LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die Fondation EME „Ecouter pour Mieux s’Entendre“ feiert ihr zehnjähriges Jubiläum mit einem Konzert und dem „Family Day“, einem Tag voller Musik am kommenden Samstag

In der Lobby der Philharmonie hängen Fotos, die ein wenig verwundern. Kinderhände sind darauf zu sehen, und Seniorenhände, die mit Instrumenten hantieren. Menschen mit Behinderung beim Tanz, Flüchtlinge, die lachen. Sie alle gehören zu jenen, die von der Fondation EME „Ecouter pour Mieux s´Entendre“ erreicht wurden. Ihr Ziel: Musik zu denen zu bringen, die selbst nicht zu ihr kommen können. In zehn Jahren hat EME rund 16.000 Menschen jedes Jahr erreicht. Wir blicken mit EME-Direktorin Dominique Hansen zurück auf die Anfänge, die großen Erfolge und voraus. Denn die Stiftung will ihr überaus erfolgreiches Konzept ausdehnen in die Großregion. Aber erst einmal wird gefeiert: Nach dem Jubiläumskonzert am Freitagabend lädt am Samstag ein breites Programm Familien mit Kindern, Musikbegeisterte jeden Alters und Neugierige ein in die Philharmonie.

Frau Hansen, wer ist eigentlich auf die Idee mit der Fondation EME „Ecouter pour Mieux s’Entendre“ gekommen?

Dominique Hansen Der ehemalige Intendant der Philharmonie, Matthias Naske, hat immer gesagt: „Die Philharmonie ist ein Haus für jeden.“ Leider gab es aber Hemmschwellen die machten dass verschiedenen Menschen aus diversen Gründen nicht zu uns kommen konnten, deshalb haben wir entschieden zu ihnen zu gehen. Dass wir damals viele Menschen nicht erreicht haben So ist die Fondation EME entstanden. Zuerst haben wir Konzerte in Altenheimen und Krankenhäusern mit den Musikern der Fondation EME gegeben. Das ist auch bis heute noch unser wichtigster Bereich. Später sind viele andere Zielgruppen und Mitmach-Projekte hinzugekommen.

Für wen musiziert die Fondation EME heute?

Hansen Wir organisieren rund 600 Events im Jahr. Das ist sehr viel. Die meisten sind immer noch Konzerte in Altenheimen und Krankenhäusern, die sich mittlerweile auch sehr regelmäßig bei uns melden und nachfragen. Daneben haben wir eine ganze Reihe anderer Veranstaltungen für unterschiedliche Zielgruppen. Das reicht von den „Stëmm vun der Strooss“ über Häftlinge in Schrassig, die hier auch aufgeführt haben, bis zu Jugendlichen aus der Psychiatrie, Flüchtlingen, Behinderten oder Besuchen in Kinderheimen. Einen besonders großen Erfolg hat unser Chor „Gospel & friends“, den Robert Bodja leitet. Englisch-Kurse wurden durchgeführt, damit die Senioren, die dort singen und oft kein Englisch in der Schule hatten, die Texte auch verstehen. Insgesamt erreichen wir rund 16.000 Menschen pro Jahr. Selbst wenn es nicht immer neue Adressaten sind, weil beispielsweise viele Behinderte und ihre Betreuer jedes Jahr zu uns kommen, so ist es doch eine ganze Menge.

Wer musiziert für die Stiftung?

Hansen Die Idee war von Anfang an, Profimusiker zu nehmen, damit es auch wirklich die Qualität wie hier im Haus hat. Neben vielen Musiklehrer macht etwa ein Drittel der Musiker aus dem OPL mit. Sie werden dabei nicht reich. Zwar gibt es eine Entschädigung für abendliche die Auftritte, aber wenn man dafür hoch in den Norden muss, ist das ehrlich gesagt nicht viel. Doch viele sind auch mit sehr viel Freude dabei. Am Samstag werden einige von ihnen erzählen, wie sie welche Musik für welche Auftritte auswählen und dann auch spielen.

Wie feiern Sie denn überhaupt?

Hansen Am Freitagabend gibt es ein Benefiz-Konzert. Kirill Gerstein spielt Gershwin und Dvorák. Am Samstag stellen Musiker, Tänzerinnen und andere Künstler von 14.00 bis 19.00 ihre Projekte vor. Da ist für jeden etwas dabei. Der Eintritt ist frei und es lohnt sich auf jeden Fall, zu kommen. Ein Clown ist für die Kinderateliers aktiv, Robert Bodja singt Gospel mit seinem Chor, die Ensembles, die in Krankenhäusern auftreten sind ebenso hier im Haus wie die Jugendpsychiatrie. Wir hoffen, dass auch Menschen kommen, die noch nie hier waren uns so unsere Arbeit entdecken

Sind Ihnen aus zehn Jahren noch besondere Vorfälle in Erinnerung?

Hansen Herausfordernd waren immer Mammutprojekte mit einer großen Logistik. Wenn wir Kinder aus Kinderheimen und Senioren aus Seniorenheimen in großer Zahl im Haus haben, dann tauchen Fragen auf wie: Wohin mit all den Rollatoren? Reicht das Catering? . Spannend sind auch Mischungen beispielsweise von Rotariern mit den Obdachlosen von „Stëmm vun der Strooss“ sowie Bewohnern von Altenheimen. Da prallen Welten aufeinander. Einmal hatten wir eine Aufführung von Insassinnen aus Schrassig hier im Haus, die in Handschellen hereingeführt wurden. Da standen zahlreiche Polizisten bereit. Aber es war ein wahnsinniges Erlebnis.

Gibt es ein Vorbild für Ihre Stiftung?

Hansen Wir haben vieles aus dem Bauch heraus gemacht und uns für das entschieden, was uns pädagogisch sinnvoll erscheint. Dazu gehören beispielsweise auch Konferenzzyklen zu Themen wie „Jugendpsychiatrie und Musik“, zu denen wir anerkannte Fachleute aus dem In- und Ausland einladen. Darüberhinaus vergeben wir Stipendien zu Weiterbildung, damit beispielsweise Menschen mit einer Behinderung ein Instrument ohne Solfège-Pflicht erlernen können und dann hinterher in der Fanfare ihres Dorfes mitmusizieren können. Wir wissen dass es im Ausland viele spezialisierte Initiativen gibt, in Deutschland vor allem im Behinderten-oder Seniorenbereich. Aber das ist etwas anderes. Nur in Porto soll es noch eine vergleichbare Initiative geben, die auch breit gesellschaftlich aufgestellt ist, einen Blindenchor fördert oder die Oper ins Gefängnis bringt. Der Bedarf ist auf jeden Fall da und wächst.

Welche Pläne hat die Fondation EME noch?

Hansen Wir haben rund 30 Interviews mit Empfängern unserer Leistung, Erziehern, Ärzten, Lehrern, Spendern und Musikern geführt und intern viel diskutiert. Dabei sind zwei Dinge klar geworden. Bei einem Zielpublikum sind wir sehr bekannt, aber nicht in allen Schichten der Gesellschaft, jedoch ist dies wichtig um neue Musiker und Empfänger anzuziehen. Auch erreichen wir dadurch neue Spender was sehr wichtig ist da alle Projekte privat finanziert sind. Die Kommunikation soll demnach verbessert werden. Und: Wir werden in die Großregion gehen. Schon jetzt unterstützen uns auch internationale Stiftungen. Wir haben Anfragen von höchster Stelle und besprechen momentan in Arbeitsgruppen bis zum Sommer, wie wir vorgehen wollen.

www.fondation_eme.lu - tinyurl.com/EME-Family