CORDELIA CHATON

Es ist lange her, dass ich in einem Greyhound-Bus durch die Südstaaten der USA gefahren bin. Vom Bus aus sah man auf Pick-ups mit gekreuzten Gewehren im Fenster – Fahrzeuge der Rednecks, der meist ärmeren Weißen, die ihren Hass auf Schwarze kundtun wollen. An den Straßenecken standen Schwarze, manchen von ihnen fehlten die Finger. „Rassismus“, murmelte mein Sitznachbar.

Heute erzählt mir ein Mitglied meiner Familie, deren Freund Schwarzer ist, wie sie es vermeidet, in die US-Stadt zu gehen, in der sie lebt. In der der Hass aufflammt. In der Polizisten ungemein brutal gegen Journalisten vorgehen, die über Demonstrationen berichten.

Das Netz ist schwarz. Schwarz vor Schmerz und Wut und Trauer, vor Ohnmacht und dem Willen zu zeigen, dass es jetzt reicht. Auf Instagram liefen am Dienstag unter dem Hashtag #Blackouttuesday nur schwarze Bilder. Die Solidaritätsbekundung wurde auch von einigen Luxemburgern gepostet. Ein Sinn des Hashtags war es, #blacklivesmatter freizuhalten für Informationen. Denn seit dem Tod von George Floyd sind schon wieder einige Schwarze bei Polizeieinsätzen umgekommen.

Diejenigen, die ihre Stimme erheben, wollen klarmachen, dass es einen Notstand gibt, dass der Tod Floyds eben nicht ein isolierter Vorgang war. Sie ignorieren Ausgangssperren und machen weiter. Vielerorts beugen Polizisten, Sportler und Bürgermeister aus Solidarität ihr Knie zur Freude der Demonstranten.

Nur der, der ein Präsident für alle sein sollte, gibt den Spalter: Donald Trump will das Militär gegen das eigenen Volk ins Feld schicken. Da werden Erinnerungen wach an Berlin und Budapest. Ausgerechnet die USA, die sich immer als Verfechter der Freiheit gesehen haben, wollen auf Demonstranten schießen? Was für eine Schmach.

Die Krise zeigt die Führungsschwäche von Trump. Seine Strategie ist immer, Einigung dadurch zu erzielen, dass er gegen etwas ist. So lange die Gruppe außerhalb der USA lag, ging das noch einigermaßen: Die bösen Chinesen, die uns über den Tisch ziehen, die arroganten Europäer, die nicht nach unseren Regeln spielen wollen – das haben ihm noch Wähler abgekauft. Doch Amerikaner? Denn schwarz oder weiß: Sie sind Amerikaner. Da wollen viele Trump nicht mehr folgen. Er eint nicht, sondern teilt sein Volk. Das zeigt seine Führungsschwäche.

Spätestens mit der Coronaviruskrise wurde klar, dass Trump an eine kleine weiße Minderheit denkt. Das Virus traf die Schwarzen in den USA viel härter als die Weißen. Hilfe gab es nicht. In dieser aufgeheizten Stimmung war der Tod von Floyd der Funken, der das Fass zum Überlaufen brachte. Der Zorn auf Rassisten hat längst die Grenzen übertreten, auch in Frankreich gibt es Proteste.

In den USA aber ist der Protest das Geschwür einer Wunde, die immer wieder aufbricht, mit dem Mangel an Chancengleichheit, Alltagssticheleien, systematischen Benachteiligungen und der herausposaunten Weltsicht alter weißer Männer, für die Trump ein Stellvertreter ist. Wer Trumps Eigenlob und Gerede von den tollen USA und ihren unbegrenzten Möglichkeiten hört, der hat längst gemerkt, dass das nicht für alle gilt; vor allem nicht für Schwarze. Unter Trump sind nicht nur die Dienstage schwarz.