LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Zweiter Prozesstag im „Mordfall Schléiwenhaff“

Im „Mordfall Schléiwenhaff“ müssen sich zwei Männer verantworten. Die beiden Angeklagten Lee Alphonse K. (36) und Alden S. (24) sollen im November 2016 einen 36-jährigen Mann aus Nigeria und eine 27-jährige Frau aus Rumänien erschossen haben. Die Leiche des Nigerianers wurde im Waldstück „Schléiwenhaff“ gefunden. Die Leiche der Rumänin in Strassen. Die beiden Verdächtigen wurden festgenommen. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Mord, Mord aus Habgier und Raub mit Todesfolge. Um die Verbrechen zu vertuschen, haben sie die Leichen im Wald versteckt. Am ersten Verhandlungstag hatten beide Männer bestritten, die Frau getötet zu haben.

Schmauchspuren sichergestellt

Im Mordprozess hat gestern ein Ballistik-Experte vor der Kriminalkammer Luxemburg ausgesagt. Der Experte untersuchte die Schmauchspuren an Kleidern der beiden Erschossenen. Da wenige Schmauchspuren an der Mütze des erschossenen Nigerianers sichergestellt werden konnten, stellte Dr. Charles die Hypothese auf, dass ein Schalldämpfer beim Schuss benutzt wurde. An einem Pullover der getöteten Rumänin wurden hingegen viele Schmauchspuren festgestellt.

Der Psychologe Robert Schiltz und der Psychiater Dr. Paul Rauchs hatten den Beschuldigten S. untersucht. Der hatte ihnen mitgeteilt, dass K. ihn in eine Sache reingezogen hätte, mit der er nie etwas zu tun gehabt habe. S. würde K. für verrückt halten, sei aber von ihm verblendet gewesen, weil er so viele Waffen besitze. Den Wert der Waffensammlung schätzt Dr. Rauchs auf 50.000 Euro. Laut Dr. Rauchs sei S. fasziniert von schönen Mädchen, Kampfsportarten, schönen Autos und Geld. Was nicht pathologisch sei, sagte der Psychiater. Laut Experten leide der Mann weder unter einer Psychose noch unter einer sonstigen Geisteskrankheit. Er sei bei dem ersten Mord dabei gewesen, deshalb sei er traumatisiert und hätte oft Schlafstörungen gehabt. Der Psychiater gab zu Protokoll, dass S. auch Angst vor K. habe. Das rief Staatsanwalt David Lentz auf den Plan mit der Frage: „Warum kontaktierte S. den Angeklagten K. nach dem Mord, wenn er Angst vor ihm hatte?“ S. hatte in seiner polizeilichen Vernehmung zu Protokoll gegeben, dass er nicht geschossen hat, weil er der Fahrer gewesen sei.

Dem zweiten Angeklagten bescheinigten die Experten Unkontrolliertheit, Impulsivität und Minderwertigkeitskomplexe. K. sei drogenabhängig und nehme Steroide. Er liebe Waffen. Dem Psychologen erklärte K., er hätte bisher nur auf Bäume geschossen. Durch den hohen Drogenkonsum (Kokain) sei er unkontrollierbar und würde schnell ausrasten. Dem Psychiater hatte K. gesagt, er hätte nichts mit der Sache zu tun, er sei unschuldig. Bei K. diagnostiziert Dr. Rausch eine mentale Abweichung. K. sei kein Misanthrop und sei lieb zu Tieren. Zu den zwei Persönlichkeiten des Beschuldigten K. wollte der Psychiater sich nicht äußern.

Ein Ermittler sagte aus, dass er und seine Kollegen gegen 5.00 oder 6.00 an den Tatort der toten Rumänin gerufen wurden. Die Frau hätte auf dem Bauch gelegen mit der Kapuze über dem Kopf. Alle sichergestellten Indizien seien eingetütet, eingeschweißt, beschriftet und zur weiteren Untersuchung ins Labor gebracht worden.