LUXEMBURG
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Ein Überblick über die Regierungsmitglieder

Nachdem am Montag bereits das Koalitionsabkommen unterzeichnet wurde, und die Parteigremien von DP, LSAP und „déi gréng“ besagtes Regierungsprogramm, zusammen mit der Ressortverteilung und den vorgeschlagenen Ministern am Dienstagabend guthießen - bei der DP und den Grünen einstimmig, bei der LSAP erst nach langwierigen Diskussionen und nach teilweise harscher Kritik der Basis - wurde gestern Nachmittag die neue Regierung vereidigt. Darunter vier neue Gesichter, nämlich Lex Delles (DP), Paulette Lenert und Taina Bofferding (beide LSAP) sowie Samantha Tanson (déi gréng). Bereits am Vormittag hatte der Großherzog die scheidenden Regierungsmitglieder Lydia Mutsch, Francine Closener, Fernand Etgen, Guy Arendt und Nicolas Schmit wie auch Kammerpräsident Mars Di Bartolomeo verabschiedet. 

Xavier Bettel - Premierminister, Kommunikation und Medien, Kultus, Digitalisierung, administrative Reform

45, aus Bonneweg. Der gelernte Anwalt hat bereits eine lange politische Karriere hinter sich: Schon mit 16 trat er der DP bei, später wurde er zusammen mit Claude Meisch zum Motor der „Jeunesse Démocrate et Libérale“. 1999 schaffte er erstmals den Sprung in die „Chamber“, im Jahr 2000 gelang ihm auch der Einzug in den hauptstädtischen Gemeinderat. Später wurde er dort Schöffe (2005-2009) und dann Bürgermeister bis zu seinem Regierungseintritt im Dezember 2013. Von Januar 2013 bis 2015 war Bettel DP-Parteipräsident.

Corinne Cahen - Familie und Integration, Großregion

45, aus Bonneweg. Die DP-Vorsitzende behält die Ministerressorts, die ihr 2013 anvertraut wurden. Corinne Cahen ist ausgebildete Sprachwissenschaftlerin und Journalistin (RTL Luxemburg und andere) und leitete ab 2001 ein bekanntes hauptstädtisches Schuhgeschäft. Zwischen 2008 und 2012 war sie Vorsitzende des hauptstädtischen Handelsverbands und später auch Mitglied der Handelskammer. 2013 hatte sie erstmals Parlamentswahlen bestritten und direkt den Sprung ins Parlament geschafft. Anschließend wurde sie in die Regierung berufen.

Lex Delles - Mittelstand, Tourismus

34, aus Mondorf. Der ausgebildete Lehrer (Haute Ecole Robert Schuman, Virton) schaffte es 2013 mit 29 Jahren ins Parlament. Im Januar 2014 beerbte er Maggy Nagel als „député-maire“ von Mondorf nach deren Eintritt in die Regierung. Als Nagel im Dezember 2015 ihr Ministeramt ruhen ließ, war Delles schon für einen Ministerposten im Gespräch, lehnte aber ab. Er sicherte sich bei den Gemeindewahlen 2018 die absolute Majorität in seiner Gemeinde, regiert aber dort weiter mit den Grünen. Als DP-Spitzenkandidat im Osten konnte er bei den Parlamentswahlen 2018 sein Resultat von 2013 fast verdoppeln.

Pierre Gramegna - Finanzen

60, aus Esch/Alzette. Der gelernte Rechtswissenschaftler aus Esch/Alzette war 2013 Generaldirektor der Handelskammer, als er von Premier Bettel als Finanzminister in die Regierung berufen worden. Pierre Gramegna hatte da bereits eine lange Karriere in der Diplomatie hinter sich mit Posten in Paris, San Francisco und Tokio. Als Handelskammerdirektor saß er außerdem in mehreren Verwaltungsräten von Unternehmen. In diesem Oktober bestritt er seinen ersten Wahlkampf überhaupt und wurde bei den Parlamentswahlen erster auf der DP-Südliste.

Marc Hansen - Öffentliche Funktion, Beziehungen zum Parlament, Digitalisierung (delegiert), Verwaltungsreform (delegiert)

47, aus Useldingen. Er war lange Radio- und Fernsehmoderator bei RTL und Gemeindepolitiker: Erster Schöffe in Useldingen (2005-2014). Zwischen 2011 und 2014 leitete er das „Journal“, bevor er in die „Chamber“ nachrückte. Nach dem Rücktritt von André Bauler aus der Regierung wurde er Staatssekretär für Bildung, Kinder und Jugend sowie für Hochschulwesen und Forschung. Nach dem Rücktritt Maggy Nagels dann Wohnungsbauminister und delegierter Hochschul- und Forschungsminister. Als Drittgewählter auf der DP-Nordliste bei den Wahlen 2018 gelang der Sprung ins Parlament nicht.

Claude Meisch - Bildung, Kinder und Jugend, Hochschule und Forschung

46, aus Differdingen. Er behält die Ressorts, die er in der letzten Legislatur bereits führte. Der 46-jährige ausgebildete Versicherungsmathematiker ist schon lange politisch aktiv. Bereits 1999 schaffte er den Sprung ins Parlament. 2004 wurde er nach dem Wahldebakel der damals mit der CSV regierenden DP Parteipräsident und blieb es bis 2013. Claude Meisch war auch lange kommunalpolitisch aktiv, ab 2000 zunächst als Schöffe, dann ab 2002 als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Differdingen. Bei den Parlamentswahlen 2018 belegte er den zweiten Platz auf der DP-Südliste.

Etienne Schneider - Vizepremier, Wirtschaft und Gesundheit

47, aus Luxemburg. Nach seinen Studien in Handels- und Finanzwissenschaften in Brüssel und London, war Schneider unter anderem als Fraktionssekretär der LSAP tätig, ehe er hoher Beamter im Wirtschaftsministerium wurde, wo er im Februar 2012 das Amt von Wirtschaftsminister Jeannot Krecké übernahm. Nach den Kammerwahlen von 2013 wurde er Vizepremier sowie Wirtschafts-, Armee- und Polizeiminister. Er gilt als Macher.

Jean Asselborn - Außenminister, Asyl und Immigration

69, aus Steinfort. Holte seine Sekundarstudien in Abendkursen nach, und arbeitete in seiner langen Karriere auch schon als Gemeindebeamter und als Verwaltungschef des Steinforter Spitals. Asselborn war auch lange Jahre Bürgermeister von Steinfort, wurde 1984 erstmals ins Parlament gewählt, war LSAP-Fraktionschef und LSAP-Parteipräsident, und sitzt seit dem 31. Juli 2004 ununterbrochen als Außenminister in der Regierung, von 2004 bis 2013 als Vizepremier.

Romain Schneider - Landwirtschaft und Soziales

56, aus Wiltz. Schneider besuchte das Gymnasium in Wiltz und arbeitete unter anderem als Vorsteher der ADEM-Zweigstelle in Wiltz, wo er ebenfalls langjähriger Bürgermeister war. Ins Parlament gewählt wurde er erstmals im Jahr 2004; von 2004 bis 2009 war er auch Generalsekretär seiner Partei. Sein erstes Ministeramt (unter anderem Land-wirtschaft und Sport) bekam Schneider im Jahr 2009; 2013 wurde er Sozial-, Kooperations- und Sportminister.

Dan Kersch - Beschäftigung, Sport, Solidarwirtschaft

57, aus Monnerich. Kersch erwarb das Abitur nach dem Besuch von Abendkursen und war Beamter bei der Gemeindeverwaltung Bettemburg. Auch war er Bürgermeister von Monnerich und Präsident des Gemeindesyndikats Syvicol. In die Regierung trat Kersch erstmals im Jahre 2013 ein, wo er das Amt des Innenministers sowie des Ministers für den öffentlichen Dienst und die Verwaltungsreform übernahm. Vor seinem Regierungseintritt galt er als Linkssozialist.

Taina Bofferding - Innenministerin und Chancengleichheit

36, aus Esch/Alzette. Ihre Studien führten Bofferding unter anderem nach Trier, wo sie einen Abschluss in Sozialwissenschaften errang. Gearbeitet hat die frühere Juso-Präsidentin unter anderem als Verantwortliche der Jugendabteilung des OGBL, in ihrer Heimatstadt war sie Gemeinderätin und seit diesem Jahr auch Vorsitzende der lokalen LSAP-Sektion. In die Abgeordnetenkammer rückte sie im Jahr 2013 nach. Bei den letzten Wahlen wurde sie nicht direkt gewählt.

Paulette Lenert - Kooperationshilfe und Konsumentenschutz

50, aus Remich. Ihre Studien absolvierte die Quereinsteigerin, die sich nicht dem Wähler stellte, unter anderem in Aix-en-Provence und in London, wo sie 1992 einen Master in europäischem Recht bekam. Politisch in Erscheinung getreten ist die neue Ministerin bislang nicht, die schon als 

Anwältin, als Richterin, und als hohe Beamtin tätig war - unter anderem als Generalkoordinatorin im Ministerium der Öffentlichen Funktion, und als Direktorin des „Institut national d’administration publique“ (INAP).

Félix Braz - Vizepremier und Justiz

52, aus Esch/Alzette. Er gehört zur Riege der ersten grünen Minister. Braz, der weiterhin das Justizressort leiten wird, wurde 2004 erstmals im Alter von 38 Jahren auf der Liste der Grünen im Bezirk Süden ins Parlament gewählt. Zuvor war der Grünen-Politiker von 1995 bis 2000 Gemeinderatsmitglied in Esch/Alzette und von 2000 bis 2011 Beigeordneter der Bürgermeisterin. In beruflicher Hinsicht hat Braz Erfahrungen bei RTL Radio Lëtzebuerg gesammelt, wo er 1990 eine portugiesischsprachige Nachrichtensendung moderierte und war unter anderem parlamentarischer Sekretär der Grünen von 1991 bis 2001.

François Bausch - Mobilität, Infrastrukturen, Armee und innere Sicherheit

62, aus Luxemburg/Stadt. Vor seiner politischen Laufbahn war François Bausch Beamter bei der nationalen Eisenbahngesellschaft CFL. 1986 beginnt sein Engagement für „déi gréng“, drei Jahre später seine langjährige Karriere in der „Chamber“ bis ins Jahr 2013. Von 1999 bis 2013 war Bausch ebenfalls Fraktionspräsident der Grünen, bevor er Ministerverantwortung übernahm. Von 1994 bis 2005 war Bausch zudem Gemeinderatsmitglied der Stadt Luxemburg und von 2005 bis 2013 erster Beigeordneter des Bürgermeisters.

Sam Tanson - Wohnungsbau und Kultur

41, aus Luxemburg/Stadt. Seit 2005 Mitglied bei „déi gréng“ rückte die Rechtsanwältin im April dieses Jahres für Claude Adam ins Parlament nach und wurde im Oktober als Zweitplatzierte hinter François Bausch im Zentrum direkt in die „Chamber“ gewählt. Von 2009 bis 2015 war sie Parteipräsidentin der Grünen und rund drei Jahre lang Mitglied im Staatsrat. Seit 2011 war Sam Tanson zudem auch Schöffin und Gemeinderätin in der Gemeinde Luxemburg.

Claude Turmes - Energie und Landesplanung

58, aus Diekirch. Fast 20 Jahre vertrat er die Grünen im Europäischen Parlament, bis Claude Turmes am 20. Juni für den verstorbenen Camille Gira als Staatssekretär für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur in die Regierung nachrückte. Turmes hat 1983 einen Abschluss in Sportunterricht gemacht und bis 1999 an verschiedenen luxemburgischen Sekundarschulen unterrichtet. Er war zudem viele Jahre lang innerhalb des „Mouvement Ecologique“ aktiv und ist Mitbegründer des „Klimabündnis Lëtzebuerg“.

Carole Dieschbourg -Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit

41, aus Echternach. Carole Dieschbourg studierte Geschichte und Germanistik an der Universität Trier, wo sie 2005 ihr Master-Diplom erwarb. Von 2011 bis zu ihrer Ernennung als Ministerin im Jahr 2013 war sie Gemeinderatsmitglied in Echternach. In beruflicher Hinsicht gehörte sie bis zur Ernennung als Ministerin der Geschäftsführung des Familienunternehmens Moulin J.P. Dieschbourg an.