Copyright-Reform, Geoblocking, Datenvorratsspeicherung, Big Data - die digitale Welt wartet mit genug Themen auf, um einen für eine lange Zeit zu beschäftigen. Doch als ich letztens an einem Rundtischgespräch teilnahm, war die Meinung der meisten Teilnehmer, dass all das Sie, liebe Leser, nicht interessiert. Wer einen Blick in die Zeitungen wirft, stellt auch fest, dass es dort kaum jemanden interessiert. Aber in der Politik, da müsste es doch besser stehen, oder? Die wissen ja, wie wichtig das Digitale ist, die müssen doch irgendwie vorbereitet sein auf diese Themen?

Pustekuchen. Wer sich um digitale Themen außerhalb der Wirtschaft kümmert, betreibt scheinbar Nischen-Politik. Die Wahlprogramme der Parteien haben in der Vergangenheit oft genug bewiesen, dass dies allenfalls eine Nebensache darstellt. Da vollbringt manch einer auch 180-Grad-Drehungen, wie etwa „déi gréng“, die einst gegen die Datenvorratsspeicherung kämpften und sie mittlerweile selbst umsetzten. Denn was kümmert mich das dumme Geschwätz von gestern?

Und wer setzt sich eigentlich noch für die digitalen Rechte ein? Gut, die Piratepartei, doch die hat es nicht ins Parlament geschafft. Die Linken versuchen sich auch daran, wenn auch nicht mit dem nötigen Eifer. Alles was bleibt sind dann noch einige Kämpfer beim „Chaos Computer Club“, „Freedom not Fear“ und „Frënn vun der Ënn“ (Kein Gärtnerverein!), die zahlenmäßig leider nicht auftrumpfen können. Wer das mit einer relativ konservativen und unterbesetzten Datenschutzkommission kombiniert, der kann schon schwarz sehen.

„Was geht mich das an“ und „Ich habe nichts zu verstecken“ sind die beiden Antworten, die ich am häufigsten geliefert bekomme, wenn ich jemanden auf diese Themen anspreche und sie sind Symptom für die schiere Unkenntnis von zig Menschen. Leider zeugt es ebenfalls davon, dass wir bei den „traditionellen Medien“ (ein entsetzlicher Begriff!) hier grundsätzlich gescheitert sind. Wir sind daran gescheitert, den Menschen mitzuteilen, dass, wenn ihre Daten in Gefahr sind, sie selbst in Gefahr sind. Und wir sind daran gescheitert, ihnen beizubringen, dass jeder etwas zu verstecken hat. Wer tatsächlich nichts zu verstecken hat, der soll mir bitte übers Wochenende seine Nacktbilder, Sexfilmchen und Lieblingsstellungen zumailen. Ich behalt’s auch für mich. Garantiert.

Seitens der Politik reicht es nicht, lauthals Digital Luxembourg zu rufen und Bee Secure alle paar Monate in die Schulen zu schicken, wo Schüler sitzen, denen es schnuppe ist, was sie auf Facebook und Co. setzen. Es reicht auch nicht, gebetsmühlenartig der Presse bei jeder einzelnen Konferenz jahrelang in Folge zu erzählen, wie toll die lokale Netz-Infrastruktur doch ist und wie viel Geld man doch mit Big Data machen kann, ohne eine verständliche Definition des Begriffes zu liefern. Es muss einfach besser informiert werden, und vor allem muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Netzpolitik nichts anderes als Gesellschaftspolitik ist. Das Digitale ist Bestandteil des alltäglichen Lebens, nicht nur, weil wir mit Smartphones herum hantieren, sondern weil wir mit Daten interagieren und Daten sind.