LUXEMBURG
MARCO MENG

In den Industrieländern wird weniger geraucht - Schwellenländer gleichen das mehr als aus

In den letzten Jahren wurden die Restriktionen gegen die Tabakindustrie härter, seitdem sich kaum noch leugnen ließ, wie gesundheitsschädlich Tabakkonsum ist und welch immense Kosten damit verbunden sind. Geschadet hat es den Tabakkonzernen nicht: deren Umsätze steigen tendenziell, wenn auch nicht für alle gleichermaßen. Zudem werden die Umsätze heute nicht mehr in den einst klassischen Zigarettenmärkten - den wohlhabenden westlichen Industriestaaten - erzielt. Während der Konsum in den entwickelten Ländern Jahr für Jahr sinkt, nimmt der in Schwellenländern aufgrund des dortigen Bevölkerungswachstums wie auch des zunehmenden verfügbaren Einkommens in diesen Ländern zu mit dem Ergebnis, dass global gesehen der Tabakmarkt nicht kleiner, sondern größer wird.

Europas Umsätze sinken

Der Konsum sank so zwar in Westeuropa von 1990 bis 2009 um 26 Prozent, was Unternehmen, die sich nicht rechtzeitig die Klientel in anderen Regionen erschlossen haben, in ihren Bilanzen spüren; er stieg im gleichen Zeitraum aber allein im Mittleren Osten und in Afrika um 57 Prozent an.

Am meisten geraucht wird in China, gefolgt von Russland, den USA, Indonesien und Japan. Es verschieben sich also nur etwas die Gewichtungen: der Markt für Feinschnitt, also dem Tabak für selbstgedrehte Zigaretten, wächst, und geografisch liegen die Boommärkte nun vor allem in Osteuropa mit insbesondere Russland sowie China, Indonesien und Afrika. Das Volumen des gesamten Tabakmarktes wird auf weltweit 526 Milliarden Euro geschätzt.

In den Jahren 2000 bis 2010 konnte die Zigarettenproduktion somit um 12 Prozent anziehen, so dass die mehr als 500 Zigarettenfabriken weltweit heute rund sechs Billionen Zigaretten im Jahr herstellen. Die WHO schätzt dabei, dass ein konsequentes Unterbinden jeglicher Tabakwerbung (wozu auch das von der Tabakindustrie vielgeliebte Sponsoring gehört) den Tabakkonsum um insgesamt sieben Prozent senken könne.

Fünf teilen sich den Markt

Die fünf größten Tabakkonzerne der Welt stellen mehr als die Hälfte aller Zigaretten her, wobei in den letzten Jahren vor allem einer aus China aus dem Boden schoss als Folge davon, dass sich mit zunehmendem Wohlstand das Reich der Mitte wie gesagt inzwischen auch zum rauchkräftigsten Land gewandelt hat (man schätzt dort heute rund 400 Millionen Raucher, Tendenz steigend). Der mittlerweile größte Zigarettenhersteller ist infolgedessen der staatseigene chinesische Tabakkonzern China National Tobacco Corporation (Umsatz und Gewinn sind allerdings - wie bei chinesischen Staatsbetrieben üblich - Staatsgeheimnis, dürften indes bei 91, respektive 16 Milliarden Dollar liegen).

Chinas Nachfrage nach Tabak ist dabei genauso groß wie die der nachfolgenden neun Konsumländer. Das zahlt sich für die Konzerne in barer Münze aus: ihre Einnahmen durch Tabakprodukte (92% davon entfallen auf Zigaretten) liegen bei einer halben Billion Dollar jährlich. Es wird geschätzt, dass die Großen der Branche heute rund 346 Milliarden Dollar jährlich einnehmen, was einem Reingewinn von 35 Milliarden entsprechen dürfte.

Auch für die Vereinigten Staaten ist dieser Tabakkonsum bekanntlich ein gutes Geschäft und zwar nach wie vor, bringt es ihnen doch Steuereinnahmen von fast 133 Milliarden Dollar jährlich ein. Die Kosten, die durch vom Rauchen verursachte Krankheiten anfallen, dürften freilich um einiges darüber liegen. Daher kommt wohl auch das Umdenken der Politik, auch wenn ihr dennoch die Tabaksteuer lieb ist.


Die letzten Ergebnisse der Big Five

Für die fünf führenden Unternehmen heißt das: Imperial Tobacco mit seinen Marken Davidoff, Gauloises, West und JPS konnte letztes Jahr seine Einnahmen durch den Tabakverkauf um vier Prozent erhöhen auf netto acht Milliarden Euro. Vor allem Russland mit seinem Konsum von 350 Milliarden Zigaretten jährlich ist für den Konzern ein Devisenbringer. Der Nettogewinn belief sich letztes Jahr aber nur auf 678 Millionen Britische Pfund (793 Millionen Euro), gegenüber einem Gewinn von rund 1,8 Milliarden im Vorjahr.

Japan Tobacco International mit seinen Marken Winston und Camel verkaufte Zigaretten für netto 15 Milliarden Euro; vor allem im Inland macht die japanische Krise dem Konzern aber zu schaffen (2011 lag das Nettoergebnis noch bei 18 Milliarden Euro). Auch British American Tobacco (Dunhill, Kent, Lucky Strike und Pall Mall) mussten leicht Federn lassen (minus ein Prozent gegenüber 2011), allerdings nur, was die Einnahmen betraf. Der operative Gewinn konnte letztes Jahr um 15 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro gesteigert werden. Europas größter Tabakkonzern British American Tobacco hat 2012 zwar weniger Zigaretten verkauft, den Gewinn dank seiner lukrativen Kernmarken aber gesteigert. Insgesamt setzte das Unternehmen mit seinen Marken Dunhill, Kent, Lucky Strike und Pall Mall mit 694 Milliarden Zigaretten 1,6 Prozent weniger ab. Allein die Marke Lucky Strike legte hingegen um elf Prozent zu und fuhr einen Gewinn von 3,8 Milliarden britische Pfund (4,4 Milliarden Euro) ein. Philip Morris International mit seinen bekanntesten Marken Chesterfield und Marlboro hat ebenso in Europa sinkende Zahlen zu vermelden, was aber durch Asien und Afrika mehr als ausgeglichen wird: die letzten vier Jahre kann das Unternehmen Umsatz und Gewinnsteigung vermelden, 2012 beliefen sich die Nettoeinnahmen auf 24,3 Milliarden Euro.

Die großen Tabakfirmen haben gemein, dass man nicht allein mit Tabak oder Zigaretten Geld verdient, sondern auch mit Parfüms, Handtaschen oder Bekleidung. Hier produziert man allerdings nicht selbst, sondern vergibt lediglich Aufträge für Design und Produktion. Der Anteil dieses Non-Tobacco-Segments dürfte sich ausweiten, vor allem will man Verlorenes in den Industrieländern wieder zurückgewinnen.