LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Mike Bourscheid gibt Einblick in sein Biennale-Projekt „Thank you so much for the flowers“

Obwohl Mike Bourscheid ursprünglich aus dem Bereich der Fotografie kommt, hat er sich in den vergangenen Jahren immer mehr der Performance-Kunst und der Kostümgestaltung zugewandt. Seine Kostüme sind zuweilen recht skurrile oder aber märchenhafte Gebilde, bei denen noch dazu die Grenzen zwischen maskulin und feminin klar verschwimmen, besonders dann, wenn er sie in eine Performance einbindet. Dann kommen nämlich Posen hinzu, die relativ bizarr und darüber hinaus alles andere als männlich sind. Mit Genderfragen beschäftigt sich der Künstler ohnehin gern, beziehungsweise lehnt Etiketten strikt ab. Sie schränken Menschen in ihrer Freiheit ein, meint er.

Mike Bourscheid wurde bekanntlich als luxemburgischer Vertreter für die 57. Auflage der „Biennale di Venezia“ zurückbehalten, die zwischen Mai und November stattfindet. Konkurriert hatte er mit 23 anderen Künstlern, die ihre Projekte zuvor bei der Jury eingereicht hatten. Nun stellte der Künstler der Presse sein Venedig-Projekt „Thank you so much for the flowers“ im „Casino Luxembourg - Forum d’art contemporain“ vor.

Sichtbarkeit und Anerkennung

Künstler aus der ganzen Welt zeigen seit 1895 ihre Werke in den Länderpavillons der Biennale von Venedig. Die Teilnahme ist natürlich auch für Luxemburg von Wichtigkeit, verschafft sie der luxemburgischen Kunst auf internationaler Ebene doch Sichtbarkeit und Anerkennung. Seit 1895 findet diese wichtige internationale Ausstellung für zeitgenössische Kunst im Zwei-Jahres-Rhythmus statt. Seit 1999 hat der Luxemburger Pavillon in der Lagunenstadt sein Zuhause in der Ca‘del Duca in der Corte del Duca Sforza. In diesem Jahr, genau wie 2019 übrigens, organisiert und koordiniert das „Casino Luxembourg“ die luxemburgische Teilnahme an der Biennale im Auftrag des Kulturministeriums. Bei den letzten beiden Auflagen 2015 und 2013 war das Mudam für den Pavillon zuständig.

Dass er ausgewählt wurde, habe ihn überrascht, gibt Bourscheid zu. „Wirklich cool“ finde er es, und natürlich sei es eine große Ehre, Luxemburg in Venedig zu vertreten. Doch hätte er sich auch die Frage gestellt: „Wie luxemburgisch bin ich überhaupt?“ Die ersten 19 Lebensjahre verbrachte er wohl in Luxemburg, studierte dann in Frankreich, danach in Berlin, um sein Atelier und Zuhause schließlich nach Vancouver in Kanada zu verlegen. „All diese Länder, Sprachen und Menschen, die ich getroffen habe, haben ihre Spuren in meinem Kunstschaffen hinterlassen. In Venedig vertrete ich nun Luxemburg, obwohl ich den größten Teil der Zeit nicht hier lebe, trotzdem ist mein Background luxemburgisch und mein Humor auch“, lacht er.

Bereits 2015 hat er eigenen Aussagen zufolge angefangen, sich Gedanken über ein mögliches Projekt zu machen. Damals hatte er die Biennale in Venedig und somit den Luxemburger Pavillon nämlich zum ersten Mal besucht. „Die Beschaffenheit des Pavillons an sich hat mich sofort begeistert. Es sind sehr eigenartige - im positiven Sinn - oder sagen wir interessante Räumlichkeiten. Man hat den Eindruck, es handele sich immer noch um ein Appartement, was sehr besonders für Venedig ist, weil man sonst eher an Größeres gewohnt ist. Der Pavillon hat etwas sehr Intimes, weil er eben immer noch die Form einer Wohnung hat, auch wenn alles weiß gestrichen ist. Mein Ziel war es von Anfang an, dieses persönliche, intime Gefühl zu erhalten und den Räumen etwas von ihrer Gemütlichkeit, ihrer Häuslichkeit und ihrem warmen Charakter zurückzugeben“, erklärt der Künstler. Manche Räume wird er mit Teppichen ausstatten, andere mit Vorhängen, Blumen, Holzplatten oder einer Tapete. Die richtige Deko sei wichtig. Auch über die Beleuchtung hat er sich Gedanken gemacht.

Prozesshaftes Arbeiten

„Wie immer ist die Entwicklung seines Projekts auch diesmal ein ganzer Prozess. Für jeden Raum hat er spezielle Charaktere in Form von handgemachten Kostümen und Skulpturen aus den unterschiedlichsten Materialien erschaffen, mit denen gleichzeitig geheimnisvolle Geschichten erzählt werden. Ich bin ein großer Fashion-Fan. Ich liebe es, was ein Kostüm mit einem machen kann. Da ich alles selbst mache, muss ich natürlich vieles zuerst einmal lernen. Wissen und Können wachsen mit der Zeit. Meine Herangehensweise ist heute eine ganz andere als am Anfang. Alle meine Kostüme oder Skulpturen sind etwas ganz Persönliches, weil ich den Entstehungsprozess nicht aus der Hand gebe“, sagt er.

Bourscheid selbst wird an einigen Tagen auch eine Performance in den fantastischen oder humorvoll gestalteten Kostümen zeigen, dies natürlich, wie gesagt, nicht am laufenden Band. „Wie kann ich ein Kostüm zur Schau stellen, um es wirklich interessant zu machen“, habe er sich deshalb gefragt. „Ich muss ihm eine Seele geben, damit es auch ohne Performance leben kann, damit es zu einer Art Skulptur wird. Nicht alle Kostüme brauchen eine Performance“, bemerkt er. Die Biennale von Venedig öffnet am 13. Mai für die Öffentlichkeit. Dann kann man sich selbst ein Bild vom Ergebnis machen.