LUXEMBURG
DANIEL OLY

Ein Jahr Radarfalle: Dauerbrenner und neue Stationen

Seit dem 16. März 2016 sorgen die ersten fest installierten Radarsäulen zur Geschwindigkeitskontrolle für Furore, zehn weitere folgten am 9. Mai. Pro Tag knipsten sie im vergangenen Jahr knapp über 845 Mal - eine beachtliche Summe komme da zusammen. Über 160.000 Überschreitungen in weniger als einem Jahr stehen dann unterm Strich.

Die Radarsäulen zeigen aber auch Erfolge, denn durch ihr Blitzen in beiden Fahrtrichtungen - 50 Meter vor und 50 Meter nach der Radarsäule - und der Warnung weit im Voraus wird ein radikales Abbremsen kurz davor verhindert und der Straßenverkehr kann flüssiger in die Geschwindigkeitsbeschränkung übergehen.

Vielleicht überraschend ist, dass die einzige Anlage die den Verkehr nur in einer Richtung kontrolliert, die höchste Trefferquote hat: „Die Säule in Merl bleibt weiterhin Dauerbrenner“, erklärt Danielle Frank vom Nachhaltigkeitsministerium. „Hier fällt der Großteil der täglichen Geschwindigkeitsüberschreitungen an“.

Was die Zukunft bringt

Die Radarfallen und ihre Erfolgsquote scheinen denn auch Anlass für einen Ausbau des Netzes zu sein. Die Netzerweiterung ist weiterhin ein festes Vorhaben des Ministeriums. Diese soll vier Brennpunkte beruhigen, in denen es in der Vergangenheit oft zu Unfällen kam.

Die vier neuen Standorte sind der Kreisverkehr Raemerich bei Belval, die Landstraße CR118 zwischen Angelsberg und Mersch, die N8 zwischen Saeul und Brouch sowie die Liason Micheville. Das erweitere das Kontingent an festen Radarfallen auf insgesamt 24 Stationen.

Zusätzlich denke man intern darüber nach, auch Abschnittskontrollen einzuführen, wie Danielle Frank betonte. „Das steckt aber noch in einer sehr frühen Phase“, meint sie. Bei der Abschnittskontrolle wird die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen zwei Fixpunkten zum Beispiel per Infrarotkamera ermittelt. Zum Vergleich: In Abschnitten Österreichs, wo derartige Systeme zum Einsatz kommen, konnte die Unfallrate um knapp 60 Prozent gesenkt werden, wie der Kamerabetreiber ASFINAG berichtete.

Profitable Anlagen?

Bleibt die Frage, inwiefern diese Radarstationen auch profitabel sind. Schließlich werfe eine solche Menge an Geschwindigkeitsüberschreitungen auch ein stattliches Sümmchen ab. Das meint jedenfalls die Abgeordnete Josée Lorsché (déi Greng), die sich quasi zur Feier des „Geburtstages“ der Blitzer in einer parlamentarischen Frage über die festinstallierten Radare an Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch wandte und über die finanziellen Auswirkungen informiert werden wollte. Die seit März 2016 stattfindende Blitzerei habe nämlich insgesamt fast 12,5 Millionen eingebracht haben.

Leider nicht!

Verkehrs- und Infrastrukturminister Bausch antwortete, die Einsetzung der Radarfallen habe knapp 11,5 Millionen Euro gekostet - darin seien auch die Baukosten eingerechnet. Hinzu kommen die Kosten des zentralen nationalen Dienstes in Bartringen. Die Unterhaltskosten sollen sich laut François Bausch bis Ende 2016 auf knapp 250.000 Euro belaufen haben - darin seien auch die Kosten für Wartung und Strom eingeflossen.

Zusätzliche Kosten sollen sich auf 1,5 Millionen belaufen, etwa für Briefe und Zustellungen und die Gehälter für knapp 30 Mitarbeiter. Demnach sei es ein Verlustgeschäft, da die Ausgaben die Einnahmen übersteigen - von einer gewinnbringenden, selbsterhaltenden Maßnahme könne also noch nicht gesprochen werden.

Immaterieller Nutzen

François Bausch merkte jedoch auch an, dass ein reiner Vergleich den Nutzen leicht verfälscht, da sich ein Menschenleben und die Sicherheit in den Straßen in ihrer Komplexität nicht in Geld aufwiegen lässt.