LUXEMBURG
MADY LUTGEN

Sandra Muhlig arbeitete auf einer australischen Rinder-Farm

Im Café „Beim Renert“ auf dem „Knuedler“ strahlt Sandra Muhlig (22) im Moment die Gäste an: Sie arbeitet als Kellnerin, seit sie von ihrer Australien-Reise zurück ist. Niemals würde man auf die Idee kommen, dass diese zierliche Person Schwerstarbeit auf einer australischen Farm geleistet hat. Dem „Journal“ erzählt die Abenteuerlustige, warum sie so fasziniert von Australien ist.

Warum wolltest Du nach Australien reisen?

Sandra Muhlig Ich wusste nach dem Abi nicht sofort, was ich anfangen sollte. Da ich mich schon immer für Australien interessiert habe, entschloss ich mich, dahin zu reisen, um dort zu jobben.

Hast Du alles selbst organisiert?

Muhlig Nein, es gibt diverse Organisationen, die einem helfen, wenn du in Australien arbeiten willst. Dort gibt es jede Menge junger Menschen, die Arbeit suchen.

Wo hast Du gearbeitet?

Muhlig Vor allem auf einer Farm; ich habe aber auch Toiletten geputzt. Zum Schluss habe ich in einem Surfer-Camp das getan, was dort an Arbeit angefallen ist.

Warum wolltest Du unbedingt auf eine Farm?

Muhlig Ich reite schon seit meiner Kindheit und wollte deshalb einen Job, der mit Reiten zu tun hat. In Australien arbeiten noch viele Farmer mit Pferden. Ich wollte auch körperlich wirken, einfach eine ganz neue Erfahrung machen.

Was musstest Du auf der Farm tun?

Muhlig Hauptsächlich bestand meine Arbeit darin, die kleinen Rinder zu kastrieren. Aber auch das Misten oder andere Knochenarbeiten standen jeden Tag auf dem Programm.

Wie sah Dein Alltag aus?

Muhlig Ich musste immer sehr früh aufstehen und bis abends spät schuften. Danach fiel ich immer ins Bett. Manchmal tranken wir noch ein Bier vor dem Schlafengehen.

Wie war die Erfahrung für Dich?

Muhlig Ich war auf mich ganz alleine gestellt, das war am Anfang schon hart. Da ich mitten im „Nirgendwo“ auf einer Farm lebte, hatte ich auch keinen Kontakt zur Außenwelt, kein Internet und so weiter. Die ersten Wochen hatte ich auch keinen Kontakt zu meiner Familie. Ich musste Dinge tun, die ich sonst nie getan hätte. Irgendwann war ich mir für nichts mehr zu schade. Auch Schlangen und Spinnen gehörten zum Alltag. Früher fürchtete ich mich sehr vor solchen Tieren, aber jetzt kann mich nichts mehr so leicht umhauen. Die Familie, die mich aufnahm, wurde irgendwann wie meine eigene. Mich störte nur, dass sie die Hunde nicht gut behandelte, das brach mir öfters mein Herz.

Was hast Du aus dieser Zeit gelernt?

Muhlig Ich habe gelernt, mehr auf die Leute zuzugehen. Wenn du niemanden kennst, gehst du automatisch mehr auf andere zu. Hier in Luxemburg merke ich, dass ich wieder weniger mit Fremden rede.

Willst Du nochmal zurück nach Australien?

Muhlig Ich möchte dort leben, das wäre mein Traum. Ich werde nun eine Kellner-Ausbildung absolvieren und hoffe dann, eine Stellung in Australien und jemanden, der mich sponsort, zu finden. Das heißt, ich muss auf dem fünften Kontinent einen Arbeitgeber finden, für den ich unersetzlich bin. Denn sonst bekomme ich keine Aufenthaltsgenehmigung.

Was gefällt Dir so gut an Australien?

Muhlig Die Menschen sind offen und freundlich. Es herrscht immer gutes Wetter und die Landschaft ist wunderschön. Und der Lebensstandard ist einfach höher.