LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Vom Kurz- zum Spielfilm: erweiterte Fassung von „Madre“ jetzt im Kino

Der spanische Regisseur Rodrigo Sorogoyen realisierte 2017 den Kurzfilm „Madre“, der 2019 für den Oscar des besten Live-Action-Kurzfilms nominiert war. Zwei Jahre später erzählt er eine erweiterte Fassung dieser Geschichte unter demselben Titel. Marta Nieto spielt heute wie bereits 2017 die Mutter Elena, die per Telefon erfährt, dass ihr Sohn allein an einem Strand ist. Sorogoyen gewann übrigens 2019 beim „Luxembourg City Film Festival“ den Kritikerpreis für seinen Film „Il reino“ (The Realm).

Der Albtraum einer Mutter

Elena ist geschieden und wohnt in einem Appartement in Madrid. Ihre Mutter (Blanca Apilánez) ist zu Besuch, als ihr Handy klingelt. Am anderen Ende meldet sich ihr sechsjähriger Sohn Iván (Stimme von Álvaro Balas) und erzählt, dass sein Vater Ramón (Raúl Prieto) vor einiger Zeit zurück in den Camper gegangen und noch nicht zurückgekommen ist. Elena erfährt, dass der Kleine sich an einem Strand in Frankreich befindet, und weit und breit kein Mensch oder Haus zu sehen sei. Plötzlich sieht Iván einen Mann, der auf ihn zukommt. Dann bricht die Verbindung ab. Elena dreht durch, schreit und kriegt keine ordentlichen Gedanken beisammen. Sie erlebt den schlimmsten Albtraum einer Mutter: Was ist mit meinem Kind passiert?

Wer nun glaubt, der Film würde das Rätsel von Iván und dem Unbekannten auflösen, der irrt. Erst eine späte Begegnung mit Ramón gibt etwas Aufschluss über das was passiert ist, aber eine eindeutige Fassung der Ereignisse bringt dieses Gespräch nicht.

Mütterliche Gefühle?

Der Film springt zehn Jahre weiter, ohne dass geklärt wird, was damals geschah. Weil Elena nun in einem Strandrestaurant in Frankreich am Atlantik arbeitet, unweit der spanischen Grenze, könnte man annehmen, dass sie noch immer ihren Sohn sucht, weil er damals verschwunden ist. Nein, auch diese Hoffnung erfüllt sich nicht, auch wenn die Blicke von Elena jeden Jugendlichen im Alter von etwa 16 Jahren streifen. Schließlich bleibt ihr Blick auf Jean (Jules Porier) haften. Auch dieser hat Elena bemerkt und besucht sie im Restaurant. Man merkt, dass er Gefallen an ihr findet, aber eher, weil er wissen will, wie es ist, eine Beziehung zu einer älteren Frau einzugehen.

Elena gibt dem Drängen des Jungen schließlich nach und besucht ein Fußballspiel, bei dem sie Jeans Eltern Lea (Anne Consigny) und Gregory (Frédéric Pierrot) kennenlernt. Der Teenager und die Frau treffen sich mehrmals, aber es fällt kein Wort über das Verschwinden ihres Sohnes und eine eventuelle Ähnlichkeit. Wenn Elena so ihre Mutterrolle weiterspielen kann, wäre dies eine Erklärung ihrer Zuneigung. Ihr Partner Joseba (Alex Brendemühl) fragt sie später kurz, ob sie in Jean ihren Sohn sieht, bekommt aber keine Antwort. Somit bleibt noch die Möglichkeit, dass es sich um eine aufkommende Liebe zwischen einer älteren Frau und einem Jugendlichen handelt. Doch auch eine solche Beziehung entwickelt sich nicht wirklich. Elena treibt sich schließlich mit anderen Teenies in einer Disco herum, säuft sich einen weg und benimmt sich am Ende der Tour genauso hysterisch wie am Anfang des Films.

Verworren und langatmig

Das Ganze ergibt ein verworrenes und langatmiges 128-minütiges Bild einer Frau, die etwas Schlimmes erlebt hat, und jetzt nicht mehr richtig weiß, was sie im Leben will. Diese Verwirrungen tragen beim Beobachter im Kinosessel nicht dazu bei, dass er von der Geschichte begeistert wird oder auch nur ansatzweise versteht, was der Regisseur damit bezwecken wollte.