Die folgenden Seiten beschäftigen sich mit dem größten europäischen Kriegsverbrechen nach 1945. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Erinnerungstücke der Herren Mladic und Karadzic den Weg auf den Markt der blutigen Devotionalien finden. Was mag eine Mütze des Kommandanten von Srebrenica irgendwann bringen? Der Wert steigt, wenn Blut am Objekt hängt. Zitat eines US-Händlers: „Diktatoren gehen immer“.
Auf dem Markt der Militaria stehen Objekte der Top-Verbrechern an der Spitze. Am besten verkauft sich die Nazis. Jüngstes Beispiel ist das Telegramm, das Göring nur Tage vor dem Untergang an seinen geliebten Führer schickte. Darin verwies der Reichsmarschall auf Hitlers Lage und bot seine Machtübernahme an. Hitler tobte und ließ Göring absetzen und degradieren - was ohne Folgen blieb. Der eine erschoss sich, der andere ging mit einem Dutzend Koffern in amerikanische Gefangenschaft. Man muss diese Geschichte kennen, um auch nur ansatzweise zu begreifen, warum ein amerikanischer Sammler 55.000 Euro für das Telegramm zahlte.
Die Aura von Adolf H. verstrahlt auch heute noch die Gehirne. Damit sind keineswegs die Glatzen in Springerstiefeln gemeint, die Asylbewerberheime anzünden - die haben gar kein Gehirn. Es ist Adolfs alter Plunder der Menschen in seinen Bann zieht, östlich des Bugs gilt gleiches wohl für Väterchen Stalins Kram.
Wer alt genug ist, erinnert sich an den Skandal um die angeblichen Hitlertagebücher. Der zuständige Redakteur beim Stern war so von Nazi-Devotionalien besessen, dass er seinen Verlag dazu überredete, für viele Millionen die falschen Tagebücher aus der Feder des genial-frechen Konrad Kujau zu kaufen. Kujau hatte schon seit Jahren prächtig vom Verkauf selbst hergestellter Nazi-Dokumente an alte Kameraden gelebt.
Immer wieder tauchen angebliche Aquarelle von Adolf H. auf. Sie sind nicht ganz talentfrei, würden es aber nur in eine Ausstellung in der nächsten Sparkassenfiliale schaffen. Verkauft werden sie aber zu fünf- oder sechsstelligen Beträgen. Ob sie wirklich vom Führer oder vielleicht von Kujau stammen, kann niemand sagen. Ähnlich ist es mit „Hitler’s car“. In den USA existiert bestimmt ein Dutzend Mercedes 770 die alle als das Auto des GröFaZ angepriesen werden. Dass es nur Autos der Reichskanzlei und keinen expliziten Wagen des Führers gab, wird unterschlagen. Was unsereinen frösteln lässt, sehen andere locker, schon auf dem Flohmarkt in Arlon ist es kein Problem an Insignien und Waffen der SS zu kommen. Der gesamte angelsächsische Raum hat kein Problem mit Swastika und SS-Runen etc.
In Deutschland ist die Sammlerszene Dank rigoroser Rechtsvorschriften unter Verfolgungsdruck. In der letzten Woche musste die Bundeswehr in Norddeutschland einen veritablen Wehrmachtspanzer, einen „Panther“ und eine Flak, eine Flugabwehrkanone, aus dem Keller eines Sammlers bergen. Ein Torpedo war da nur noch Beiwerk. Als Technikfreak kann man einen Teil der Faszination noch nachvollziehen. Dass es dem Herren aber nicht um Technik ging, machte ein anderes Bild deutlich - wer eine Arbeit von Arno Breker, des Führers liebster Bildhauer, im Garten stehen hat, dem geht es um ganz etwas anderes…
Auch denen, die Mladics Mütze kaufen werden.


