Solange es Menschen gibt, solange werden diese versuchen, der Realität zu entfliehen und sich in einen Rauschzustand zu versetzen. Geschieht das regelmäßig - zumal in Verbindung mit illegalen Drogen - wird man schnell als Süchtiger abgestempelt; passiert das nur hin und wieder und in Maßen, wird das hingegen gesellschaftlich akzeptiert - Stichwort Feierabendbier. Dabei kann aber auch die Suche nach dem legalen Rausch zuweilen skurrile Dimension annehmen. Besonders unter Jugendlichen, die auf der Suche nach dem schnellen - und möglichst billigen - Kick manchmal auf die unglaublichsten Ideen kommen. Darunter zum Beispiel die anale oder vaginale Einführung von Wodka-getränkten Tampons, mit denen der Alkohol über die Schleimhäute direkt in den Blutkreislauf gelingt. Sogar in Luxemburg wurde diese bizarre Modeerscheinung seinerzeit zur Kenntnis genommen, was die CSV-Abgeordneten Marie-Josée Frank zu einer damals viel kommentierten parlamentarischen Frage inspirierte. Danach verschwanden die Wodka-Tampons dann aber schnell wieder in der Versenkung,

Immer noch da, und bei Jugendlichen immer noch beliebt, sind indes die so genannten „Legal Highs“, die im Internet als Badesalze, Lufterfrischer, Kräutermischungen oder Pflanzennährstoffe deklariert sind und im Netz frei verkäuflich sind. Kommt die Justiz der Droge auf die Schliche, dann werden einfach einige Moleküle ausgetauscht, und die neue „Gewürzmischung“ kann wieder legal verkauft werden.

So wurde der synthetische Cannabisersatz „Spice“, der auch hierzulande zu einigen parlamentarischen Anfragen führte, inzwischen zwar in einer Mehrzahl von Ländern verboten, tauchte danach aber einfach - chemisch leicht verändert - unter neuem(n) Namen wieder auf.
Dabei sind diese neuen Drogen alles andere als harmlos und haben mit den getrockneten Bananenschalen, wie sie in den 70er Jahren noch von einigen Wagemutigen, denen das Geld für einen richtigen „roten Libanesen“ oder „schwarzen Afghanen“ fehlte, probiert wurden, wenig gemein. Laut gestern veröffentlichtem Jahresbericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle sind allein im letzten Jahr in der EU 73 bis dahin unbekannte, künstlich hergestellte Rauschmittel entdeckt worden, gegenüber 49 in 2011, 41 in 2010 und 24 in 2009. Der Fantasie sind scheinbar keine Grenzen gesetzt.

Es sind auch diese neuen Drogen, die den europäischen Experten am stärksten Sorgen bereiten, ist der typische Junkie, wie er jahrzehntelang die Bahnhofsviertel der großen und weniger großen Städte prägte, doch eher am Verschwinden, auch wenn es im Garer Viertel zuweilen immer noch so aussieht, als sei die offene Drogenszene des Bahnhof Zoos zu Zeiten einer Christiane F. einfach per Zeitmaschine nach Luxemburg verfrachtet worden. Und wie kann der Kampf gegen Drogen denn nun gewonnen werden? Gar nicht, jedenfalls nicht solange es Menschen gibt, und solange mit Drogen sehr viel Geld zu verdienen ist. Dass die Repressionspolitik gescheitert ist, das dürfte sich indessen herumgesprochen haben, derweil eine Legalisierung in der Theorie zwar gut klingt, aber nur dann etwas nutzen würde, wenn diese weltweit durchgezogen würde. Da dies aber nie geschehen wird, bleibt eine Lösung des Drogenproblems leider nur ein frommer Wunsch...