Vor etwas weniger als 2.000 Jahren gehörte es zum Ritual des römischen Senats, dass ein gewisser Herr Cicero einem gewissen Herrn Catilina, regelmäßig zu dessen Auftritt, die in der Überlieferung verewigte Formel vorhielt: „Quousque tandem, Catilina, abutere patientia nostra?“ (Wie lange noch, Catilina, willst/wirst du unsere Geduld missbrauchen?) Besagter Herr Catilina wurde seinerzeit des Hochverrats/Umsturzgedankens verdächtigt und kam, nach einer nicht unbeträchtlichen Zeitspanne, auf nicht ganz natürliche Weise ums Leben. Roma locuta, causa finita. (Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt.)

Waren das noch Zeiten, als das allgemeine Interesse der Republik vor allem anderen stand! Das könnte man auch heute noch gut gebrauchen in einer europäischen Gemeinschaft, die sich mit Riesenschritten von ihren Bürgern entfernt und eine Politik betreibt, die nur noch als zunehmende Aneinanderreihung von Tricks, immer weniger als Ausdruck des gesunden Menschenverstandes, wahrgenommen wird.

Die Art und Weise, wie sich die EU (nicht erst) seit Ende Januar dieses Jahres von einer Zockerbande aus Athen vorführen lässt, hat die Grenzen des Erträglichen längst überschritten.

Vermeintliche Politprofis, die vor 15 Jahren auf Gedeih und Verderb den Euro-Beitritt einer auch damals schon wirtschaftlich völlig überforderten hellenischen Republik befürworteten und herbeiredeten, müssten sich, mit ein bisschen Anstand, Irrtum und Versagen gleichzeitig eingestehen. Tun sie das? Der Trümmerhaufen, vor den sie in gut 15 Jahren die als Hoffnungsprojekt des 21. Jahrhunderts titulierte Währungsunion gefahren haben, spricht nicht unbedingt für die währungs- und finanzpolitische Kompetenz und Lenkfähigkeit von Leuten, die uns nach wie vor weismachen wollen, man sei weiter auf dem richtigen Weg und habe alles unter Kontrolle.

Kann einer von diesen Herrschaften uns klar und deutlich sagen, wo wir mit der Währungsunion, mit dem von Beginn an auf Stabilität und Verlässlichkeit getrimmten Euro in sechs, zwölf, 24 Monaten stehen werden? Jede Kristallkugel ist eloquenter.

Stattdessen wird weiter, ohne Rücksicht auf Milliarden Steuergelder, die auch auf kleinen Einkommen in den 18 übrigen Euro-Staaten erhoben werden - von denen im übrigen wenigsten fünf ein niedrigeres Pro-Kopf-BIP haben als Griechenland - , „verhandelt“, um Zugeständnisse und Härte gefeilscht, damit nur ja niemand von den besagten Herrschaften, Athener Zocker inbegriffen, sein Gesicht verlieren muss.

Wieviel sind diese Gesichter eigentlich wert, die sogar bereit sind zu „lügen, wenn es ernst wird“? Hier wird, auf Teufel komm raus, blinde Kuh gespielt mit dem Verständnis der Bürger, mit dem elementaren Solidaritätsgedanken, der in einem solchen Umfeld nur noch vor die Hunde gehen kann.

Politik ist kein Spiel, werte Damen und Herren!