LUC SPADA

Bob Dylan hat den Literaturnobelpreis erhalten. Und weil Bob Dylan so sehr „street credibility“ ist, braucht er der schwedischen Akademie nicht einmal Rückmeldung zu geben. Krass, dieser Dylan, traut sich echt etwas. Mister Dylan scheißt auf Mainstream, wir wussten es schon immer.

Da freuen sich die alten Ex-Hippies, die sich doch zufälligerweise noch vor kurzem, über Amazon, Dylans Gesamtwerk zugelegt haben und vorgestern noch 50 Leuten ihrer eigenen Privatbank gekündigt haben.

Aber Bob, voll wahrhaftig geblieben.

Ich war nie ein Riesenfan von Dylan, aber ja, auch ich weiß, dass die Antwort irgendwo im Wind bläst und irgendjemand gegen diese scheiß Himmelstür klopft. Immerhin musste Bob Dylan nicht sterben, um diesen Prince-Bowie-Effekt zu erzeugen. Auf einmal kennt ihn jeder und jeder ist immer schon ein großer Fan gewesen. Was? Du kennst ihn nicht? Was bist Du denn für einer?

„Das ist wichtig, Du musst ihn kennen, ich kenne ihn ja schon so voll lange, als niemand an ihn geglaubt hat, dass er je den Literaturnobelpreis bekommen würde. Ich habe immer gesagt, baby, diese Songtexte sind mehr als die durchschnittlichen Lyrics like a prayer oder so“.

Wo ausgezeichnet wird, hagelt es aber natürlich auch immer überhebliche Klugscheißer. Eine Unmenge an Bloggern, Poetry Slammern, Provinzfeuilletonisten, Garagenbandsänger, die nun glauben, dass, wenn Bob Dylan den Literaturnobelpreis erhalten kann, und das nur (!!) als Singer/Songwriter (!!!), ja, dann können sie, die Blogger, die Slammer, die Provinzfeuilletonisten, die Garagenbandsänger, die Hobbymaler, die sich selbsternennenden Meinungsmacher, dann können sie, letztere, den (Literaturnobelpreis) auch bekommen.

NEIN, KÖNNT IHR NICHT!

Weil ihr einfach nicht gut genug seid!

Weil ihr nicht mal ansatzweise, nicht mal einen Hauch von Dylans Werk, sowohl literarisch, musikalisch, als auch intellektuell und emotionell, aufzuweisen habt. Vielleicht seid ihr aber auch, wie dieser Dylan, ganz großartig, dann müsst ihr (siehe Kolumne aus vorheriger Woche) einfach, genau, warten.

PUNKT! KEINE DISKUSSION!

Und dann gibt es die Stimmen, die ununterbrochen darauf bestehen, dass RICHTIGE Literaten, weil Text ohne Musik, wie Murakami und/oder Houellebecq, die schwedische Auszeichnung viel mehr verdient haben.

WARUM?

Nur weil eure sweete Ex-Freundin im Blümchenkleid, die vor zehn Jahren aus dem Psychologiekurs in Heidelberg, immer „Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah“ las und dabei bezaubernd-melancholisch aussah? Oder war es der hotte Kiffer mit Nirvana-Shirt, aus dem Psychologiekurs in Freiburg, der euch mit seinen Interpretationen zu Houellebecqs „Ausweitung der Kampfzone“ den Atem geraubt hat?

Die Aufgabe einer Nobeljury ist, kompetente und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Das soll verhindern, dass Menschen wie Mario Barth oder Dieter Bohlen den Literaturnobelpreis bekommen.

Auftrag erfüllt.