LUXEMBURG
COLETTE MART

Heute wird in Belval die „Nuit de la Culture“ zelebriert, und der geschichtsträchtige Ort der Escher Stahlindustrie ist selbst Thema des kulturellen Events, das in diesen Zeiten einen symbolischen Charakter hat. Vorwiegend im Freien und mit Maske sollen die Besucher in die Vergangenheit des historischen Industriestandortes eingeführt werden.
Die Einladung zur Kulturnacht hört sich wie eine Erinnerung aus alten Zeiten an, in denen man die aktuellen Begebenheiten überhaupt nicht hätte erahnen können. Die vergangenen sechs Monate waren für die Luxemburger Kultur eine schwierige Zeit. Theatervorstellungen, Konzerte und Ausstellungen wurden abgesagt, freischaffende Künstler verloren ihr Einkommen, Prekarisierung stand in der Künstlerszene an, und die Regierung bemühte sich, Unterstützungsmaßnahmen in die Wege zu leiten.
Man begegnete sich nicht mehr, man konnte nicht einmal mehr in einem Park oder auf einem Platz sitzen, um ein Konzert zu hören, Theaterräume waren tabu. Wer jetzt wieder zu den ersten Kinogängern gehörte, konnte einen Einblick in die bedeckte Stimmung ziemlich leerer Säle gewinnen, so dass die gesellige Seite der Kultur noch immer auf sich warten lässt. Demnach lohnt sich ein Gedanke, was denn zu unserer Beziehung zur Kultur während der Corona-Krise wurde? Tatsächlich fanden im besten Falle so manche von uns zurück zum Buch; frühere Lieblingsautoren wiederlesen, Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt entdecken, junge Autoren kennenlernen, oder aber im eigenen Handy den Zugang zu zahlreichen Musikrichtungen, alten Schlagern aus der eigenen Jugend, klassischen Musikstücken finden, waren jene Optionen, die uns übrigblieben.
Ein solcher Rückzug auf uns selbst, auf das, was vielleicht in verschiedenen Lebensabschnitten eine wichtige Lektüre oder Musik gewesen ist, ein Rückblick auf einen Autor, der die richtigen Worte für unsere Gefühle gefunden hatte, oder aber einen Komponisten, der uns einst berührt hatte und uns jetzt an vergangene Jahrzehnte erinnert, öffneten Innerhalb des „Lockdowns“ ganz andere kulturelle Dimensionen. In der Tat liegt der Sinn der Kultur in erster Linie in der eigenen Selbstfindung, im Verständnis dessen, wer wir selber sind, und wie wir selber denken. Außerdem fördert sie die Kommunikation und die Empathie zu anderen Menschen, und zwar durch ihren tieferen Sinn und ihre Aussagen.
Demnach muss Kultur nicht zu allen Momenten auch gesellig sein, sie kann durchaus im Rückzug stattfinden. Die Kulturpause war also für uns nicht in jedem Fall ein Verlust, ein Schritt zurück. Allerdings offenbarte sie sich als soziales Problem, als finanzielle Untergrabung eines ganzen Sektors, und darüber hinaus als eine Herausforderung für Menschen, die vielleicht einsamer und isolierter sind, und sich darüber freuen, anlässlich kultureller Ereignisse andere zu treffen. Demnach ist es wichtig, dem Wiederanfang der neuen Kultursaison eine Chance zu geben, letztere zu unterstützen, auch mit Maske, weil wir alle mithelfen müssen, unser altes Leben mit kleinen Schritten wiederzufinden.