CLAUDE KARGER

Der „Wort“-Leitartikler hat eine eigenartige Auffassung von Politik, scheint er doch zu meinen, dass es dabei nicht darum geht, positive Veränderungen herbei zu führen, sondern vielmehr Blumentöpfe zu gewinnen. So habe sich die DP, deren Handschrift er in der Regierungspolitik nicht zu erkennen vorgibt, schon 2013 bei der Zuteilung der Ministerien „vergriffen“, denn „weder im Bildungs- noch im Wohnungsbauministerium ist ein Blumentopf zu gewinnen“.

Offensichtlich war es ja in der „Senior-Junior“-Koalitionspartnerzeit, an dessen schlechtes Arbeitsklima sich Arbeitsminister Nico Schmit im „Wort“ schmerzlich erinnert, üblich, die Ressortverteilung ausschließlich mit Blick auf den nächsten Wahltermin zu machen? Kein Wunder, dass da nur politische Trippelschritte möglich waren, während die Realität nur so vorbeisauste und sich der CSV-Präsident in seinem gefühlt tausendsten Angriff auf die anscheinend mangelnde Kohärenz in der Regierungspolitik im „Land“ etwa wieder über das Manko von erschwinglichem Wohnraum aufregen muss und seine Ungeduld über die schleppende administrative Vereinfachung in Worte fasst. Ganz so, als ob die CSV nicht jahrzehntelang in diesen Bereichen das Heft in der Hand hatte... „Es ist einfacher in dieser Koalition, Dinge zu bewegen“, sagte Nico Schmit dem „Wort“, und die Politik des Dreierbündnisses sei „sozial und liberal, im besten Sinn der Wörter“.

Auf jeden Fall: „@dp_lu mecht Politik fir Letzebuerg, keng Blummendeppentombola“, wie die Chefin der Liberalen dem „Wort“-Editorialisten gestern ins Stammbuch zwitscherte, derweil die Deputierten Hahn und Lamberty in ihrer Hilfsbereitschaft dem Schreiber einige
von der DP durchgesetzte Reformen aufzählten: Elternurlaub, Klimabank, Mehrsprachige Frühförderung, Steuern, bald RMG... Und gewählt wird erst in anderthalb Jahren.