Luxemburg-Kirchberg, Hort für moderne, kunstvolle Wirtschaftspaläste und Museen im futuristischen Retrolook. Im Schatten der architektonischen Augenweiden lässt die junge Luxemburger Autorin Martine Ventura morden; „Tatort Dräi Eechelen“ lautet der Name ihres zweiten Krimis, der ab sofort in den Bücherregalen der Buchhandlungen liegt.
Hauptprotagonisten sind, wie im ersten Werk, die beiden Ermittler Carmen Meyer und Marc Olinger. Venturas weibliche Protagonistin wirkt wie ein Amalgam aus verschiedenen „Tatort“-Ermittlerinnen, die Sonntag für Sonntag an der Seite ihrer männlichen Partner ermitteln.
Eine Prise Marx,eine Messerspitze Saalfeld
So steckt in der Figur der Carmen Meyer die Erotik der Saarbrückerin Lisa Marx, die mütterliche Besorgtheit der Leipzigerin Eva Saalfeld sowie das taffe Auftreten einer Lena Odenthal aus Ludwigshafen. Die Merkmale einzelner Filmfiguren aus der Hauptprotagonistin herauszufiltern erlaubt dem Leser, dieser Charakterzüge und ein Gesicht zu verpassen. Denn die Informationen, die die Autorin zu Aussehen und Psyche ihrer Figur liefert und die einem erlauben würden, sich eine Figur frei von fremden Charakterzügen zusammen zu bauen, sind äußerst dürftig.
Wobei, befasst man sich mit den anderen Figuren, geht die Autorin noch sehr freigiebig mit Informationen bezüglich ihrer weiblichen Protagonistin um. Über den Kommissar an ihrer Seite lässt sich auf den gut 130 Seiten wenig Informatives zusammentragen; klappt man das Buch zu, so bleiben einem lediglich jene immer wieder kehrenden Passagen im Gedächtnis hängen, in denen sich der Kriminalist am lieblichen Äußeren seiner Kollegin ergötzt.
Von den übrigen Figuren wie z.B. Meyers Jugendfreund Jerry, der im Laufe des Plots von einem dubiosen Ermittler zum potenziellen Mörder auserkoren wird, bekommt der Leser nur rudimentäre Infos. Kurzum: Die Zeichnung der Figuren ist zu schemenhaft.
Die beiden Ermittler dürfen sich in ihrem zweiten gemeinsamen Abenteuer an die Fersen eines Mörders heften, der zwei Männer unweit des „Musée Dräi Eechelen“ umbringt. Ein dritter Toter wird später unter einer Laubdecke im „Bambësch“ ausfindig gemacht.
Fehlender Spannungsbogen
Kommt zu Beginn der Recherchen ein Unternehmer als Mörder in Frage, nimmt die Zahl der Verdächtigen im Laufe der Erzählung merklich zu. Durch das Aufmachen zahlreicher Nebenstränge, die oftmals erst nach krampfhaften Verrenkungen in den Haupterzählstrang münden, kommt selten die für einen Krimi unerlässliche Spannung auf.
So plätschert nach etwa der Hälfte des Buches die Story dahin. Schade, denn aus dem Stoff hätte man durchaus eine spannende Sommerlektüre zusammenflechten können, zumal Martine Ventura sprachlich mit manch etablierten einheimischen Krimiautoren mithalten kann.
Ventura, Martine: Luxemburger Mord: Tatort Dräi Eechelen. 135 Seiten. Editions Schortgen. Preis: 16 Euro


