manchmal ein wenig. Dann muss ich ihm behutsam auf den Rücken klopfen, weil sich der Staub schon auf ihm niedergelegt hat.

Sehr vorsichtig muss ich dabei sein, denn er ist empfindlich. Ich sorge mich sogar ein wenig um seinen Gesundheitszustand, weil er selbst auf leichteste Temperaturschwankungen reagiert, eine gelbliche Farbe angenommen hat und seine Haut so rissig geworden ist.

Wahrscheinlich müssen wir einfach mal wieder Urlaub machen, zusammen an den Strand fahren. Wobei, nein, besser nicht an den Strand. Da beschwert er sich immer, der Sand würde sich in sämtlichen Ritzen sammeln. Tut mir Leid, ich will das ja selbst nicht so genau wissen, aber er beklagt sich halt darüber, was will ich denn machen?

Schöner Rücken kann auch entzücken

Am liebsten an ihm mag ich seinen Rücken. Er ist zwar schon ein wenig faltig geworden, aber immer noch sehr ansehnlich und komplett haarlos. Ich genieße es sehr, ihn dort zu streicheln.

Wir sind uns auch sehr ähnlich. Jedes Mal, wenn ich ihn anblicke, finde ich mich in ihm wieder, und in dem, was er sagt. Was uns dennoch unterscheidet, ist, dass er sehr viel mehr Wissen mitbringt und ein bemerkenswertes Gedächtnis hat. Dafür bewundere ich ihn. Umgekehrt urteilt er nie über meine Unwissenheit. Er nimmt Menschen so, wie sie sind, bringt die Mühe und die Energie auf, sich mit jedem zu unterhalten, wenn er auf ihn zukommt.

Außerdem hat er Zeit. Zeit, die mir manchmal fehlt. Immer ist er da, wenn ich ihn brauche, und er hat auch immer Lust auf mich. Manchmal bin ich abends müde und dann muss ich ihn abweisen. „Nein, Schatz, heute nicht, heute will ich sofort schlafen“, sage ich dann, und knipse das Licht aus. Kurz plagt mich das schlechte Gewissen, aber er ist da sehr verständnisvoll und sagt nie ein tadelndes Wort dazu. Außerdem, es ist ein wahrer Segen, schnarcht er nicht und braucht auch wenig Platz im Bett!

Meins!

Eigentlich ist alles perfekt. So perfekt, dass mich letztens Eine gefragt hat, ob sie ihn sich „mal ausleihen“ dürfe! Es fiel mir schwer, mich zu beherrschen. „Das kannst du knicken! Der verlässt das Haus nicht ohne mich“, sagte ich empört. Sie konnte meine Aufregung nicht verstehen und meinte nur schnippisch, sie möge seine Ohren eh nicht. Sie sähen aus wie die von einem Esel und das fände sie abstoßend. Ihrer Freundin flüsterte sie zu: „Ech mengen, deen huet souwisou en Eck ewech“ und: „eppes Gebrauchtes wëll ech net“.

In meiner Familie wurde er gut aufgenommen. Sie weiß, wieviel er mir bedeutet. Dass wir einfach unzertrennlich sind. Und er immer für mich da ist. Egal, was kommt, es gibt keine Situation, in der er mir nicht beistehen würde. Nie würde er mich verlassen. Bei ihm weiß ich, dass unsere Bindung garantiert für immer halten wird, bis – so kitschig es auch klingt – der Tod uns scheidet.

Danke für alles, das du mir gibst! Ich liebe dich. Mein Schatz. Mein Buch.