LUXEMBURG
BODO BOST

Wie das 761. US-Panzerbataillon für die Befreiung Europas kämpfte

Bereits 1865 wurde in den USA die Sklaverei verboten, doch Rassentrennung herrschte noch lange weiter in vielen Bundesstaaten und in vielen Einrichtungen der USA. 1963 organisierte die vorwiegend in den Südstaaten verankerte Bürgerrechtsbewegung ihren Marsch nach Washington, Martin Luther King rief sein „I have a dream“. Doch für viele Farbige ging diese pazifistische Träumerei nicht weit genug. Am 15. Oktober 1966 wurde in Kalifornien die „Black Panther Party for Self Defense“ gegründet. Sie forderten u.a. gleiche Rechte für Farbige in allen Bereichen. Das Logo ihrer Bewegung die „Black Panthers“ hatten sie von einem farbigen US-Panzerbataillon, das im Zweiten Weltkrieg weite Teile Europas von der NS-Gewaltherrschaft mitbefreit hatte, darunter auch das KZ Mauthausen. Nach dem Krieg waren Veteranen dieses „Black Panther“-Bataillons daran beteiligt, die USA von der Rassentrennung zu befreien.

Während des 2. Weltkrieges herrschte im US-Militär strikte Rassentrennung. Afroamerikanische Truppen wurden in eigenen Einheiten nur hinter der Front, vorwiegend in Versorgungseinheiten, eingesetzt. Erst in der deutschen Ardennenoffensive, als die vordersten Kampfverbände der US-Armee in weiter Front einbrachen, konnten die afroamerikanischen Einheiten hinter der Front ihre Tapferkeit und Professionalität beweisen. Dies hatte Folgen für ihr Selbstbewusstsein, sie kämpften ab jetzt nicht mehr nur gegen einen äußeren Feind auf dem Kriegsschauplatz, sondern auch für sich und ihre Bürgerrechte in der Heimat.

„Ihr seid die ersten schwarzen Panzerfahrer in der US-Army“

Das 761.US-Panzerbataillon war die erste rein afroamerikanische Kampfeinheit der US-Streitkräfte, es wurde am 1. April 1942 in Camp Claiborne, Louisiana zusammengestellt, in Camp Hood Texas ausgebildet, und am 10. Oktober 1944 am Omaha Beach in Frankreich ins Kampfgebiet geschickt. Die später als „Black Panthers“ bezeichnete Truppe, wurde als 761.Panzerbataillon der 26. Infanteriedivision des XII. Korps der Dritten Armee von General George S. Patton Jr. zugeordnet. Das Logo des 761. Panzerbataillons stellte einen angreifenden schwarzen Panther dar.

Bereits während ihrer Ausbildung und auch später im Kampf in Europa waren die 676 freiwilligen afroamerikanischen Männer der Einheit, mehrmals rassistisch beleidigt und verspottet worden, sie durften überhaupt nur aufgrund eines Einsatzes der First Lady Eleanor Roosevelt, einer Menschenrechtsaktivistin, nach Übersee gehen. Eigentlich sollten Afroamerikaner gar nicht in kämpfenden Einheiten, sondern nur zur Versorgung von weißen kämpfenden Einheiten eingesetzt werden, man wollte vermeiden dass es schwarze Kriegshelden gibt, die schlecht in das stereotypische Bild der Rassentrennung gepasst hätten. In Europa angekommen, und trotz dieses beschämenden Starts, kämpften die Black Panthers dennoch heldenhaft - im wahrsten Sinne des Wortes. Seit dem 7. November 1944 diente das Bataillon 183 Tage lang ununterbrochen und ohne Kampfpause an der Spitze der Dritten Armee von General Patton. Dieser begrüßte sie an der Front mit folgenden Worten: „Ihr seid die ersten schwarzen Panzerfahrer in der amerikanischen Armee, ich hätte euch nicht geholt, wenn ihr nicht zu den Besten gehören würdet. Mir ist egal welche Hautfarbe ihr habt, solange ihr die Krauts erledigt“. Am 8. November hatte die Truppe südlich von Metz ersten Feindkontakt bei Morville, sie zwangen die zahlenmäßig überlegene deutsche 13. SS-Panzerdivision nach drei Tagen zum Rückzug, aber das Bataillon verlor 15 Panzer und 9 Soldaten. Einen Tag vor den Kampfhandlungen war der Bataillonskommandeur Colonel Paul L. Bates, ein Weißer, schwer verwundet worden. Über Saar-Union, das am 2. Dezember fiel, ging es weiter Richtung Saargemünd. Am 14. Dezember überquerten drei Kompanien des Bataillons die heutige deutsche Grenze im Saarland bei Reinheim. Die überraschend eingeleitete deutsche Ardennenoffensive, die letzte des 2. Weltkrieges unter General von Rundstedt, verhinderte vorerst ein weiteres Vordringen nach Deutschland.

Der „Schwarze Patton“,Afroamerikaner in der Ardennenschlacht

Die „Ardennenschlacht“ begann im Morgengrauen des 16. Dezember 1944. Sie traf die Amerikaner am schwächsten Sektor der alliierten Front, das Gebiet war von kampfunerfahrenen Einheiten besetzt. Die deutsche Offensive konnte die amerikanischen Kampflinien in breiter Front durchbrechen. In den ersten 17 Tagen wurden eine amerikanische Infanteriedivision zerschlagen und zwei weitere lahmgelegt. Nachdem die Amerikaner am 17. Dezember erkannten, dass ein Großangriff im Gange war, wurden mehr als 60.000 Mann und 11.000 Fahrzeuge in Marsch gesetzt, um die Erste Armee zu verstärken. Unter den in Marsch gesetzten Einheiten war auch das 761. Panzerbataillon.

Das Motto der 761. „Come Out Fighting“ veranschaulichte den Geist und die Haltung der Afroamerikaner im 2. Weltkrieg. Der Krieg war für sie eine Gelegenheit, zu zeigen, was schwarze Soldaten zu leisten in der Lage waren. Hauptmann John Long, Kommandeur der Kompanie B, des 761 Panzerbataillons, der von den weißen Infanteristen, die er unterstützte, „der Schwarze Patton“ genannt wurde, verkörperte mit seiner Einstellung diesen Geist: „Nicht für Gott und mein Vaterland, sondern für mich und mein Volk. Das war meine Motivation, als ich in die Armee eintrat“, sagte er später.

Das 761. Panzerbataillon wurde in den Raum Bastogne verlegt, wo große US-Verbände von der Wehrmacht umzingelt waren. Dem 761. Panzerbataillon gelang es ab dem 5. Januar 1945 in einer fünftätigen Panzerschlacht gegen die 15. SS-Panzerdivision bei Tillet den Ring um Bastogne zu sprengen und damit die Ardennenoffensive der Wehrmacht zum Stehen zu bringen. Beim weiteren Vormarsch nach Deutschland/Holland geriet das afroamerikanische Panzerbataillon am 24. Januar zwischen Steinbach und Ulflingen auch auf Luxemburger Territorium in ein Feuergefecht. Im März 1945 gelang dem 761. Panzerbataillon als erster US-Kampfeinheit bei Klingenmünster in der Pfalz ein Loch durch die deutsche Siegfriedlinie zu schlagen. Dies war das Loch, durch das Pattons Dritte Armee durch Deutschland bis nach Österreich strömte.

Das 761. Panzerbataillon schloss sich dem Vorstoß der Dritten Armee durch Deutschland, über Fulda, Coburg, Amberg, Regensburg nach Österreich an, trotz chronischer Treibstoffknappheit schafften sie es bis zur Enns in Nieder-Österreich. Am 5. Mai 1945 nahmen sie an der Befreiung des KZ Gunskirchen, einem Nebenlager des Konzentrationslagers Mauthausen, teil. Die Jüdin Sonia Weitz, die in Mauthausen befreit wurde, schrieb für ihren Befreier, einen „Schwarzen Panther“, ein Gedicht: „Der schwarze Messias“. Die aus Polen stammende Jüdin hatte mit ihm den ersten Farbigen in ihrem Leben gesehen. Am 7. Mai traf das 761.Panzerbatallion bei Steyr an der Enns in Niederösterreich auf die Ukrainische Front der Sowjetischen Armee, die unter dem Kommando von Marschall Ivan Konew stand. Das farbige Panzerbataillon war die am weitesten nach Osten vorgestoßene Einheit der US-Armee in Europa. Die Black Panthers eroberten, oder halfen bei der Befreiung von über 30 Städten sowie von vier Flugplätzen, drei Munitionsversorgungsstationen und einem Radiosender, sie eroberten 461 Radfahrzeuge, 34 Panzer, 113 Großkanonen und Tausende von Waffen. Sie selbst verloren dabei 71 Panzer und die Hälfte ihrer Männer. Zehn Panzer der 761. gehörten zur Ehrengarde, als sich die deutschen Streitkräfte am 8. Mai ergaben. Obwohl viele Soldaten der Einheit bereits während des Krieges hohe Auszeichnungen bekamen, dauerte es bis 1982, als das gesamte Bataillon unter Präsident Jimmy Carter, die Auszeichnung „Presidential Unit Citation for Extraordinary Heroism“ bekam. Auch der Staat Israel hat die Einheit besonders geehrt.

Unter den Offizieren des 761.Panzerbataillon war auch die Baseball-Legende Lt. Jackie Robinson. Während seiner Ausbildung in Fort Hood, Texas, weigerte er sich, im hinteren Teil eines Busses zu sitzen, wie es für Schwarze vorgeschrieben war. Er wurde wegen Gehorsamsverweigerung vor ein Militärgericht gestellt und deshalb nicht mit dem Rest seiner Einheit nach Europa verlegt. 1944 wurde er ehrenhaft aus der Armee entlassen, nachdem er vom Kriegsgericht in allen Anklagepunkten freigesprochen wurde.

Nachdem sie weite Teile Europas befreit hatten, folgte für viele heimkehrende farbige GI’s oft wieder ein Leben in Unfreiheit. Mit dem Sitzstreik der Afroamerikanerin Rosa Parks, wiederum in einem Bus, begann 1955 in Alabama die Bürgerrechtsbewegung für die Rechte der Afroamerikaner in den USA. Mit dabei wiederum in vorderster Front waren viele Veteranen aus dem 2. Weltkrieg. In der US-Armee hatte Präsident Truman am 26. Juli 1948 mit dem Executive Order Nr. 9981 die Rassentrennung abgeschafft. Noch bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko wurden zwei farbige Medaillengewinner aus der US-Olympiamannschaft ausgeschlossen, weil sie bei der Siegerehrung den „Black Panther“ Gruß, die geballte Faust, gezeigt hatten.
Quellen: Trezzvant W Anderson: „Come Out Fighting“:

The Epic of the 761st Tank Battalion, 1942-1945, Privately

Printed, Teisendorf/Salzburg, 1945 | Wilson, Joe W., Jr.

The 761st „Black Panther“ Tank Battalion in World War II:

An Illustrated History of the First African American Armored

Unit to See Combat. Jefferson, NC: McFarland & Company, 1999