COLETTE MART

Nachdem in den letzten Jahren die Kirche weltweit Schlagzeilen wegen Missbrauchs an Kindern in zahlreichen Ländern machte, muss sich jetzt die UNO damit auseinandersetzen, dass Blauhelmsoldaten, die als Schutztruppen in Kriegsgebieten fungieren, sich sexueller Übergriffe und Vergewaltigungen an oft minderjährigen Mädchen schuldig gemacht haben.

Nachforschungen erweisen sich als schwierig, weil es besonders in armen und krisengeschüttelten Ländern keine Instanz gibt, an die sich missbrauchte Mädchen wenden können. Des Weiteren ist sexuelle Gewalt gegen Frauen oft fester Bestandteil der Kriegsführung, und sie gründet allgemein auf einer untergeordneten Position der Frauen in der Gesellschaft. So wird berichtet, dass in Kriegsgebieten UN-Soldaten für sexuelle Dienstleistungen mit Lebensmitteln und Geld zahlen. Dadurch werden nicht nur Frauen ausgebeutet, sondern auch deren Männer erniedrigt und soziale und familiäre Gefüge zerrüttet. Das Brechen des Schweigens um den von UNO-Soldaten praktizierten sexuellen Missbrauch lenkt dann auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit allgemein auf die prekäre Situation von Frauen und minderjährigen Mädchen in Kriegsgebieten. Obwohl Frauen verstärkt auch als Kämpferinnen in Militäreinsätzen oder Guerillagruppen vorkommen, verbessert sich der Status der Frauen in der Gesellschaft dadurch nicht. Kämpferinnen werden oft mit Gewalt auf ihre Rolle vorbereitet, und sind auch regelmäßig an Gewaltakten gegen Frauen beteiligt. Sie sind die Geliebten von Kämpfern, während andere Frauen versklavt werden und den Soldaten sexuell zur Verfügung stehen. Wenn in einem solchen Kontext dann auch noch UNO-Soldaten zusätzlich Mädchen aus der lokalen Bevölkerung missbrauchen, wird der Respekt von Frauen völlig untergraben, was sich nachhaltig auf die Nachkriegsgesellschaften auswirkt. In diesem Kontext bewies eine Studie der Universität Kansas, dass strenge Gesetze gegen Vergewaltigung oft einen befriedenden Einfluss haben. In der Tat stellte sich heraus, dass in jenen Gesellschaften, in denen der Respekt zwischen den Geschlechtern und die Emanzipation der Frau besser garantiert sind, die Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen weniger groß ist, weil die allgemeine Zufriedenheit und die Rechte der Menschen besser gesichert sind und dadurch eine Kultur des Respektes gefördert wird. Die meisten kriegerischen Konflikte gab es in jenen Ländern, in denen es lasche Gesetze gegen Gewalt an Frauen gibt.

Darüber hinaus wurde ebenfalls herausgefunden, dass nur vier Prozent Frauen an Friedensverhandlungen teilnehmen, so dass die Probleme um den Status der Frauen auch im Wiederaufbau einer Gesellschaft vergessen werden können. Traurigerweise ist die Beteiligung einiger Frauen an Verhandlungen keine Garantie dafür, dass diese sich für die Rechte der Frauen einsetzen. So wurde in Kriegsregionen Westafrikas registriert, dass Politikerinnen oder Ehefrauen von Politikern durch Spenden Beschneiderinnen unterstützen, damit die alte Gesellschaftsordnung und die traditionelle Unterdrückung und Verstümmelung von Frauen weitergeführt werden kann. Um sexuelle Gewalt gegen Frauen zu vermeiden, besteht weiterhin akuter Handlungsbedarf.